Eine Shell-Tankstelle
Bildrechte: Tankstellenmuseum Kamenz

18.05.2019 | 08:07 Uhr In Kamenz wird die Tankstelle zum Museum

In den Anfängen des Automobils war das Tanken noch ein Erlebnis und die Zapfsäulen echte Schmuckstücke. In Kamenz kann man sie in einem Museum bewundern, das auch am Sonnabend zur Nacht der Museen geöffnet hat.

Eine Shell-Tankstelle
Bildrechte: Tankstellenmuseum Kamenz

Im Jahr 1925 brach in Kamenz das Zeitalter der Tankstellen an. Damals erhielt Schmiedemeister Richard Feuchtemeyer die Genehmigung für die erste Tankstelle in Kamenz in der Breiten Straße. Dort steht sie auch heute noch, allerdings gibt es hier schon lange kein Benzin mehr. Dafür schmücken sie zwei originale Shell-Tanksäulen aus den 1930er Jahren.

"Die alte Technik ist einfach nur Klasse"

Dass die alte Tankstelle erhalten blieb, ist Ulf Berger zu verdanken, dem Urenkel von Richard Feuchtemeyer. Vor 20 Jahren hat er die beiden alten Zapfsäulen restauriert. "Die alte Technik ist einfach nur Klasse", findet der gelernte Schmied. Seitdem ist er nicht mehr von der historischen Tanktechnik der 1930er Jahre losgekommen. In seinem kleinen Tankstellenmuseum kann man einige seiner Schmuckstücke bewundern.

Tankstelle der Firma Olex in Halle/Saale in den 1930er Jahren
Eine Tanksäule der Firma Olex in Halle/Saale in den 1930er Jahren. Bildrechte: Tankstellenmuseum Kamenz

In Deutschland hat jede Ölhandelsgesellschaft ganz markant  versucht, eine eigene Tanksäule regelrecht zu kreieren. Da gab es viele verschiedene Formen. Das macht das Sammeln auch so interessant.

Ulf Berger

Vom Schrott zum Schmuckstück

In Ulf Bergers Museum stehen nur Zapfsäulen, die vor dem zweiten Weltkrieg gebaut wurden. Gefunden hat er sie in alten Scheunen, auf Oldtimermärkten oder über das Internet. Viele waren fast schrottreif, so dass es oftmals viele hundert Arbeitsstunden braucht, um sie wieder herzurichten. "Das geht nur mit viel Arbeit, Liebe und Herzblut", sagt Berger. Inzwischen hilft auch das Internet, denn oftmals gibt es keine Unterlagen, wie die Zapfsäulen der einzelnen Handelsgesellschaften tatsächlich ausgesehen haben.

Lange Nacht der Museen in Kamenz 18. Mai 2019 I 18 - 24 Uhr

Alle Kamenzer Museen und Kirchen haben geöffnet und laden zu Führungen und Aktionen ein. Auch das Tankstellenmuseum und die angeschlossene alte Schmiede sind offen.

Von Rekordin und Dynamin

Gut 20 Zapfsäulen hat er in den vergangenen Jahren restauriert. Außerdem zeigt er in seinem kleinen Museum auch anderes historisches Tankzubehör und Wissenswertes zur Geschichte der ersten Ölhandelsgesellschaften. So lernt man unter anderem, dass damals das Benzin nicht einfach nur Benzin hieß. Die Gesellschaften dachten sich Fantasienamen wie Rekordin, Dynamin oder Olexin aus. Strom brauchte man zum tanken übrigens auch nicht. Die mechanischen Pumpen liefen damals noch im Handbetrieb und nutzten nur die Schwerkraft, um das Benzin in den Autotank zu bekommen. Wer mehr darüber erfahren will, für den öffnet Ulf Berger auf Anfrage gerne sein Tankstellenmuseum in der Breiten Straße in Kamenz, auch wenn nicht gerade Nacht der Museen ist.

So schön kann tanken sein ....

Alte Aufnahme von Männern vor einer Tankstelle
So fing alles an: Im Mai 1925 erhielt Richard Feuchtemeyer die Genehmigung für die erste Tankstelle in Kamenz. Bildrechte: Tankstellenmuseum Kamenz
Alte Aufnahme von Männern vor einer Tankstelle
So fing alles an: Im Mai 1925 erhielt Richard Feuchtemeyer die Genehmigung für die erste Tankstelle in Kamenz. Bildrechte: Tankstellenmuseum Kamenz
Eine Shell-Tankstelle
So sah die Tankstelle Anfang der 1990er Jahre vor der Restaurierung aus .... Bildrechte: Tankstellenmuseum Kamenz
Tankstellenmuseum Kamenz
... und so danach. Die beiden Shell-Tanksäulen waren die ersten, die Ulf Berger restauriert hat. Bildrechte: MDR/Viola Simank
Tankstellenmuseum Kamenz
ImTankstellenmuseum von Ulf Berger stehen mehr als 20 restaurierte Zapfsäulen aus der Zeit vor dem 2. Weltkrieg. Bildrechte: MDR/Viola Simank
Tankstellenmuseum Kamenz
Ulf Berger demonstriert die Handpumpe. Das Tanken funktionierte damals ohne Strom. Bildrechte: MDR/Viola Simank
Tankstellenmuseum Kamenz
Die Ölhandelsgesellschaften kreierten eigene Namen für das Benzin. Die Oelhag erfand zum Beispiel "Rekordin". Bildrechte: MDR/Viola Simank
Tankstellenmuseum Kamenz
Neben den alten Zapfsäulen sammelt Ulf Berger auch Zubehör und Wissenswertes über die Ölhandelsgesellschaften jener Zeit. Bildrechte: MDR/Viola Simank
Tankstelle der Firma Olex in Halle/Saale in den 1930er Jahren
So tankte man in den 1930er Jahren: Eine Tankstelle der Firma Olex in Halle/Saale. Bildrechte: Tankstellenmuseum Kamenz
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Quelle: MDR/vis

Dieses Thema im Programm bei MDR SACHSEN MDR SACHSENSPIEGEL | 19.05.2019 | 19:00 Uhr

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