Ein Wolf in einem herbstlichen Wald
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Petition aus der Oberlausitz Initiative will Ausbreitung des Wolfes stoppen

Eine Bürgerinitiative aus dem Raum Bautzen hat knapp 18.600 Unterschriften für eine Begrenzung der Wolfspopulation gesammelt. Die Initiative stört sich an der hohen Wolfsdichte in der Oberlausitz.

Ein Wolf in einem herbstlichen Wald
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Über den Jahreswechsel hat es in der Oberlausitz erneut Schafsrisse gegeben. Gleich dreimal - in der Silvesternacht, am 4. Januar und am 8. Januar - bediente sich ein Rudel bei einer Schäferin in Spohla bei Wittichenau. Insgesamt 14 Schafe hat sie verloren, wie Gabriele Lebsa von der Initiative "Wolfsgeschädigte und besorgte Bürger" berichtet.

Leise Ängste

Gerade in den kleinen Dörfern an den Wäldern hat die Ansiedlung der Wölfe das Leben der Bewohner verändert. Gabriela Lebsa berichtet von Frauen, die sich nicht mehr trauen würden joggen zu gehen, weil oft Wölfe zu sehen seien. "Ich selbst habe meinen letzten Wolf am ersten Advent gesehen. Das war keine 100 Meter von meinem Haus", sagt die Oberlausitzerin aus Caßlau bei Neschwitz. Gabriele Lebsa sind die Wölfe zu viel geworden. "Man darf die leisen Ängste der Bevölkerung nicht wegschieben", warnt sie und fordert, die Zahl der Rudel zu regulieren.

Ich gehe seit einem Jahr nicht mehr allein in den Wald.

Gabriele Lebsa Mitglied der Bürgerinitiative

So wie Gabriele Lebsa denken rund 18.600 weitere Menschen. Sie haben in den vergangenen Monaten die Online-Petition der Oberlausitzer Bürgerinitiative für eine Begrenzung der Wolfspopulation unterzeichnet. Am Mittwochnachmittag wurde die Petition an den Landtagspräsidenten Matthias Rößler im Sächsischen Landtag übergeben.

Für und gegen den Wolf

Der Bürgerinitiative zufolge hat die Lausitz inzwischen die höchste Wolfsdichte in ganz Europa. Dadurch werde die Weide- und Nutztierhaltung zurückgedrängt und die Bewegungsfreiheit der Menschen in der Natur eingeschränkt. Das Gesetz zum Schutz des Wolfes als bedrohtes Tier könne deshalb für die Lausitzer Region nicht mehr uneingeschränkt angewendet werden, heißt es.

Über 70 Schafe gerissen

Nach Auskunft des Kontaktbüros "Wölfe in Sachsen" sind im vergangenen Jahr in der Region Bautzen etwas mehr als 70 Schafe von Wölfen gerissen worden.

Wolf reißt Schafe
Das Rosenthaler Rudel hat im vergangenen Jahr viele Schafe gerissen. Bildrechte: MDR/Benno Scholze

Laut aktueller Zählungen gibt es derzeit in Sachsen 16 Wolfsrudel mit mindestens 48 Welpen. Für Aufregung sorgte in der Vergangenheit insbesondere ein Rudel in Ralbitz-Rosenthal. Die Tiere hatten sich offenbar auf die Nutztier-Jagd spezialisiert und mehrere Schafe einer eingezäunten Herde gerissen. Sogar der Abschuss einiger Wölfe aus dem Rudel wurde danach vom Bautzener Landrat Michael Harig - selbst Halter von Schafen - in Erwägung gezogen. Dieser Vorstoß versandete, auch wegen heftiger Proteste aus den Kreisen der Naturschützer. Allein bei einer extra für das Rosenthaler Rudel gestarteten Petition kamen mehr als 44.000 Unterschriften zusammen.

Eine Bestandsregulierung ist absolut ungeeignet, um bestehende Konflikte zu lösen.

Lucas Ende Nabu-Wolfsexperte

Von einer Bestandsregulierung des Wolfes verspricht sich Lucas Ende nichts. Der Wolfsexperte vom Naturschutzbund Nabu drängt vielmehr darauf, dass Schäfer Präventionsmaßnahmen umsetzen, wie entsprechend hohe Zäune. Laut Ende passierten die meisten Übergriffe dort, wo der Herdenschutz nicht flächendeckend stattfindet. Rückblickend hat sich die Anzahl der Wolfsrisse von Nutztieren in Sachsen nicht erhöht, sondern ist von 2016 (219 Fälle) auf 2017 (181 Fälle) sogar leicht zurückgegangen.

Dass die Lausitz aktuell die höchste Wolfsdichte in ganz Europa aufweise, hält der Nabu-Experte für fragwürdig. Dagegen spreche, dass es in anderen Ländern auf dem Breitengrad wesentlich dichtere Wälder mit mehr Beutetieren gebe, beispielsweise die Karpaten.

Keine Gefahr für den Menschen

Laut Nabu gab es bisher keine Übergriffe auf Menschen. "Aus unserer Erfahrung lässt sich ableiten, dass der Wolf hier keine Gefahr darstellt", so Ende. Allerdings dürfe man die Tiere nicht anfüttern. "Es liegt in unserer Hand, ob es Wölfe gibt, die sich Menschen gegenüber auffällig zeigen oder nicht", warnt der Naturschützer.

Quelle: MDR/ma

Dieses Thema Im Programm bei MDR SACHSEN: MDR SACHSEN - Das Sachsenradio | 09.01.2018 | ab 09:00 Uhr in den Nachrichten

Zuletzt aktualisiert: 10. Januar 2018, 17:18 Uhr

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22 Kommentare

13.01.2018 01:02 G. Schmitz 22

Die Initiative ist ein Rückschritt zwischen Mensch und Natur.

