Ein Panzer auf der Ladefläche eines Sattelschleppers.
Bildrechte: MDR/Tino Plunert

"Zwischenstopp" auf A4-Rastplatz Rohrkrepierer auf der Autobahn - Panzerhaubitzen festgesetzt

Auf der A4 am Rastplatz Oberlausitz werden derzeit sechs Panzerhaubitzen der US-Armee umgeladen. Die Polizei hatte den Konvoi gestern gestoppt, weil dem polnischen Spediteur Dokumente fehlten und die Panzer zu schwer und zu breit für die verwendeten Fahrzeuge waren. Die Panzerhaubitzen sollen zu einem Truppenübungsplatz nach Bayern gebracht werden.

Ein Panzer auf der Ladefläche eines Sattelschleppers.
Bildrechte: MDR/Tino Plunert

Der Rastplatz Oberlausitz bei Bautzen hatte sich kurzfristig zum "Krisengebiet" entwickelt: Sechs Panzerhaubitzen der US-Armee sorgten für Aufsehen, nachdem die Polizei am Mittwoch den Militärkonvoi aus Polen gestoppt hatte. Eine polnische Spedition sollte die Panzer ursprünglich zum Truppenübungsplatz Grafenwöhr in der Oberpfalz bringen. Seit dem Zwangsstopp sorgen die Gefährte für Gesprächsstoff auf dem Rastplatz.

"Der polnische-amerikanische Einmarsch wurde Gott-sei-dank verhindert", amüsierte sich ein Autofahrer vor Ort über das Geschehen. Einer Streife der Autopolizei war der Konvoi aufgefallen, weil die sechs Panzer auf Tiefladern transportiert wurden, die sonst nur für Baumaschinen oder Bagger verwendet werden. "Klassischer Rohrkrepierer! Amerikanische Lässigkeit und polnisches Unternehmertum scheitern in Deutschland", kommentierte ein Brummifahrer.

Thomas Knaup Polizeisprecher
Bildrechte: MDR/Uwe Walter

Dieser Transport passte schon vom Auge nicht zusammen. Bei der Kontrolle kam eine lange Mängelliste zusammen.

Thomas Knaup Polizeidirektion Görlitz

Nicht nur die Transportpapiere waren unvollständig. Auch Ausnahmegenehmigungen für Schwerlast- und Militärtransporte fehlten. "Da wollten die Amis Geld sparen und haben eine polnische Billigspedition genommen", feixte ein Autofahrer in der Raststätte und mutmaßte: "Jetzt wird es richtig teuer!" So ganz falsch lag er mit seiner Vermutung nicht. Der Spediteur aus Posen muss offenbar tief in die Tasche greifen: Nach seinen Angaben kosten die erforderlichen Genehmigungen 630 Euro. Weiterhin droht ihm eine Strafe von mehr als 1.000 Euro aufgrund der Verstöße gegen die deutsche Straßenverkehrsordnung.

Zu schwer und zu breit

Der Sprecher der Polizeidirektion Görlitz Thomas Knaup erläuterte mit Hinweis auf die Tieflader, die Gefährte seien für derartige Transporte nicht geeignet. Messungen hätten ergeben, dass die Transporter mit bis zu 16 Tonnen überladen waren. Zudem waren die Kettenfahrzeuge zu breit, um ohne Sondergenehmigung unterwegs zu sein. Auch die Begleitfahrzeuge entsprachen nicht der Straßenverkehrsordnung.

Bei den Panzerhaubitzen handelt es sich um amerikanische M 109. Sie sind 25 Tonnen schwer, etwa neun Meter lang und mehr als drei Meter breit. Ihre 155-mm-Kanone kann auch Atomsprengköpfe verschießen. Die Reichweite liegt bei 15 Kilometer. Seit den 1960er-Jahren gehört die Panzerhaubitze zur Standartbewaffnung der NATO.

Die sechs Begleiter der US-Armee wollten sich zu den Problemen auf dem Rastplatz nicht äußern. Dagegen schimpften die polnischen Brummifahrer über deutsche Vorschriften und Bürokratie: "Andauernd verlangen die Deutschen was Neues von uns." Ein anderer bemerkte genervt: "Jetzt hängen wir hier fest. Keiner kümmert sich um uns Fahrer."

