29.05.2019 | 13:20 Uhr AfD kann bei sorbischen Wählern kaum punkten

Je weiter man in Sachsen ostwärts fährt, desto stärker wird die AfD. In zwei Landkreisen in Sachsen hat die AfD die meisten Stimmen bekommen: im Landkreis Görlitz und im Landkreis Bautzen. Dies sind Regionen, in denen auch viele Sorben leben. Wie schätzen die Bewohner dort das Wahlergebnis ein? Machen sie sich Sorgen vor fremdenfeindlichen Haltungen oder finden sie die regierungskritische Haltung der AfD eher gut?

Gepflegte Grundstücke, adrette Häuser, saftige Weiden zwischen uralten Bäumen und kunstvoll geschmiedete goldene Wegkreuze prägen das Bild des sorbischen Gemeindeverbundes Panschwitz-Kuckau. Markus Kreuz von der CDU ist hier der ehrenamtliche Bürgermeister und hat die Wahlen am Sonntag beobachtet. "Man musste feststellen, dass die AfD doch ein paar mehr Stimmen geholt hat. Aber das gesamte Wahlergebnis hat gezeigt, dass wir hier im Verwaltungsverband – also Crostwitz, Räckelwitz, Nebelschütz und Ralbitz-Rosenthal – eigentlich eine gute Arbeit gemacht haben", schätzt Kreuz ein. Denn in den fünf sorbischen Gemeinderäten werden in den nächsten vier Jahren weiter die Freien Wählervereinigungen und die CDU die Kommunalpolitik gestalten. Die AfD hat zwar auch einige Stimmen bekommen. Doch die reichen nicht zum Mitregieren.

Mehr für den Bürger, für den Kleinen tun

Aber keine zehn Kilometer entfernt – in Königswartha und Kamenz – hat es die AfD in die Stadt- und Gemeindeparlamente geschafft. Sogar als zweit- oder drittstärkste Kraft. Viele Panschwitz-Kuckauer scheuen sich, das gute Abschneiden der AfD zu bewerten. An einem Gemüsestand wagt es dann doch eine Frau, ihre politische Meinung offen zu äußern: "Ich muss ehrlich sagen, ich bin für die AfD. Ich bin mit den anderen Parteien nicht zufrieden, so wie die Politik mit der CDU läuft. Ich bin gegen die ganze Ausländerpolitik." Die Sorge vor Ausländern hat auch einen anderen Bewohner offenbar dazu bewogen, die AfD zu wählen. Er wünscht sich "weniger Ausländer, mehr für den Bürger tun. Für die Kleinen und nicht bloß immer für die Großen alles tun."

In einem größeren Betrieb im Ort werden große Landmaschinen verkauft. Das Geschäft läuft gut, heißt es. Dennoch klagt ein Werkstattmitarbeiter über die aktuelle Politik: "Was helfen die? Wann wollen die helfen? Das ist die Frage. Die versprechen immer, das sehen wir mit dem Wolf. Da wird ein Zirkus gemacht, hin und her und raus kommt nichts." Trotzdem sind die meisten skeptisch, ob die AfD tatsächlich das halten kann, was sie sich von den etablierten Parteien versprechen. "Besser werden sie es nicht machen, aber anders", schätzt ein Mittvierziger ein. "Dass viele AfD gewählt haben, wird wohl daran liegen, dass viele Protestwähler dabei sind. Die AfD wird's auch nicht richten", sagt ein anderer Einwohner.

Obwohl viele Wähler realistisch sind und wissen, dass die AfD auch nur mit Wasser kocht, so scheint es ihnen trotzdem zu gefallen, dass sie mit dieser Partei zumindest die ersehnte Aufmerksamkeit auf sich lenken können.

Quelle: MDR/rh/ris

Dieses Thema im Programm bei MDR SACHSEN MDR SACHSEN - Das Sachsenradio | 29.05.2019 | Der Nachmittag | 15:10 Uhr

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20 Kommentare

31.05.2019 17:37 Elster93 20

Sorben werden in der Lausitz immer wieder von Rechtsradikalen bedroht, weil sie ihnen nicht "Deutsch" genug sind. Das geht schon bei Jugendlichen los.

31.05.2019 15:13 Lotzerich Jankowitsch 19

Was mir bei aller Diskussion ob sie nun Klug oder sachlich oder nichts von beiden geführt wird wirklich fehlt ist, dass in diesem wirklich schlechten Artikel die Situation einfach heruntergespielt wird!
Ja die Freien Wähler und die cdu haben weiter das Vertrauen von der Mehrheit, aber denn haben in Panschwitz-Kuckau 16,8 in Crostwitz 18,8 in Nebelschütz 21,9 in Räckelwitz 22,8 und in Ralbitz-Rosenthal 23,7% zur Europawahl die AFD gewählt! Ca. Jeder Fünfte in den sorbischen Gemeinden also! Das nenne ich erschreckend! Das ist und bleibt viel. Was denken sich diese Sorben? Meinen diese, eine AFD-regierte Lausitz währe ernsthaft auf Dauer sorbenfreundlich??

Zweitens erschreckt mich warum sich der MDR nicht damit beschäftigen will was die Wahlen mit der Mehrheit der Sorben macht! Natürlich werden Ängste geweckt! Natürlich gibt es große Verunsicherung! Gerade bei den Sorben, die nicht im Verwaltungsverband am Klosterwasser leben, dort, wo die AFD 40% gewonnen hat wie in Hochkirch...