11.01.2018 20:56 Walter 21

Wie habe ich gerade hier auf Mdr Sachsen gelesen.

Es wurde auf dem Hof ein Hund von einem Wolf gerissen. Was wollt Ihr RRG Gutmenschen noch. Erst der Hund, dann der Mensch.

Auf Grund von Emotionen schreibe ich lieber nichts weiter.

11.01.2018 13:22 matze 20

Und wieder sieht man, wie weit einige von der Realität entfernt leben. Alle wollen Fleisch von glücklichen Tieren und das möglichst billig. Die Naturlandschaft(was eigentlich eine Kulturlandschaft ist) soll so schön mit den Wiesen erhalten bleiben wie sie ist. Aber der Wolf(andere Tiere interessieren dabei anscheinend nicht) darf darunter nicht leiden, komische Logik. Was macht den Wolf zu so einem besonderen Tier im Vergleich zu den vielen wirklich bedrohten Arten wie z.B. Großtrappe, Eisvogel, Feldhamster u.a., damit lässt sich anscheinend kein Geld verdienen bzw. müsste man dazu auch arbeiten in Form von Biotoppflege, aber dazu sind diese Wolfskuschler ja nicht in der Lage. So wird lieber ein Tier angehimmelt, das sich ohne Hilfe durch den Menschen, allein ansiedeln kann und den Schutz nicht benötigt.

11.01.2018 12:49 sven33 19

Die wirklich gefährlichen Raubtiere wohnen in Städten und haben immer ein Messer dabei, setzen es auch häufig ein.

11.01.2018 12:39 Karl 18

Solange man nicht persönlich mit Verlusten betroffen ist kann man unentwegt Vorschläge machen.
Ein Hobbyschafzüchter kann und will keine Herdenschutztiere halten. Der Schafzüchter bekommt die 100% Last des zusätzlichen Schutzes seiner Tiere aufgebürdet macht er dabei etwas falsch ist er selbst schuld. Das kann ja wohl nicht sein. Es stellt sich die Frage mit welchem Recht hat der Wolf Privilegien wie kaum ein anderes Wildtier. Wenn eine Schafherde angegriffen wird durch den Wolf dann steht nicht nur die Ernährung im Vordergrund. Der Wolf richtet ein Gemetzel an wenn man ihn lässt. Man hat den Eindruck, dass hier der gesunde Menschenverstand bewusst ausgeschaltet ist.

11.01.2018 11:02 Uwe 17

Wenn es nicht so extrem gefährlich wäre was die hauptsächlich in den Städten lebenden sonstwas Schützer tun oder äußern würde ich darüber herzhaft lachen.
Es ist so einfach wenn der Strom aus der Steckdose, Milch, Brot usw aus dem Supermarkt kommen.

11.01.2018 10:17 S 16

Es ist schlimm, dass viele Menschen auf der einen Seite auf Umweltschutz achten und z.B. sich vegan oder vegetarisch ernähren bzw. darauf achten das man Bio - Produkte isst . Aber auf der anderen Seite diese Menschen den Wolf oder andere scheinbar "störende Tiere" dezimieren bzw. ausrotten wollen. Eigentlich sind es wir Menschen, die den Tieren den Lebensraum wegnehmen bzw, hineindringen durch Straßenbau, Ackerbau etc. oder durch Spaziergänge durch den Wald. Warum soll der Wolf für etwas verantwortlich gemacht werden, was der Mensch eigentlich falsch macht? Und ob der Wolf wirklich sich ausbreiten kann in BRD ist eh fraglich, wenn der Mensch dessen Lebensraum immer weiter einengt oder diese Tiere illegal bejagd.

11.01.2018 09:32 Harry 15

@Oliver, bis zu seiner von alten weißen Männern betrieben Ausrottung mitte bis Ende des 17. Jahrhunderts (der man mit diversen Wolfssäulen in Sachsen sogar eigene Denkmale gesetzt hat) war der Wolf integraler Betandteil der heimischen Tierwelt. Es soll ja Gegenden auf der Welt geben, wo das noch immer so ist, und wo der Mensch sich darauf eingestellt hat, mit diesen Tieren ein Habitat zu teilen. Gleiches gilt übrigens für den Bären. Hierzulande scheint mir in Sachen Biodiversität eher "not in my backyard" die Devise.

11.01.2018 01:15 Maria 14

Liebe Schäfer, es gibt sogenannte Herdenschutzhunde die extra dafür gezüchtet wurden eine Schafherde vor Wölfen zu beschützen - Tag und Nacht. Es gibt zahlreiche Schäfer, auch in anderen Ländern, die damit jahrelang gute Erfahrungen gemacht haben.
Des Weiteren gibt es Regionen wo seit Jahrhunderten Wölfe leben, die noch nie einen Menschen angefallen haben. Im Gegensatz zu Wildschweinen und einigen anderen Tieren, die im Wald leben. Werden die jetzt auch ausgerottet? Es gibt soviele andere Möglichkeiten! Man muss sich nur mal damit beschäftigen

10.01.2018 23:10 Georg 13

Es ist doch schön, einen stolzen und vernunftbegabten (er wurde nicht gefragt bei seiner Dezimierung) zu lieben. Wir haben so lange ohne ihn auskommen müssen, dass man schon an den Weltuntergang denken musste. Endlich ist er da und befreit uns von dem blöden Schafgeblöke. Es lebe der Wolf und seine grün angestrichenen Untertanen!