gerissene Schafe auf Weide
Sieben Schafe hat ein Wolf in der Nacht zum Sonntag auf einer Weide bei Cunnewitz gerissen. Bildrechte: MDR / Viola Simank

Rosenthaler Rudel Warten auf den nächsten Wolfsriss

Es ist schon wieder passiert: Zum dritten Mal innerhalb weniger Wochen hat ein Wolf Schafe in Cunnewitz bei Kamenz gerissen. Und das trotz hoher Zäune. Doch der Wolf hat gelernt, sie zu überwinden. Was nun?

gerissene Schafe auf Weide
Sieben Schafe hat ein Wolf in der Nacht zum Sonntag auf einer Weide bei Cunnewitz gerissen. Bildrechte: MDR / Viola Simank

Die toten Schafe liegen am Montagmorgen immer noch auf der Weide bei Cunnewitz. In der Nacht zum Sonntag waren die sieben Tiere gerissen worden. Kein schöner Anblick, aber bevor die Gutachter des Landratsamtes nicht gekommen sind, kann Schäfer Martin Just sie nicht wegräumen. Es ist bereits das dritte Mal innerhalb weniger Wochen, dass er tote Schafe entsorgen muss. Und langsam weiß er nicht mehr, was er machen soll. Rund 35 Schafe hat er seit Oktober verloren.

Ein Wolf macht Probleme

Um die Weide steht ein etwa 1,50 Meter hoher Drahtzaun – damit ist er 30 Zentimeter höher als die geforderte Mindesthöhe, die das Wolfsmanagament für einen festen Zaun vorschreibt. Das bestätigen am Montag auch die Gutachter, ebenso wie den Fakt, das es auch diesmal ein Wolf war. Das Tier, das die Schafe von Martin Just reißt, hat offensichtlich gelernt, Zäune zu überwinden. Anhand der DNA-Proben, die von den toten Schafen genommen wurden, habe man festgestellt, dass es sich immer um denselben Wolf handele, sagt der Schäfer: "Das Problem entsteht halt dann, wenn dieser Wolf den anderen Wölfen das auch beibringt."

Just sähe es deshalb am liebsten, wenn man diesen Wolf aus dem Rosenthaler Rudel nehmen würde. Man müsse ihn ja nicht gleich erschießen, sondern einfangen und nach Moritzburg ins Gehege bringen, meint der Schäfer. Dort werden schon Wölfe gehalten. Doch das ist nicht so einfach, obwohl die Forderungen danach immer lauter werden - vor allem, nachdem sich in letzter Zeit die Übergriffe gehäuft haben.

Hohe Hürden für den Abschuss

Denn erst wenn alle Schutzmaßnahmen ausgeschöpft sind,  sieht der Managementplan für den Wolf in Sachsen vor, das entsprechende Tier zu entnehmen – also zu erschießen. Das betont auch der sächsische Umweltminister Thomas Schmidt (CDU). Es gebe klare Regularien für die Entfernung eines Wolfes. Die Vorfälle in Cunnewitz müssten deshalb jetzt erst einmal ordentlich bewertet werden. Aber:

Wenn alle Vorrausetzungen gegeben sind, dann werden wir einem Antrag des Landratsamtes Bautzen auch nicht widersprechen.

Thomas Schmidt (CDU), sächsischer Umweltminister

Das Kontaktbüro der Wolfsregion Lausitz empfiehlt derweil den Nutztierhaltern im Bereich des Rosenthaler Rudels, ihre Schafe noch besser zu schützen. Der beste Schutz sei ein mindestens 90 Zentimeter Meter hoher Elektrozaun, der zusätzlich mit einer Breitbandlitze überspannt wird. Darüber sei bisher noch kein Wolf gesprungen. Auch Herdenschutzhunde seien eine gute Option. Feste Zäune, wie im Fall von Schäfer Martin Just, böten zwar auch einen Mindestschutz, aber sie seien eben nicht so sicher wie ein Elektrozaun.

