Aktionstag Bombardier: Mit Flugblättern für Arbeitsplätze in Görlitz und Bautzen

Mit Flugblättern haben Bombardier-Mitarbeiter am Donnerstag für den Erhalt ihrer Arbeitsplätze an den Standorten Görlitz und Bautzen demonstriert. Die Zukunft der gut 1.500 Jobs in der Oberlausitz ist bei der geplanten Fusion der Bombardier-Zugsparte mit dem Zughersteller Alstom zumindest ungewiss. Gewerkschaften hatten zu einem europaweiten Aktionstag aufgerufen.

Werkshalle mit Triebwagen in der Herstellung
Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Mit einer "aktiven Frühstückspause" und Flugblattaktionen zu Beginn der Früh- und der Spätschicht haben Bombardier-Mitarbeiter am Donnerstag für den Erhalt ihrer Arbeitsplätze an den Standorten Görlitz und Bautzen demonstriert. Dazu hatte die IG Metall aufgerufen. "Erstmalig findet ein europaweiter gemeinsamer Aktionstag mit allen Gewerkschaften vor einer Fusion statt", sagte Stefan Schaumburg, IG-Metall-Bezirksleiter für Berlin, Brandenburg und Sachsen. Seinen Angaben zufolge haben sich in Görlitz und Bautzen sowie dem Brandenburger Bombardier-Werk Hennigsdorf mehrere hundert Mitarbeiter an dem Aktionstag beteiligt.

Frühschicht mit Flugblättern

Ab 4:30 Uhr standen am Morgen in Bautzen, eine Viertelstunde später auch in Görlitz Gewerkschafter vor den Betriebstoren, um die Mitarbeiter zu informieren. Unter ihnen auch Betriebsratsmitglied und IG-Metall-Gewerkschafter Andre Nietsche, der auch am frühen Nachmittag noch Flugblätter an die Mitarbeiter der Spätschicht verteilte. Auf ihnen geht es um den Erhalt von rund 1.500 Arbeitsplätzen an den Oberlausitzer Bombardier-Standorten Görlitz und Bautzen, die jetzt auch vom geplanten Zusammenschluss mit dem französischen Konzern Alstom abhängen.

Aktionen an vielen weiteren Standorten

"Die Beschäftigten und Gewerkschaften fordern die Unternehmensleitungen von Bombardier und Alstom auf, alle Arbeitsplätze und alle europäischen Standorte zu sichern und sich zu echten Garantien zu verpflichten", hieß es auf den Flugblättern. Auch in Kassel, Siegen und Mannheim sowie am einzigen deutschen Alstom-Standort in Salzgitter hatte die Gewerkschaft ähnliche Aktionen organisiert. Am Standort in Hennigsdorf habe sich der neue kommissarische Bombardier-Deutschlandchef Marco Michel die Fragen der Beschäftigten angehört und sich für ihre Belange ausgesprochen, teilte die Gewerkschaft mit. Er war erst am Mittwoch ins Amt gekommen - der bisherige Deutschland-Chef von Bombardier Transportation, Michael Fohrer, hatte "aus persönlichen Gründen" seinen sofortigen Weggang verkündet.

Bedenken der Wettbewerbshüter

Alstom, der französische Hersteller des Hochgeschwindigkeitszugs TGV, hatte im Februar angekündigt, die Zugsparte von Bombardier übernehmen zu wollen. Nach damaligen Angaben kostet das Vorhaben 5,8 bis 6,2 Milliarden Euro. Derzeit untersuchen EU-Wettbewerbshüter die geplante Übernahme. Bis Mitte Juli soll eine Entscheidung fallen. Die Wettbewerbshüter können dann auch noch eine vertiefte Prüfung anordnen. Im vergangenen Jahr waren Alstom und die Siemens-Zugsparte Mobility bei einem ähnlichen Fusionsversuch an dem Veto der EU-Kommission gescheitert. Um die Bedenken der Wettbewerbshüter auszuräumen, hatten beide Unternehmen vor einigen Tagen angekündigt, die Talent-3-Plattform und die zugehörigen Produktionsanlagen am Standort Hennigsdorf bei Berlin verkaufen zu wollen.

Kritik an Informationspolitik

Derzeit scheint es allerdings, als werde sich die EU-Kommission nicht vor Anfang August äußern, ob dieses Entgegenkommen der Konzerne für die Fusion akzeptiert wird - oder ob nachgebessert werden muss. "Bei den Beschäftigten von Bombardier Transportation ist fünf Monate nach der Ankündigung der Übernahme durch Alstom die Unsicherheit immer noch sehr hoch", kritisierte die Gewerkschaft. Dem müsse auch mit einer "möglichst transparenten Informationspolitik" begegnet werden.

Quelle: MDR/rad/dpa

Dieses Thema im Programm bei MDR SACHSEN MDR SACHSEN - Das Sachsenradio | 16.07.2020 | 16:30 Uhr in den Regionalnachrichten aus dem Studio Bautzen

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