26.06.2020 | 16:00 Uhr | Update Protest im Tagebau Jänschwalde wegen eines Gewitters beendet

Die aufgehende Sonne hinter einem Absetzer für Abraum am Rande des Braunkohletagebaus Jänschwalde der Lausitz Energie Bergbau AG (LEAG).
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Nach fast elf Stunden haben Umweltaktivisten die Besetzung eines Baggers im Braunkohle-Tagebau Jänschwalde wegen starken Gewitters beendet. Auf der Plattform könne es sonst bei Regen gefährlich für die Besetzer werden, sagte eine Sprecherin von Ende Gelände. Die Polizei hatte die Gruppe zuvor aufgefordert, die Aktion freiwillig zu beenden.

Das Aktionsbündnis "Ende Gelände" hatte in der Nacht zum Freitag einen Schaufelradbagger im Tagebau Jänschwalde besetzt. Nach Reporterinformationen drangen etwa 30 Kohlegegner um Mitternacht auf dem Werksgelände ein, besetzten den Abraumbagger und hissten Transparente. Ähnliches berichtet der WDR aus dem Tagebau Garzweiler.

Ziel der Aktion war es nach Angaben des Bündnisses, gegen die Klimapolitik zu protestieren - insbesondere gegen den Vertrag zum Kohleausstieg der Bundesregierung. Die Gruppe fordert die sofortige Abschaltung von Kohlekraftwerken.

Tagebau Jänschwalde Der Tagebau Jänschwalde liegt im Nordosten von Cottbus. "Die Braunkohle wird mit einer der größten Förderbrücken des Typs F 60 im Lausitzer Revier freigelegt", schreibt der Betreiber Leag.

Beginn der Kohleförderung in Jänschwalde war im Jahr 1976. Allein im Jahr 2019 wurden in dem Tagebau nach Leag-Angaben 7,4 Mio Tonnen Braunkohle abgebaggert.

"Verträge sind Klimaverbrechen"

"Das geplante Gesetz ist ein Klimaverbrechen", sagte Ronja Weil, Sprecherin von "Ende Gelände" dem Rundfunk Berlin-Brandenburg. Mit diesem Kohleverlängerungsgesetz finanziere die Regierung noch zwei weitere Jahrzehnte eine zerstörerische Industrie. Nach der Besetzung des Schaufelradbaggers steht die Förderbrücke in Jänschwalde still. "Aus Sicherheitsgründen kann nicht weiter Abraum gefördert werden", sagte Leag-Sprecher Thoralf Schirmer auf Anfrage des RBB.

Scharfe Kritik von Braunkohle-Bündnis

Der Vorsitzende des Pro Lausitzer Braunkohle e.V., Wolfgang Rupieper, kritisierte die Aktivisten unterdessen scharf. "Wir müssen ein Zeichen setzen, dass diese Chaoten nichts in der Lausitz zu suchen haben", hieß es in einer Stellungnahme des Vereins. Das seien keine Umweltschützer, sondern Kriminelle. Sie gehörten nicht auf den Bagger, sondern vor Gericht.

Bundesregierung beschliesst Ausstiegsvertrag

Das Bundeskabinett hatte am Mittwoch dem Entwurf des geplanten Ausstiegsvertrags mit den Braunkohlebetreibern zugestimmt. Für die darin beschlossenen Strukturhilfen für Braunkohleregionen forderte der sächsische Umweltminister Wolfram Günther Nachbesserungen. Es sei bedenklich, dass darin nichts zu sogenannten Ewigkeitslasten festgelegt sei. Das betreffe beispielsweise das Grundwasser und die Oberflächengewässer. Der Grünen-Politiker erklärte, Sachsen solle zwar Zugriff auf 1,75 Milliarden Euro bekommen. Die Bergbaufolgekosten beim Wasserhaushalt lägen aber um ein Vielfaches darüber. Hier ticke für Sachsen eine Zeitbombe, warnte Günther.

Quelle: MDR/bj/rbb

Dieses Thema im Programm bei MDR SACHSEN MDR SACHSEN - Das Sachsenradio | 26.06.2020 | ab 13:30 Uhr in den Regionalnachrichten aus dem Studio Bautzen

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