Attraktion am Rastplatz

Der gestoppte Militärkonvoi am Rastplatz Oberlausitz war schnell zur Attraktion geworden. Über das Pech der Amerikaner und der Polen amüsiert man sich köstlich und das Geschehen wird in nicht druckbaren Worten kommentiert. Staunend fahren auch weitere Konvois der US-Armee am Rastplatz Oberlausitz vorbei. Sie kommen von einer Übung aus dem Osten von Polen zurück.

Weiterfahrt am Abend

Sobald die polnische Spedition alle Mängel beseitigt hat, könnten die gestoppten Panzer am Abend Richtung Oberpfalz weiterrollen. Weil die Haubitzen keine Munition an Bord haben, betrachtet die Polizei den Konvoi als normalen Schwerlasttransport. "Ob da Windräder oder Panzer transportiert werden, das spielt in diesem Falle keine Rolle", meinte Thomas Knaup von der Polizeidirektion Görlitz.

Ein Panzer auf der Ladefläche eines Sattelschleppers.
Gestoppte Panzerhaubitze auf einem Sattelschlepper am Rastplatz Oberlausitz. Bildrechte: MDR/Tino Plunert

Quelle: MDR/uw

Über dieses Thema berichtet MDR SACHSEN auch im Radio: MDR SACHSEN - Das Sachsenradio | 11.01.2017 | 13:10 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 11. Januar 2018, 20:19 Uhr

Die Kommentierungsdauer ist abgelaufen. Der Beitrag kann deshalb nicht mehr kommentiert werden.

6 Kommentare

13.01.2018 19:00 colditzer 6

Mediator,
wer das atomare Geschoß abbekommt, den interessieren weder 15 noch 40 Km.
Ich hoffe, Ihre Stube bleibt sauber.

12.01.2018 14:33 Mediator 5

Letztendlich ist dies ein banaler Vertsoß gegen die Vorschriften für die Durchführung von Schwertransporten sowie Lenk- und Ruhezeiten.
Die Fahrzeuge der ZIVILEN Spedition wurden gestoppt, die Weiterfahrt untersagt und geeignete Fahrzeuge herangeführt. Passiert vermutlich täglich 100 mal in Deutschland. Von daher kann man sich das US-Bashing gerne sparen.

Ansonsten ist der Artikel leider inhaltlich nicht korrekt was die Überbreite des Transports angeht. Hier wurde schlicht und ergreifend die Breite der M109 genannt.

Leider entspricht das Aktualitätt der Hintergrundinformationen zur Panzerhaubitze M109 im Artikel dem Stand der 60er Jahre. die Reichweite der M109A6 liegt inzwischen im Bereich 40 km und nicht wie im Artikel genannt bei 15 km.

12.01.2018 08:36 Pattel 4

Hier herrschen eben deutsche Sicherheitsvorschriften und das ist gut. Polnische und Ami Verhältnisse brauchen wir nicht hier.

11.01.2018 23:15 Philip 3

So oder so, traurig dass diesen Militärs die Sicherheit auf unseren Straßen egal ist.

Mal ganz abgesehen davon, wie unangebracht solch ein martialisches Auftreten ist. Auf der A2, wo so etwas viel mehr sehen, würden die sich so etwas sicher nicht trauen.

11.01.2018 18:48 jochen 2

Man sollte diesen Amischrott schnellstens entsorgen.
Und denen die Kosten in Rechnung stellen.

11.01.2018 17:31 adama 1

Für einen Konvoi der Bundeswehr und auch der US Armee gelten Sonderregelungen. Wenn die Polen unter US-Flagge gefahren sind, durfte man sie nicht anhalten. Das wird unter Umständen teuer und peinlich für die deutschen Polizisten. Aber offensichtlich sind alle Beteiligten in Unkenntnis über die Rechtslage. Die begleitenden US-Soldaten, die offenbar nicht gebrieft waren, die Polen, die sich nicht abgesichert haben, und die deutsche Polizei.