Werke in der Oberlausitz | Update Nächste Woche weitere Verhandlungen zu Strategie für Bombardier-Standorte

Arbeiter von Bombardier Transportation
Bei Bombardier geht es am Dienstag auch um Aufträge für Bautzen Bildrechte: dpa

Bei Bombardier in Hennigsdorf werden die Verhandlungen über die künftige Unternehmensstrategie in der kommenden Woche fortgesetzt. Geschäftsführung und Betriebsrat haben am Dienstag noch keine Einigung erzielt. Aus Gewerkschaftskreisen hieß es, die Geschäftsführung halte an der intern umstrittenen Spezalisierung der Standorte fest, sei aber offen für Vorschläge. Mithilfe einer finanziellen Beteiligung durch die Arbeitnehmer soll die Schieflage des Konzern zumindest gemildert werden.

Doch nicht nur in diesem Bereich klaffen die Vorstellungen von Geschäftsleitung und Gewerkschaft weit auseinander, sagte der Bautzener Betriebsratschef Gerd Kaczmarek MDR SACHSEN. Wenn Bombardier den neuen Regionaltriebwagen Talent3 nicht mehr wie geplant in Bautzen baue, müssten andere Aufträge her. In dem Werk arbeiten 1.100 Menschen. Bekannt ist der Standort unter anderem für Straßenbahnen und Doppelstockwaggons, deren Wiege im Görlitzer Partnerwerk liegt.

Kaczmarek verwies auch auf die Corona-Krise. Weil weniger Menschen mit öffentlichen Verkehrsmitteln fahren, sei auch die Nachfrage nach Neufahrzeugen derzeit verhalten. Das mache die Suche nach neuen Aufträgen nicht einfacher. Zuerst hatte die "Sächsische Zeitung" berichtet.

Aufträge an Konkurrenten

Bombardier will den neuen Regionalzug von einem bislang unbekannten Konkurrenten fertigen lassen. Damit konnten Bedenken der EU-Wettbewerbshüter zerstreut werden, die den Verkauf der Schienenfahrzeugsparte an den französischen Alstom-Konzern genehmigen mussten.

Die EU-Kommission hatte die milliardenschwere Fusion des TGV-Herstellers Alstom und der Zugsparte des kanadischen Konzerns Bombardier Ende Juli genehmigt. Von der Übernahme betroffen sind auch die beiden Oberlausitzer Standorte in Bautzen und Görlitz. Alstom und Bombardier hatten Anfang Juli angekündigt, die Bombardier-Produktionsanlagen am Standort Hennigsdorf bei Berlin zu verkaufen.

Hohe Kosten für Nacharbeiten an Zügen

Auch Qualitätsprobleme schlagen sich in den Bilanzen des kanadischen Konzerns nieder. Nachbesserungen an Zügen in Deutschland und damit verbundene Kostensteigerungen haben Bombardier erneut in die roten Zahlen rutschen lassen. Der kanadische Zug- und Flugzeughersteller verbuchte im zweiten Quartal Sonderbelastungen von 435 Millionen Euro für Altlasten bei Eisenbahn-Projekten in Deutschland und Großbritannien, wie das Unternehmen Ende vergangener Woche mitteilte. Dabei gehe es unter anderem um Kosten für Zulassung und Nachrüstung von Zügen.

Quelle: MDR/lam/Reuters

Dieses Thema im Programm bei MDR SACHSEN MDR SACHSEN - Das Sachsenradio | 11.08.2020 | 07:00 Uhr in den Nachrichten

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