Aktionstag Hillersche Villa in Zittau wirbt für Alphabetisierungskurse

Die Speisekarte lesen oder einen Einkaufszettel schreiben. Was für viele eine Selbstverständlichkeit ist, fällt einigen Menschen sehr schwer. Bei einem Aktiontag am Mittwoch wurde auf das Problem Lese- und Schreibschwäche hingewiesen.

ALFA-Mobil-Info-Stand
Bildrechte: Bundesverbandes Alphabetisierung und Grundbildung e.V.

In Zittau machte am Vormittag das sogenannten Alfa-Mobil des Bundesbildungsministeriums auf dem Marktplatz halt, um gemeinsam mit der Hillerschen Villa Werbung für Lese- und Schreibkurse zu machen. Auch wenn es für die Oberlausitz keine konkreten Zahlen aufgrund der hohen Dunkelziffer gebe, geht Katarin Rössler vom Mehrgenerationenhaus der Hillerschen Villa davon aus, dass jeder vierzehnte Oberlausitzer von einer Lese- und Rechtschreibschwäche betroffen ist.

Wir bieten im Mehrgenerationenhaus Hilfe für Betroffene an, in mehreren ganz unterschiedlichen Projekten. Menschen, die nicht oder nur wenig lesen und schreiben, sollen sich hier sicher fühlen.

Katarin Rössler Mehrgenerationshaus Hillersche Villa

Erst auf dem Marktplatz in Zittau und dann am Nachmittag in der Hillerschen Villa erhielten Betroffene, Familienangehörige oder Freunde sowie Interessierte Informationen über Möglichkeiten, um den Analphabetismus zu überwinden.

Menschen sitzen im Alphabetisierungskurs
Menschen, die den Mut haben, an einem Alphabetisierungskurs teilzunehmen. (Symbolbild) Bildrechte: IMAGO

Lesen und schreiben kann doch jeder - oder?

"Es gibt viele Menschen, darunter auch Menschen die voll im Berufsleben stehen, die kaum lesen und schreiben können" sagt Friederike Risse vom Alfa-Mobil. Oftmals falle das gar nicht auf.

Wir hatten eine Frau in ein einer leitenden Position und die hat den Schriftverkehr mithilfe ihres Mannes zu Hause bewältigt oder die Schriftsätze mit dem Mobiltelefon abfotografiert und dann vorlesen lassen. Die Betroffenen haben unglaubliche Strategien entwickelt, um mit ihrem Lese- und Schreibproblem nicht aufzufallen.

Friederike Risse Alfa-Mobil

Weil den Betroffenen ihre Schwäche bewusst und oft auch peinlich sei, trauten sich nur wenige diese zuzugeben. Beim Alfa-Mobil helfen einstige Analphabeten als sogenannte Botschafter dabei die Hemmschwellen zu überwinden und stehen als Ansprechpartner zur Verfügung.

Neue Selbsthilfegruppe in Zittau erwünscht

Das Mehrgenerationenhaus Zittau will zusammen mit dem Internationalen Bund in Löbau die Alphabetisierung und Grundbildung in der Oberlausitz voranbringen. Genau deshalb war das Alfa-Mobil-Team als eine Art Mutmacher mit einem reich bestückten Informationsstand am Zittauer Rathaus vor Ort. In der Hillerschen Villa sollte dann das ABC-Lese-Café, bestückt mit Bücher in einfacher Sprache, dazu ermutigen, sich seinem Handicap zu stellen.

Alphabetisierung Zittau
Die Hillersche Villa bietet zahlreiche Angebote um Lese- und Rechtschreibschwächen abzubauen. Bildrechte: MDR/Madeleine Arndt

Unser Ziel ist es, in Zittau eine Selbsthilfegruppe zu gründen und das Aktionstag zusammen mit den Alfa-Mobil war eine Möglichkeit das Problem in den Focus der Öffentlichkeit zu rücken.

Katarin Rössler Mehrgenerationshaus Hillersche Villa

Mit der Resonanz in Zittau waren die Macher des Aktionstages nach Angaben der Hillerschen Villa zufrieden. Nun müssten sich nur noch Betroffene ein Herz fassen und die Angebote zum Überwinden ihrer Lese- und Schreibschwäche annehmen. Drei Oberlausitzer haben sich am Mittwoch geoutet und als einstige Analphabeten mutig den Aktionstag in Zittau mitgestaltet.

Quelle: MDR/uwa

Dieses Thema im Programm bei MDR SACHSEN MDR SACHSEN - Das Sachsenradio | 29.09.2020 | 15:30 Uhr im Regionalreport aus dem Studio Bautzen

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