Bombardier mit Liefer- und Softwareproblemen Görlitzer Doppelstockwagen fehlen im Berufsverkehr

Das Bombardierwerk in Görlitz sorgt für verärgerte Bahnkunden in Brandenburg. Dort muss die Deutsche Bahn mit veralteten S-Bahn-Waggons aus Dresden und mit Bussen insbesondere den Berufsverkehr absichern, weil 13 bestellte Doppelstockwagen der neuesten Baureihe nicht ausgeliefert werden können.

In der Oberlausitz machen seit Wochen die Waggon- und Straßenbahnbauer von Bombardier mobil. Sie fürchten um ihre Arbeitsplätze, denn die Konzernleitung hat umfangreiche Stellenkürzungen angekündigt. In knapp drei Wochen will die deutsche Geschäftsführung in Berlin Einzelheiten dazu bekanntgeben. Es geht um die Sanierung von Bombardier.

Tiefrote Zahlen bei Bombardier

Der kanadische Konzern steckt noch immer in den tiefroten Zahlen, weil er sich beispielsweise in der Flugzeugsparte verkalkuliert hat. Doch auch bei Bombardier Transportation in Sachsen läuft offenbar nicht alles rund. Immer wieder haben in den vergangenen Jahren die Betriebsräte in Bautzen und Görlitz über Missmanagement geklagt. Die Produktion musste beispielsweise ruhen, weil Material fehlte. Auch deshalb beklagten die Görlitzer Beschäftigten bereits seit Monaten Probleme bei der termingerechten Auslieferung ihrer Doppelstock-Fahrzeuge. Nun werden die Probleme von Bombardier in Brandenburg deutlich sichtbar.

Dresdner S-Bahn-Wagen auf Brandenburger Gleisen

Der Deutschen Bahn fehlen im Nachbarland Brandenburg insgesamt 13 bestellte Doppelstockwagen aus dem Bombardierwerk in Görlitz. Die Wagen sollten nach Angaben des Konzernbevollmächtigen der Deutschen Bahn Joachim Trettin bereits im Jahr 2014 ausgeliefert werden. Wegen der besonderen Görlitzer Bauart könnten deshalb fünf Doppelstockzüge nicht zum Einsatz kommen. Immer öfter muss die Bahn auf Schienenersatzverkehr zurückgreifen. Außerdem fahren nun frühere Dresdner S-Bahn-Wagen in Brandenburg, um den dortigen Berufsverkehr absichern zu können. Die veralteten S-Bahn-Züge und der Schienenersatzverkehr sorgen natürlich für verärgerte Kunden bei der Deutschen Bahn.

Steuerwagen der S-Bahn Dresden
Ein Steuerwagen der S-Bahn Dresden. Bildrechte: MDR/L. Müller

Bombardier hat den Anschluss verpasst

In Görlitz hatten Beschäftigte von Bombardier hinter vorgehaltener Hand beklagt, dass der Standort von der Konzernleitung immer mehr aufs Abstellgleis geschoben wird. Als Beweis führten sie die Materialengpässe an, das Abwerben oder Versetzen von Spezialisten an andere Standorte sowie den häufigen Personalwechsel in den Büros der Görlitzer Werkleitung. Dabei hieß es noch vor einigen Jahren: "Görlitz ist das Kompetenzzentrum für Doppelstock bei Bombardier."


Offenbar setzten die Görlitzer zu lange auf ihre traditionellen Doppelstockwagen.

Das Ende des Görlitzer Kompetenzzentrums "Doppelstock" wurde wahrscheinlich in der Schweiz eingeläutet. Der Schweizer Eisenbahnhersteller Stadler gewann vor etwa sieben Jahren eine Ausschreibung um den Berliner Nahverkehr mit elektrischen drei-, vier- oder sechsteiligen Doppelstock-Trieb-Zügen. Eine Neuentwicklung auf der Schiene! Die Görlitzer hatten derartiges nicht zu bieten. Doppelstock-Trieb-Wagen, bei denen die Lokomotive entfällt, hatte Bombardier erst drei Jahre später im Programm.

Zahlreiche Änderungen erforderlich

Ursprünglich sollten die ersten Doppelstock-Trieb-Züge von Bombardier ab Ende 2014 auf dem Streckennetz des Verkehrsverbundes Berlin-Brandenburg rollen. Doch weil 13 Doppelstockwagen aus Görlitz noch immer nicht ausgeliefert sind, können die Züge nicht fahren.

Die Anforderungen an die Sicherheit im Schienenpersonenverkehr haben sich wesentlich erhöht. Neue europäische Normen und Standards haben zahlreiche aufwendige Anpassungen sowie umfangreiche Neukonstruktionen erfordert. In der Summe waren alle erforderlichen Änderungen und die Neuentwicklungen deutlich umfangreicher als wir dies zu Beginn angenommen hatten.

Andreas Dienemann Bombardier Transportation

Zudem hatten die Görlitzer Waggonbauer offenbar Probleme mit der Steuerung ihrer Doppelstockwagen. Die Fahrzeuge erhielten eine neue Software, die nach Angaben der Hersteller viele neue Funktionen bieten. Doch jetzt stehen die Signale in Görlitz endlich auf Grün.

"Die Beschäftigten an den Standorten Görlitz und Bautzen arbeiten intensiv an der Produktion der neuen TWINDEXX-Doppelstockzüge für das Land Brandenburg", versichert Andreas Dienemann von Bombardier.

Es stehen alle erforderlichen Ressourcen zur Verfügung, um diese Fahrzeugserie erfolgreich fertigzustellen. In der zweiten Jahreshälfte soll die Auslieferung der Regionalzüge an den Kunden Deutsche Bahn erfolgen.

Andreas Dienemann Bombardier Transportation

Für die nächsten zwei Jahre sind die Auftragsbücher des Görlitzer Waggonbaus noch gut gefüllt und bislang konnten sich die Görlitzer auf die Deutsche Bahn als Auftraggeber verlassen.

Zukunft weiterhin unklar

Waggons in der Montagehalle des VEB Waggonbau Görlitz
Die grünen Doppelstockwagen für die Reichsbahn Waggons in einer Montagehalle des VEB Waggonbau Görlitz. Bildrechte: imago/Ulrich Hässler

Seit 1952 wurden in der Neißestadt für die Reichbahn, später für die Deutsche Bahn Doppelstockwagen gebaut. Vor acht Jahren hatte die Bahn noch einmal einen Rahmenvertrag mit dem kanadischen Konzern über 1,5 Milliarden Euro abgeschlossen. Es ging im Vertrag um die Lieferung von 800 Doppelstockwagen.

Über dieses Thema berichtet MDR SACHSEN auch im Radio: MDR SACHEN - das Sachsenradio | 07.06.2017 | Regionalnachrichten 13:30 Uhr

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