Wasserknappheit Naturschutzverband BUND fordert Umdenken bei Tagebaurestseen in der Lausitz

Braunkohletagebau in Nochten in der Lausitz
Der Braunkohletagebau in Nochten in der Lausitz wird geflutet. Mehrere BUND-Landesverbände fordern ein Umdenken bei der Flutungspolitik. Bildrechte: Günther Bigalke GmbH

Die Landesverbände des Bundes für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) aus Brandenburg, Sachsen und Sachsen-Anhalt fordern ein Umdenken im Umgang mit der Wassersituation in der Lausitz. Die Forderung einiger Kommunalpolitiker, durch eine Machbarkeitsstudie den Bau eines Elbe-Überleiters zu prüfen, sei keine geeignete Lösung für die Wasserknappheit in der Lausitz, hieß es in einer gemeinsamen Mitteilung.

Folgen für Elbelandschaft

Eine Überleitung von Elbwasser zur Stützung der Lausitzer Wasserverhältnisse würde nur weitere negative ökologische Folgen nach sich ziehen, sagte Felix Ekardt, Vorsitzender des BUND Sachsen. Das Problem werde lediglich verlagert.

Das massive Wasserproblem in der Lausitz ist ein weiteres Beispiel für die verheerenden Folgen des Braunkohleabbaus.

Felix Ekardt BUND Sachsen

Felix Ekardt bei MDR KULTUR trifft mit Moderator Vladimir Balzer
Felix Ekardt (links), Vorsitzender des BUND Sachsen. Bildrechte: MDR/Olaf Parusel

Auch für die Elbe und anliegende Ökosysteme hätte eine Überleitung nach Ansicht der Umweltschützer schwerwiegende Folgen. "Eine Überleitung von Wasser aus der Elbe verschärft dort nur die schon herrschende Wasserknappheit und Trockenheit", sagt Iris Brunar vom BUND-Elbeprojekt. "Das UNESCO-Welterbe Dessau-Wörlitzer Gartenreich und das UNESCO Biosphärenreservat Flusslandschaft Elbe mit der größten Hartholzaue Mitteleuropas wären in ihrem Fortbestand bedroht."

Flutung von Tagebauen sollte kritisch geprüft werden

Deshalb sollten die Größe der geplanten Tagebaurestseen kritisch geprüft werden. Auch eine Verkleinerung des Cottbuser Ostsees müsse als Option geprüft werden, erklärte Franziska Sperfeld, Vorsitzende des BUND Brandenburg. Die anderen Restseen müssten so klein wie möglich geplant werden, denn es sei kein Wasser da, um noch weitere 7.700 Hektar Seenfläche zu schaffen, wie es der Bergbaubetreiber Leag plane.

"Keine planungsrechtlichen Tatsachen"

Die BUND-Verbände begrüßten die geplante Studie des Umweltbundesamtes zu den wasserwirtschaftlichen Folgen des Braunkohlenausstiegs in der Lausitz. Da auch die brandenburgische Regierung auf die Studie verwiesen habe, gehe man davon aus, dass bis Abschluss der Studie Ende 2022 keine planungsrechtlichen Tatsachen geschaffen werden.

Flutung ausgesetzt

Die Flutung des Cottbuser Ostsees mit Spreewasser ist ausgesetzt. Sie hatte im April 2019 begonnen und war wegen der anhaltenden Trockenheit vorläufig gestoppt worden. Der Ostsee soll einmal eine Wasserfläche von knapp 19 Quadratkilometern haben. Im Jahr 2025 soll das Wasser die notwendige Mindesthöhe von 2,70 Meter in der Mitte des Sees erreichen.

Kritik auch von der Grünen Liga

Auch vom Umweltverbahn "Grüne Liga" kommt Kritik an der Idee einer Elb-Überleitung. "Es ist völlig unklar, auf welcher Grundlage die Kommunalpolitiker schon eine Meinung zur Wasserüberleitung von der Elbe in Lausitzer Tagebauseen haben", sagte René Schuster, Braunkohleexperte der "Grünen Liga". Man versuche seit Monaten das Thema fachlich zu bewerten, erhalte aber nicht die erforderlichen Unterlagen. Eine bereits 2009 beauftragte Machbarkeitsstudie der LMBV sei offenbar unter Verschluss und sei weder von Landesministerien noch Bundesbehörden zur Verfügung gestellt worden. "Diese Studie sollte unverzüglich offengelegt werden", so Schuster. Die Diskussion über die langfristigen Folgen der früheren DDR-Tagebaue auf den Wasserhaushalt sei dringend notwendig, dürfe aber nicht von den noch laufenden Tagebauen der LEAG ablenken.

Bildergalerie Das Lausitzer Seenland

Durch die Flutung ehemaliger Tagebaurestlöcher im Lausitzer Braunkohlerevier soll bis 2018 Europas größte künstliche Wasserlandschaft und Deutschlands viertgrößtes Seengebiet entstehen. Hier einige Seen im Überblick.

