Wenn die Fusion der Verkehrsverbünde scheitert Landkreis Bautzen erwägt Austritt aus dem ZVON

Der Landkreis Bautzen hat ein Problem: Seit der Kreisgebietsreform 2008 ist er Mitglied in zwei Verkehrszweckverbänden. Das größere Gebiet des Altkreises Kamenz und der Stadt Hoyerswerda gehört zum Verkehrsverbund Oberelbe (VVO), das kleinere Gebiet des Altkreises Bautzen zum Zweckverband Verkehrsverbund Oberlausitz Niederschlesien (ZVON). Das würde der Bautzener Landrat Michael Harig – der Vorsitzender beider Zweckverbände ist - gern ändern. Denn im Dschungel der unterschiedlichen Bus- und Bahntarife finden sich die Fahrgäste kaum noch zurecht. Deshalb wirbt er seit 2010 für eine Fusion. MDR SACHSEN sprach mit ihm darüber, was ein Zusammenschluss der Region bringen würde.

Ein Trilex-Zug der Länderbahn.
Bildrechte: MDR/Danilo Dittrich

Vor einigen Tagen berichtete eine Zeitung, dass die Fusion von ZVON und VVO vom Tisch ist. Was ist da dran?
Nichts. Ich hatte eine Presseanfrage von einer Zeitung, die meine Aussagen falsch interpretiert hat.

Das heißt, Sie sind weiter ein Verfechter der Fusion?
Auf jeden Fall. Wir haben uns vorgenommen, im Jahr 2018 eine Lösung zu bekommen. Wir reden zurzeit mit dem Landrat und mit dem Oberbürgermeister von Görlitz. Die sind ja für uns im ZVON die wichtigen Ansprechpartner. Und ich hoffe, dass wir die Probleme, die dort gesehen werden, lösen können. Und ich wünsche mir, dass wir dieses Jahr die Grundlagen für eine Fusion legen, um die Bus- und Bahntarife vereinheitlichen zu können.

Bisher stößt Ihr Fusionsvorschlag auf wenig Gegenliebe im Landkreis und in der Stadt Görlitz. Landrat und Oberbürgermeister befürchten, dass der neue Verbund künftig eher das Verkehrsnetz in Dresden und im Elbtal ausbauen könnte und der Landkreis Görlitz das Nachsehen hat.
Görlitz ist der einzige Landkreis in Sachsen, der nicht an ein Ballungsgebiet grenzt. Deshalb war der Kreis in der Vergangenheit auch benachteiligt. Deshalb verstehe ich die Angst der Görlitzer. Damit das aber nicht wieder passiert, müssen wir vertraglich festschreiben, in welcher Qualität künftig Züge und Busse in der Region fahren sollen.  Ganz oben stehen dabei die Zielnetze, die wir erhalten wollen. Dazu gehören unter anderem die Bahnstrecken  Dresden - Bischofswerda – Görlitz und Zittau – Görlitz – Cottbus.

Ich denke, wir sollten in der Oberlausitz gemeinsam denken und die Region gemeinsam nach vorn bringen. Deshalb bin ich nach wie vor Willens, die Gespräche zu einem guten Ende zu führen.

Michael Harig Vorsitzender der Verkehrsverbünde ZVON und VVO

Wie geht es jetzt weiter?
Bis Ende dieses Monats sollen der Kreis und die Stadt Görlitz, die Probleme, die sie sehen, aufschreiben und mir zuarbeiten. Danach werden wir uns mit den beiden Geschäftsführern der Verkehrsverbünde sowie mit dem Landrat und Oberbürgermeister von Görlitz zusammensetzen und Lösungen suchen. Anschließend müssen die Stadt- und die Kreisräte sich mit dem Thema befassen und entscheiden, ob sie einer Fusion zustimmen.

Gesetzt den Fall, die Görlitzer lehnen einen Zusammenschluss der beiden Verkehrsverbünde ab. Was geschieht dann?
Da gibt es zwei Möglichkeiten. Die erste ist, mit den beiden Verbänden zu erreichen, dass wir das Problem mit den unterschiedlichen Tarifen lösen, wenn ein Fahrgast aus dem ZVON-Gebiet ins VVO-Gebiet fährt und umgekehrt. Die zweite Möglichkeit ist, dass die Kreisverwaltung Bautzen einen Antrag bei der Landesdirektion stellt, mit dem Altkreis Bautzen aus dem ZVON austritt und in den VVO wechselt. Doch das will ich eigentlich nicht. Man würde damit das Problem mit den unterschiedlichen Bus- und Bahntarifen innerhalb der Verbünde für die Fahrgäste zwischen Weißwasser, Görlitz, Zittau und Dresden ja nicht lösen, sondern nur in Richtung Osten verschieben.

