Traktoren besprühen ein Feld.
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Reaktionen in der Oberlausitz auf die Entscheidungen in Berlin und Brüssel Glyphosat: Auch in der Lausitz hoch umstritten

Seit Tagen diskutieren auch die Oberlausitzer über die Entscheidung der EU das umstrittene Pflanzengift Glyphosat für weitere fünf Jahre zuzulassen. Die Reaktionen fallen rings um Görlitz in der Land- und Gartenwirtschaft ganz unterschiedlich aus.

Traktoren besprühen ein Feld.
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In Sichtweite der Görlitzer Peterskirche wachsen tausende Weihnachtsbäume. Am Donnerstag hat es geschneit, aber nur wenige Spuren von Tieren sind im Schnee zu sehen. Das ist nicht verwunderlich, denn Wildtiere finden zwischen den Nordmann- und Blautannen sowie zwischen Kiefern und Koniferen kaum noch etwas zu fressen.

Spritzen ist billiger als mähen

Eine grüne Verpackung, auf der Text zum Inhalt steht. Unter anderem steht dort: Wirkstoff: Glyphosat 360 g/l.
Professionelle "Glyphosatverpackung" mit Warnhinweisen. Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Der Pächter der etwa 40 Hektar großen Anlage setzt mehrmals im Jahr auf das Unkrautvernichtungsmittel "Roundup". Damit kann der Weihnachtsbaumzüchter vom Tannenhof in Oberschönbrunn auf das zeit- und arbeitsaufwändige Mähen verzichten. "Roundup" ist der Handelsname für das Pflanzengift Glyphosat. Nur wenige Kilometer Luftline von der Weihnachtsbaumplantage entfernt ist im Schöpstal Ralf Bressel mit zwei Fuhren Futtergetreide unterwegs.

Auf lange Sicht ist der Einsatz von Glyphosat Schwachsinn, weil man erst spät die Folgen sieht. Trotzdem spritzen Großbetriebe immer mehr, weil ihnen die Zeit für die klassische Bodenbearbeitung fehlt.

Ralf Bressel Landwirt

Als Landwirt mit 120 Hektar setzt Ralf Bressel zusammen mit seinem Sohn auf die klassische Weise der Unkrautvernichtung. Sie pflügen ihre Felder auf althergebrachte Weise. Die Schöpstal Agrar GmbH dagegen setzt auf das Breitbandherbizid.

Spritzen ist billiger als pflügen

"Glyphosat ist wirtschaftlich und es ist entscheidend, wie es eingesetzt wird," sagt Felix Tschoch von der Betriebsleitung. Der landwirtschaftliche Großbetrieb setzt das umstrittene Pflanzengift nur bei einer Kultur ein. Nach der Ernte vom Winterraps wird ungeliebter Nachwuchs, der sogenannte Ausfallraps, mithilfe des Herbizids beseitigt. Der Chef der Planzenproduktion kann deshalb die ganze Aufregung um das Glyphosat nicht verstehen.

Der Vorteil von Glyphosat ist, dass man auf dem Feld nur ein Pflanzenschutzmittel einsetzen muss. Mit einer Überfahrt kann man das gesamte Unkraut bekämpfen.

Felix Tschoch Chef Pflanzenproduktion

Der Chef der Pflanzenproduktion betont, dass der Einsatz von Pflanzengiften in Deutschland sehr streng geregelt ist und kontrolliert wird.

Regenwürmer kommen unter die Räder

Auch klassische Bodenbearbeitungen, wie das Eggen und Pflügen haben zahlreiche Nachteile. Sie greifen unmittelbar in die Struktur ein. "Kleinlebewesen wie Regenwürmer werden getötet; die Umwelt wird durch den erhöhten Einsatz der Technik belastet", sagt der Landwirt und verweist auf Diesel samt Emissionen durch die Abgase der Technik. Die Produktionskosten pro Hektar wären ohne Glyphosat höher.

Ein Traktor versprüht Pflanzenschutzmittel auf einem Feld.
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Insektensterben durch Pflanzengifte

In Friedersdorf, einige Kilometer vom Schöpstal entfernt, ist Sven Büchner geschockt von der Entscheidung der Europäischen Union. Der Biologe und Imker beobachtet schon seit Jahren die Auswirkungen von Pflanzengiften in der Landwirtschaft.

Das Schlimme an der Entscheidung ist, dass der Einsatz von Glyphosat nicht ausläuft, sondern eine Weiterverwendung weiter im Raum steht.

Der Imker führt das Insektensterben auf den vermehrten Einsatz von Pflanzengiften, darunter auch von Glyphosat zurück.

"Das Gift greift unmittelbar in die Artenvielfalt ein, weil die totgespritzten Unkräuter als Nahrung nicht mehr zur Verfügung stehen", meint der diplomierte Biologe. Das Hauptproblem für ihn ist, dass sich das umstrittene Mittel nicht so schnell abbaut wie angegeben. Bodenorganismen werden geschädigt. Das haben jetzt auch Wissenschaftler in Halle anhand von Fadenwürmern nachgewiesen.

Wir konnten zeigen, dass das Glyphosat selber relativ untoxisch ist. Wenn wir die Spritzmischung einsetzen, ist die aber für das Tier um einiges toxischer. Die Tiere sterben schneller, die Lebensspanne ist bei ihnen reduziert.

Professor Wim Wätjen Ernährungswissenschaftler Halle
Sprühflasche von Unkrautvernichter Roundup
Roundup, Markenname für Glyphosat im Baumarkt. Bildrechte: IMAGO

Der Friedersdorfer Imker würde sich wünschen, dass Glyphosat zumindest aus den Garten- und Baumärkten verbannt wird. Immer mehr Haus- und Gartenbesitzer greifen zu dem "Teufelzeug", um nicht mehr jäten zu müssen.

"Doch jede Blume oder Pflanze, jedes Tier hat seine Berechtigung in der Natur", sagt der Imker und zitiert ein finnisches Sprichwort: "Dem Glücklichen ist jedes Unkraut eine Blume und jedem Betrübten jede Blume ein Unkraut."

Über dieses Thema berichtet MDR SACHSEN auch im Radio: MDR SACHSEN - Das Sachsenradio | 28.11.2017 | 18:20 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 01. Dezember 2017, 16:50 Uhr

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1 Kommentar

02.12.2017 16:48 Fragender Rentner 1

Hilft gegen fast alles nur nicht gegen das Ableben, schade. :-)