Luftaufnahme vom Lausitzer Seenland
Das Lausitzer Seenland aus der Luft. Bildrechte: LMBV/Peter Radke
Luftaufnahme vom Lausitzer Seenland
Das Lausitzer Seenland aus der Luft. Bildrechte: LMBV/Peter Radke
Bernsteinsee
Bernsteinsee Fläche bei Vollstau: 482 ha Ende der Flutung: 2009 Orte in Ufernähe: Burg, Burghammer Nutzung: Speicherbecken Bildrechte: LMBV/Peter Radke
Partwitzer See
Partwitzer See Fläche bei Vollstau: 1.103 ha Ende der Flutung: 2012 Ort in Ufernähe: Partwitz Nutzung: Wassersport, Hafen Bildrechte: LMBV/Peter Radke
Luftaufnahme vom Knappensee im Lausitzer Seenland
Knappensee Der Knappensee ist derzeit gesperrt und wird saniert. Bildrechte: LMBV/Peter Radke
Knappensee
Knappensee Fläche bei Vollstau: 264 ha Ende der Flutung: seit 1953 nutzbar Ort in Ufernähe: Knappenrode Nutzung: Hochwasserschutz, Fischerei, Wassersport, Camping Bildrechte: LMBV/Peter Radke
Sabrodter See im Lausitzer Seenland
Sabrotder See Fläche bei Vollstau: 136 ha Ende der Flutung: 2015 Orte in Ufernähe: Bluno, Sabrodt Nutzung: möglicherweise Wassersport, Golfressort Bildrechte: LMBV
Scheibe See
Scheibesee Fläche bei Vollstau: 705 ha Ende der Flutung: 2012 Orte in Ufernähe: Burg, Tiegling, Riegel Nutzung: Freizeiterholung mit Badestränden Bildrechte: LMBV/Peter Radke
Dreiweiberner See
Dreiweiberner See Fläche bei Vollstau: 286 ha Ende der Flutung: 2005 Orte in Ufernähe: Lohsa, Weißkollm Nutzung: Badegewässer, Angeln, Radweg um den See Bildrechte: LMBV/Peter Radke
Bergener See
Bergener See Fläche bei Vollstau: 133 ha Ende der Flutung: 2015 Ort in Ufernähe: Bergen Nutzung: Teil des Naturschutzprojektes Lausitzer Seenland Bildrechte: LMBV/Peter Radke
Ein Boot auf dem Bärwalder See vor einem Leuchtturm
Bärwalder See Fläche bei Vollstau: 1.299 ha Ende der Flutung: 2009 Orte in Ufernähe: Boxberg, Uhyst, Klitten Nutzung: Badegewässer, Rundweg für Radfahrer und Skater, Hafen Bildrechte: MDR/Katrin Funke
Luftaufnahme vom Berzdorfer See im Lausitzer Seenland
Berzdorfer See Der Berzdorfer See befindet sich in Ost-Sachsen inmitten des Dreiländerecks Deutschland-Polen-Tschechien. Bildrechte: LMBV/Peter Radke
Berzdorfer See
Berzdorfer See Fläche bei Vollstau 960 ha: Ende der Flutung: 2012 Orte in Ufernähe: Görlitz, Jauernick-Buschbach, Schönau-Berzdorf Nutzung: Badegewässer, Segeln Bildrechte: LMBV/Peter Radke
Spreetaler See
Spreetaler See Fläche bei Vollstau: 314 ha Ende der Flutung: 2015 Orte in Ufernähe: Spreetal Nutzung: möglicherweise Wassersportzentrum, Ferienanlage Bildrechte: LMBV/Peter Radke
Speicherbecken Lohsa
Speicherbecken Lohsa II Fläche bei Vollstau: 1.081 ha Ende der Flutung: 2014 Ort in Ufernähe: Lohsa Nutzung: Wasserspeicher Bildrechte: LMBV/Peter Radke
Der Geierswalder See im Lausitzer Seenland
Der Geierswalder See ist ein beliebter Ausflugsort. Hier dürfen auch Motorboote fahren. Bildrechte: LMBV/Peter Radke
Geierswalder See
Geierswalder See Fläche bei Vollstau: 642 ha Ende der Flutung: 2012 Orte in Ufernähe: Geierswalde, Tätzschwitz Nutzung: Baden, Wandern, Rad- und Wanderwege um den See, Caravaning, Wassersport Bildrechte: LMBV/Peter Radke
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Quelle: MDR/bj/dpa

Dieses Thema im Programm bei MDR SACHSEN MDR SACHSEN - Das Sachsenradio | 23.10.2020 | 11:30 Uhr in den Regionalnachrichten aus dem Studio Bautzen

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