Nennen Sie drei Gründe, warum die Görlitzer einer Fusion zustimmen sollte.
Erstens: Eine bessere Anbindung an die Landeshauptstadt Dresden bringt auch den Einwohnern des Landkreises und der Stadt Görlitz sehr viel. Zweitens: Wenn wir im Bereich Görlitz–Bautzen den gleichen Tarif hätten wie die Einwohner im VVO-Gebiet, könnten unsere Fahrgäste die gleichen Beförderungsbedingungen für sich beanspruchen wie unsere Nachbarn. Das heißt, sie könnten mit ihrem Ticket auch den Stadtverkehr von Dresden nutzen. Und drittens hätten wir einen gemeinsamen Planungsraum, wo nicht nur der Zugverkehr, sondern auch der Busverkehr besser miteinander vernetzt werden kann. Damit könnten wir den ländlichen Raum mit Bus und Bahn besser versorgen.

Wie sieht der Bautzener Kreistag einen Zusammenschluss?
Sie sind pro Fusion, weil die meisten Kreisräte aus dem VVO-Gebiet kommen. Und die Kreisräte aus dem ZVON-Gebiet müssen erklären, warum Fahrgäste mit einem ZVON-Fahrschein weniger Leistungen für ihr Geld bekommen als mit einem VVO-Fahrschein.

Quelle: MDR/ris

Hintergrund Der Zweckverband Verkehrsverbund Oberlausitz-Niederschlesien ist ein Zusammenschluss der Landkreise Bautzen, Görlitz und der Stadt Görlitz. Der ZVON bestellt in der Oberlausitz den öffentlichen Personennahverkehr bei Bus und Bahn und hat dafür jährlich knapp 50 Millionen Euro zur Verfügung. Im ZVON-Gebiet leben etwa 395.000 Einwohner.

Mitglieder im Zweckverband Verkehrsverbund Oberelbe sind die Landkreise Meißen, Bautzen und Sächsische Schweiz-Osterzgebirge sowie die Stadt Dresden. Im vergangenen Jahr hat der Verband gut 126 Millionen Euro für den ÖPNV ausgegeben. Im Verbandsgebiet leben gut 1,2 Millionen Menschen.

Dieses Thema im Programm bei MDR SACHSEN: MDR SACHSEN - Das Sachsenradio | 14.02.2018 | Regionalnachrichten aus dem Studio Bautzen | ab 5:30 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 14. Februar 2018, 05:09 Uhr

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3 Kommentare

14.02.2018 15:51 Christian Fischer 3

Herr Harig: Ihnen ist doch klar, dass dann z.B. in BZ die VVO-Tarife gelten. Heißt, statt 1,50€ muss ich dann für die einfache Stadtbusfahrt 2,40€ bezahlen. Ich habe Sie übrigens noch nie in den Stadtbussen von BZ oder in den Zügen nach Dresden gesehen. Und an den Werktags-Nachmittagen fährt jede halbe Stunde von DD ein durchgehender Zug nach GR. Mehr geht nicht und wäre auch nicht wirtschaftlich. Aber das können Sie ja als "Nicht-ÖPNV-Nutzer" nicht wissen.

14.02.2018 14:05 Besorgter Bürger 2

Ganz schwache Leistung Herr Harig. Erst die Karre beim ZVON in den Dreck fahren und dann das Glück in der Großstadtwelt suchen. Ich weiß gar nicht, wo ich anfangen soll... soviel Unvermögen passt auf keine Kuhhaut! Sie sind seit 2002 Verbandsvorsitzender im ZVON. Seit 2010 erzählen Sie etwas von Fusion. Bis jetzt haben Sie noch nichts erreicht. Wieso nur? Kann es vielleicht sein, dass Sie einfach kein Konzept haben? Scheinbar haben Sie auch im Bereich Kommunikation ganz schlechte Berater. Wie kommt es sonst zustande, dass Sie seit 2010 nur hohle Reden schwingen und nichts passiert. Wo bleiben durchdachte Konzepte? Haben Sie schon mal an die Finanzierungslücken gedacht, die auftreten, wenn ÖV billiger wird? Und: Es reicht in einem Verbund eben nicht aus, wenn einer von dreien will - da muss man Demokratie leben, die man von anderen einfordert. Für mich ist fraglich, wie die Gremien des VVO das sehen. Ich glaube nicht, dass eine Stadt Dresden begeistert sein wird... Schwach auch vom MDR!

14.02.2018 07:48 peter 1

Da wird der Bock zum Gärtner gemacht mit der Androhung. Warum nicht nur ein Verbund in dem alle Verkehrsmittel des ÖPNV gleichberechtigt vertreten sind. Aber dies ist Wunschgedanke denn im VVO wird nur viel auf Busnetz und dem Verkehr in DD und umkreis gesetzt und den Rest.
Sieht man statt ein miteinander wird der Bus im ländlichen Raum bevorzugt. klassisches Beispiel Abbestellung der Strecke Döbeln- Meißen. Aber wir müssen ja die Fehler machen wie in den alten BL in den 70 iger Jahren Strecken stilllegen und nun mit vielen Millionen wieder Instandsetzen. Sachsen wahr mal Stolz ein sehr gut ausgebautes Eisenbahnnetz gehabt zu haben und nun.