31.05.2019 14:14 Friedrich 18

Also ich denke die Sorben sind eine konservative, an ihren Traditionen hängende Volksgruppe.
„Die Sorben sollten im Dritten Reich systematisch ihrer Identität beraubt werden.“
Ich denke das haben sie nicht vergessen. Darum stehen sie allen Gruppierungen die zumindest zum Teil den Sprachgebrauch und das Gedankengut der NSDAP aufgreifen sehr kritisch gegenüber. Was ich sehr gut nachvollziehen kann.

31.05.2019 12:10 Luftikus 17

@16/ Sie und auch Leser wie dieser Mediator, verkörpern das Grundproblem in der politischen Streitkultur in Deutschland. Wer nicht ein strammes linkes Weltbild verfolgt, fischt in der ersten Stufe der Verunglimpfung am rechten Rand. In der 2. Eskalationsstufe ist man dann ein Rechtspopulist. In der 3. Stufe wird man dann zum Nazi erklärt, dem(nach Ihren Aussagen) selbst die AfD zu weit links ist. Wie weit die Hetze auf Andersdenkende schon vorangekommen ist, zeigen gerade die Ereignisse an der Kunsthochschule Dresden. Ob die Sorbin nun gefragt werden wollte oder nicht, müssen notfalls die Gerichte klären. An der Grundaussage dieses Plakats(das ich nicht kenne), ist m.M.n. nichts verwerfliches zu finden. Ich hinterfrage alles kritisch. Dies haben mir meine Eltern beigebracht. Meinem Vater hat dies in zwei deutschen Diktaturen insgesamt sieben Jahre Haft(davon sechs Monate in einem KZ) eingebracht. Ihre (ironischen) Entschuldigungen können Sie sich deshalb sonst wohin stecken.

30.05.2019 22:35 Ex - Thueringerin 16

@14. Luftikus - ich bitte um Entschuldigung, wenn ich Ihnen die falsche Partei zugeordnet habe. Nach Ihren Posts zu urteilen, ist Ihnen die AfD sicher zu links. - auch die andere Unkorrektheit bitte ich zu entschuldigen: stolze 11% hat Ihre Nicht-Lieblingspartei eingefahren. - sicher kennen Sie das AfD-Wahlplakat "Bunte Vielfalt? - haben wir schon!", auf dem u. a. eine Sorbin in Tracht ungefragt für Parteizwecke instrumentalisiert wurde - einer von vielen Gründen, warum diese Volksgruppe Ihrer Empfehlung eher nicht folgen dürfte.

30.05.2019 20:13 Fakt 15

>>Jevgeni, #11:
"Einfach mal machen lassen."<<
--------
Dass die Blaubraunen in der Lage wären, etwas zu machen, hätten die in den Länderparlamenten oder im Bundestag doch längst zeigen können. Und was machen die dort? Richtig: Nichts! Abgesehen von ein paar vollkommen sinnlosen und kruden Anträgen und ständigem Brechreiz hervorrufenden Gekeife.

30.05.2019 18:12 Luftikus 14

@7 Ex- Thüringerin/ Welche Partei ist den Ihrer Meinung nach meine Lieblingspartei? Haben Sie mir am Wahltag beim Kreuze machen über die Schulter geschaut? Wenn Sie mit der Partei, die sich nach Ihren Aussagen mühsam über die 10% hangelte, die AfD meinen, haben Sie wohl gravierende Probleme mit der Mathematik. Ich sehe bei dieser Truppe zumindest nicht unerhebliche Zuwächse gegenüber der voran gegangenen Europawahl. Darüber hinaus kann ich keine Wahlergebnisse befragen, sondern nur Personen, die für diese Ergebnisse verantwortlich sind. Ein schlechter Ausdruck kommt also auch dazu. @10 Peter W. / So ein verschrifteter Unsinn. Sorben sind i.d.R. erzkatholisch und konservativ. Ich behaupte, daß diese Volksgruppe bei der AfD besser aufgehoben wäre, als bei den Pseudochristen um Merkel und der CDU. Die stehen für hemmungslose Zuwanderung aus der islamischen Welt und damit eher für den Untergang der sorbischen Kultur.

30.05.2019 16:09 Ex - Thueringerin 13

@11. Jevgeni - Sie kennen schon das Wahlprogramm der AfD Sachs., obwohl es erst am Wochenende verabschiedet werden soll? - bei einigen Medien kann man schon Auszüge aus dem Entwurf lesen (der MDR ist da abwartender) - was man liest, ist gruselig-dumpf-rückwärtsgewandt.

30.05.2019 12:30 aus Dresden 12

@9, @10
Die Gleichsetzung alteingesessener Minderheiten mit sozialen Gruppen kommt gar nicht @2, sondern von Ihnen.

Es ging lediglich um das Herauspicken des MDR von Gruppen mit geringem AfD-Wähleranteil. Warum nur kommt da nichts von Gewerkschaftsmitgliedern und Kirchenmitgliedern? Gewerkschaftsbonzen und Kirchenbosse krakeln doch bei dem Thema immer so laut rum.

30.05.2019 12:26 Jevgeni 11

Zitat: "Obwohl viele Wähler realistisch sind und wissen, dass die AfD auch nur mit Wasser kocht, so scheint es ihnen trotzdem zu gefallen, dass sie mit dieser Partei zumindest die ersehnte Aufmerksamkeit auf sich lenken können. "

Hat irgend jemand behauptet, das die AfD mit etwas andrem als mit Wasser kocht? Ich werde irgend wie das Gefühl nicht los, das niemand sich das Wahlprogramm mal durchgelesen hat. Da steht klar drin was die AfD (besser)machen will. Glaskugeln haben scheinbar Hochkonjunktur. Aussagen wie "Die AfD wird's auch nicht richten" sind sonst nicht erklärbar. Einfach mal machen lassen. Es kommen wieder Wahlen.

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