Experten diskutieren in Bautzen über den Ausbau der A4
Bildrechte: MDR/Martin Wenk

Staufalle Autobahn Welche Alternativen gibt es zum Ausbau der A4?

Bis die A4 östlich von Dresden ausgebaut wird, können noch viele Jahre vergehen. In Bautzen diskutierten deshalb jetzt Verkehrsexperten, wie man die Staufalle A4 schon eher für den vielen Verkehr fitmachen kann.

Experten diskutieren in Bautzen über den Ausbau der A4
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Mindestens 15 bis 20 Jahre würde es dauern, den sechsspurigen Ausbau der A4 zu planen und umzusetzen. Da dürfe man sich keinen Illusionen hingeben, so Christian Lippold vom Institut für Verkehrsplanung und Straßenverkehr der TU Dresden. Was also tun, um der Staufalle auf der Autobahn schon jetzt zu entkommen? Der Verkehrsexperte setzte bei der Diskussionsrunde am Montag in Bautzen auf mehrere Maßnahmen. Die einfachste und schnellste: Überholverbote für Lkws und Geschwindigkeitsbegrenzungen für alle Autofahrer.

Verbote sollen begrenzt werden

Viele fordern das Überholverbot für Lkws auf der gesamten Strecke zwischen Dresden und Bautzen. Doch das würde nichts bringen, meint Stefan Brangs Staatssekretär im Sächsischen Verkehrsministerium. Verkehrsuntersuchungen hätten gezeigt, dass man solche Maßnahmen auf Teilabschnitte begrenzen müsse.

Es macht keinen Sinn, eine gesamte Autobahnstrecke mit einem Überholverbot oder Tempolimit zu versehen, weil sich diese Maßnahmen dann abnutzen und sie nicht mehr beachtet werden.

Stefan Brangs Staatssekretär im Sächsischen Wirtschaftsministerium
Überholverbotsschild mit LKW
Das Verkehrsministerium will das Überholverbot für Lkws bis Ohorn ausweiten. Bildrechte: colourbox.com

Über eine Ausweitung des Überholverbotes für Lkws denke man aber durchaus nach, so Stefan Brangs. Derzeit bestehe es bis Pulsnitz, nun prüfe das Verkehrsministerium eine Verlängerung: "Ich gehe davon aus, dass wir in Kürze das Überholverbot bis Ohorn erweitern werden." All das mache aber nur Sinn, wenn die Polizei verstärkt auf der Autobahn kontrolliere.

Verkehrsexperte: Schiene bringt nur geringe Entlastung

Die Freigabe der Seitenstreifen auf der A4 seien ebenfalls eine Möglichkeit, schon vor dem Ausbau die Autobahn zu entlasten, so Verkehrsexperte Christian Lippold. Allerdings brauche das Vorlauf, gab er zu bedenken. Auch der Ausbau der Verkehrsleitsysteme, die beispielsweise je nach Verkehrsaufkommen Tempolimits anzeigen, müsse länger geplant werden. Dies sei aber durchaus eine Möglichkeit. In der Verlagerung des Güterverkehrs auf die Schiene sieht er dagegen ein "relativ geringes Potential". Denn mit der Bahn würden vor allem ganze Züge mit Gütern wie Kohle, Autos oder Steinen transportiert. Auf der Straße seien Lkws mit Waren wie Handys, Fernsehern oder Lebensmitteln unterwegs. Dort befänden sich auch die "rollenden Lager" der Unternehmen, die ein schnelles Verladen ermöglichten. Das sei mit dem Zug noch nicht möglich.  

Freigabe der Magistrale im Dezember

Trotzdem setzen viele ihre Hoffnung auf die Inbetriebnahme der ausgebauten Bahnstrecke zwischen Knappenrode und der polnischen Grenze, der sogenannten "Niederschlesischen Magistrale". Nach acht Jahren Bauzeit ist es endlich zum Fahrplanwechsel im kommenden Dezember soweit. Viele Speditionen würden schon ungeduldig auf die Freigabe warten, berichtet Projektleiter Ulrich Mölke von der Deutschen Bahn. "Wir werden praktisch gedrängt, die Strecke endlich zu eröffnen, damit es endlich vorwärts geht." Er erwartet, dass die Strecke gut angenommen wird. Wieviel dann am Ende tatsächlich auf der Schiene unterwegs sein werden, dazu konnte Mölke noch keine Zahlen nennen. Auch über die Entlastung der Autobahn wollte er nicht spekulieren. Als Anhaltspunkt nannte er nur eine Zahl: Auf einen Güterzug passen je nach Länge etwa 50 bis 70 Lkw.