Beihilfen ausgeschöpft

Schäfer Martin Just
Schäfer Martin Just hat in den letzten 14 Monaten mehr als 60 Tiere an den Wolf verloren. Jetzt wartet er auf Antwort von den Behörden, wie es weitergehen soll. Bildrechte: MDR / Viola Simank

Den könnte Just natürlich noch zusätzlich zum Drahtzaun aufstellen. Doch ob er die Kosten dafür erstattet bekommt, ist ungewiss. Denn er hat die staatlichen Beihilfen, die in solchen Fällen eigentlich fließen, schon ausgeschöpft. Diese sogenannten De-Minimis-Beihilfen sind pro Betrieb auf 15.000 Euro innerhalb von drei Jahren begrenzt. Davon werden die Entschädigungen für die Wolfsrisse bezahlt, ebenso wie Investitionen in Elektrozäune zum Herdenschutz. Auch die Zuschüsse für Öl und Gas, die man als Landwirtschaftsbetrieb bekommt, zählen mit hinein. Bisher haben diese 15.000 Euro für drei Jahre immer gereicht. Just ist der erste, bei dem das Geld eher alle ist. Auch für die Behörden ein neue Situation, für die sie erst einmal eine Lösung suchen müssen.

Martin Just wartet nun dringend auf Antworten, ebenso wie die anderen Schafhalter im Bereich des Rosenthaler Rudels. Doch nicht nur bei ihnen haben sich die Wölfe mit ihrem Appetit keine Freunde gemacht. In ganz Sachsen ist die Zahl der Wolfsrisse in den vergangenen Jahren stark angestiegen. Vor zehn Jahren töteten die Wölfe etwa 40 Tier pro Jahr. Im vergangenen Jahr waren es mehr als 160. In diesem Jahr stieg die Zahl schon auf rund 190. Und es dürften noch mehr werden.   

Zuletzt aktualisiert: 07. November 2016, 18:22 Uhr

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5 Kommentare

08.11.2016 22:52 Bürgerin 5

Ich mag Tiere und ich mag Tierschutz.
Trotzdem sollte man bei allem Enthusiasmus unsere Gegebenheiten nicht mit den riesigen Weiten Kanadas oder Sibiriens verwechseln.
Wir leben in dichtbesiedelten Gebieten und die Bedingungen haben sich in den letzten 100 Jahren entscheident verändert.
Deshalb halte ich die unbegrenzte Ansiedlung und Ausbreitung des Wolfes für leichtfertig und nicht durchdacht, getrieben von realitätsfernem Idealismus.
Es geht nicht darum, den Wolf auszurotten. Aber man sollte ihn behandeln wie jedes andere Wild auch.

08.11.2016 22:46 Schwätzer entlarven 4

an Tom Schulze-Helmke #3: Wie kommen Sie darauf, daß das Flatterband nicht umlaufend montiert wurde? Sehen Sie sich das Video an, dann werden Sie begreifen, was Sie hier für Nonsen behaupten. Das Flatterband ist auf allen Seiten der Koppel montiert worden und Sie erzählen hier mal wieder die Unwahrheit.

Auch die Aussage des Wolfsbüros, das Flatterband sei ein wirksamer Schutz, ist also UNWAHR - wie so viele andere Behauptungen dieses Vereins auch.

08.11.2016 10:11 TomSchulzeHelmke 3

"Warten auf den nächsten Wolfsriss" ist genau das Problem. In den bisher erschienen Artikeln wird die Zaunhöhe mal mit 1.40, 1.50 oder 1.60 angegeben. Ein zusätzliches Flatterband wurde vom Wolfsbüro als Mindestmaßnahme dringend empfohlen. Das sollte man dann aber auch umsetzen und nicht nur an einer Zaunseite. Der Wolf hat also nicht den Zaun wie behauptet "trotz Flatterband" übersprungen sondern wie schon vorher an einer ungeschützten Stelle. Also bleibt die Aussage des Wolfsbüros, dass Flatterband ein wirksamer Schutz ist, zumindest in diesem Fall unwidersprochen.

07.11.2016 22:13 Balkonbiologen entlarven 2

1,50 m? Lächerlich! Für ein Großraubtier mit der Schulterhöhe Deutscher Doggen ist das ein Witz. Es gibt keine wolfssicheren Zäune - es sei denn man baut sie wie in Tierparks: 3 Meter hoch und mit Untergrabschutz. Solche Zäune sind im Außenbereich baurechtlich allerdings nicht genehmigungsfähig. Ergo: Die Übergriffe werden weiter zunehmen bis sich die Freilandhaltung nicht mehr lohnt und immer mehr Halter aufgeben.

Profitieren wird die industrielle Massentierhaltung mit ihren geschlossenen Großställen. Das scheint den Lobbyisten, selbsternannten Experten und schlichten Mitläufern entweder recht oder egal zu sein. #Bankrotterklärung

07.11.2016 20:40 Jürgen 1

Unbegrenzte Wolfsausbreitung - ein Beispiel für grünen Dogmen(w)irrsinn

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