Quelle: MDR/vis

Dieses Thema im Programm bei MDR SACHSEN: MDR SACHSEN - Das Sachsenradio| 28.02.2017 | ab 07:50 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 28. Februar 2018, 08:47 Uhr

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5 Kommentare

28.02.2018 16:10 Markus P. 5

Ich stimme dem Kommentator 4 zu - der Brenner ist das beste Beispiel, dass es funktionieren kann (wenn man will). Hier wird Verkehrspolitik von Leuten gemacht, die mit der Straßenbahn oder dem Bus zur Arbeit fahren. Auf der A 4, wie übrigens auch auf der A 14 müsste für LKW eine strikte Geschwindigkeitsbegrenzung von 80 kmh durchgesetzt werden. In diesem Zusammenhang, besonders wichtig, das durchgängige Überholverbot. Gleichzeitig ist aber auch eine konsequente Geschwindigkeitsbegrenzung von 130 für PKW notwendig. Aus meiner Sicht, der jeden Tag 2 h pendelt, gibt es dafür keine Alternative. Es ist haaresträubend, wenn man täglich erlebt, wie so mancher Zeitgenosse, insb. die polnischen und ungarischen Lastwagenfahrer, auf der Autobahn herumexperiumentieren. Das ist nicht nur gefährlich, sondern lebensmüde. Und glauben sie mir, da werden Geschwindigkeiten gefahren, die jenseits von gut und Böse sind. Alles in allem nützen alle Beschränkungen nichts, wenn man nicht kontrolliert.

28.02.2018 13:58 Wikreuz 4

Warum Überholverbot der LKW nichts bringen soll bleibt mir Rätzel. Man soll einmal auf die Brennerautobahn in Italien sehen.
Überholvorgang der LKW bedeutet: Lkw mit 84 Km/ Stunde werden mit 88 Km/ stunde überholt. Der Überholvorgang zieht sich über mindestens 1 Km hin. Vor dem Überholen wird bis auf ca. 5 Meter an den Vordermann aufgefahren. Bremsen des Vordermann müssen in dieser Phase immer zu einem Auffahrunfall führen.

28.02.2018 08:07 autofahrer 3

Vorschläge:
1) Elektronische Geschwindigkeitsanzeige wirklich nach Bedarf umschalten (es kann nicht sein, daß die Zeichen vor (und Richtung) Dresden Sonntagmorgen bei Null-Verkehr auf 120 stehen, Freitagnachmittag auch...).
2) Nutzung der Datenerfassung des Mautsystems:
a) "Blockabfertigung": Wenn der Abschnitt zwischen Dresden und Görlitz voll ist, wird kein LKW mehr reingelassen, und wenn sie bis zur ukrainischen Grenze stehen.
b) Mauthöhe an Verkehrsströme anpassen: Wenn ein Fuhrbetrieb seinen LKW Freitag Nachmittag dort fahren lassen will, muß er eben doppelt so viel bezahlen.

28.02.2018 01:56 AufmerksamerBeobachter 2

Rundumschlag zur Sprache:

" All das mache aber nur Sinn,..."

Etwas, kann nur einen Sinn 'haben' oder 'ergeben'. Unsinn kann man 'machen', Sinn hat/ergibt das nicht! Man _kann_ Sinn nicht 'machen' - also anrühren wie Teig in einer Schüssel...

"Auf der Straße seien Lkws..." Nein!; Dem Plural der Abkürzung "LKW" darf kein 's' angehängt werden. Manche Kleinkinder sprechen ein besseres Deutsch!

Zum Thema: Ja, es muss entschieden mehr Verkehr auf die Schiene. Liberales Cherry Picking? Nein. Gesetzlicher ZWANG: LKW+Extreme Maut oder Schienentransport preiswert, anders wird sich nichts ändern!

27.02.2018 21:27 Na so was 1

"Seit ACHT Jahren baut die DB die Strecke aus und elektrifiziert sie. ... zum Fahrplanwechel im "KOMMENDEN DEZEMBER" ist die Inbetriebname geplant ... ." Also ich vermute mal, da haben einige Verantwortliche sich zu weit aus dem Fenster gelehnt. "KOMMENDER DEZEMBER ist diese Jahr 2018, in rund neun Monaten und ganz wenigen Tagen. Es gab und gibt in Deutschland genügend große Bauobjekte (mit acht Jahren Bauzeit wie hier, zähle ich dieses Projekt auch dazu), die es nicht geschaft haben, in doppelter Bauzeit wie eigentlich geplant, den Bau fertigzustellen. Der Berliner Großflughafen wird nach Lage der Dinge wohl immer eine Baustelle sein, weil technische Anforderungen schneller sind als das "Bautempo". Eine Abnahme würde deshalb dort nie erfolgreich sein.

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