Gletscherfelsen im künftigen Eiszeitdorf
Bildrechte: MDR/Uwe Walter

12.06.2019 | 11:54 Uhr Alpenglühen in der Muskauer Heide

Der Fürst-Pückler-Park in Bad Muskau ist legendär und gehört zum Weltkulturerbe. Diesen Status wird das benachbarte Eiszeitdorf in Krauschwitz sicher nicht erreichen, aber nicht nur das Alpenglühen an den gewaltigen Eiszeitfelsen ist sehenswert. Findige Oberlausitzer lassen nicht nur die Eiszeit auf dem Muskauer Faltenbogen auferstehen, sondern bauen eine Spiel- und Erlebniswelt für groß und klein auf.

 Gletscherfelsen im künftigen Eiszeitdorf
Bildrechte: MDR/Uwe Walter

Der legendäre Gartengestalter Fürst Pückler hat seinen Landschaftspark im Muskauer Faltenbogen realisiert. Er nutzte dabei auch die Moränen, die durch einen gewaltigen Gletscher in der Eiszeit geschaffen wurden. Dieser Muskauer Faltenbogen ist in seiner Form und seiner Gestalt weltweit einmalig und wurde deshalb 2011 als Geopark von der UNESCO anerkannt. Auf diesen Faltenbogen möchten nun ein paar einfallsreiche Bergsteiger aufmerksam machen. Deshalb entsteht nur wenigen Kilometer vom Fürst-Pückler-Park Bad Muskau entfernt ein Eiszeitdorf auf einer Endmoräne.   

Als Moräne wird die Gesamtheit des Materials bezeichnet, welches Gletscher während ihrer Fließbewegung transportieren. Beim Abschmelzen der Eismassen bleiben meist Schutthaufen zurück. Sie bestehen aus Schlamm, Ton oder Sand sowie Gesteinsbrocken. Sogar große Felsbrocken lassen die Gletscher zurück.

In der Muskauer Heide schuf ein 500 m dicker Eispanzer aus Sand und Braunkohle einen sogenannten Faltenbogen in Form eines Hufeisens. Es ist nur 700 Meter breit und die Endmoräne ist als Hügelzug erhalten, dessen höchste Erhebungen 180 Meter nicht überschreiten. Für Bergwanderer und Bergsteiger sind das keine Herausforderungen. Doch seit einigen Tagen gibt es sie: Schwierigste Kletterrouten in der Muskauer Heide!

Gletscher mit Personen
Die winzigen Punkte auf dem Gletscher sind Leute! Bei Bad Muskau war einst der Gletscher 500 Meter dick und schuf den weltweit einmaligen Faltenbogen! Bildrechte: colourbox.com

 Der Berg ist das Ziel

In der Oberlausitz gibt es nicht wenige verrückte "Bergfexe". Die toben sich nicht nur in der Sächsischen Schweiz, im Zittauer Gebirge und in den Königshainer Bergen aus. Sie sind auf allen Bergen der Welt unterwegs. Winterbesteigungen der legendären Nordwand des Matterhorns haben sie absolviert. Oberlausitzer kletterten, ebenfalls im Winter, durch die gefährliche Ostwand auf den Watzmann. In der flachen Heidelandschaft aber sind die Kletter- und Trainingsmöglichkeiten spärlich. Deshalb kamen einige Bergfreunde auf die Idee, einen künstlichen Felsen am Bärwalder See aufzustellen. Doch das ambitionierte Projekt scheiterte am Geld.

Jüngste Ortsgruppe des Alpenvereins

In Krauschwitz ist in den vergangenen Monaten eine kleine Felsenwelt im einstigen Helmut-Just-Stadion entstanden. Fördermittel aus Brüssel machten es möglich. Auf Bergsteiger warten ab sofort 24 Aufstiege und zwei harte Klettersteige gleich neben dem Erlebnisbad. Drei Eiszeitfelsen ragen seit einigen Monaten in den Himmel. Sicherungskarabiner klappen und Bergsteiger hängen bereits in den steilen Wänden. Sie gehören zur jüngsten Ortsgruppe des Deutschen Alpenvereins DAV, der in diesen Tagen sein 150Jähriges Bestehen feiert.

Als eigener Verein hätten wir gar nicht das Know How gehabt, diese Kletterfelsen in Krauschwitz betreuen zu können. Da war der Ansatz schon das Beste, dem Alpenverein als Ortsgruppe beizutreten.

Ingo Nescholter DAV Ortsgruppe Krauschwitz

Die frisch gegründete DAV Ortsgruppe Krauschwitz gehört zur Sektion Zittau. Schon immer hatte der Deutsche Alpenverein in der Oberlausitz und Nordböhmen starke Ableger. Die Sektionen Görlitz, Zittau und Neugersdorf sowie die Varnsdorfer bauten einst Schutzhütten in den Alpen, um von dort aus zu ihren Traumtouren zu starten.
Jetzt erfüllten sich die Flachland-Tiroler aus Weißwasser und Krauschwitz ihre Träume in der heimischen Muskauer Heide. Mehr als 1.000 künstliche Griffe wurden verschraubt.

Kletterfelsen in der Muskauer Heide

Marodes Eingangsgebäude vom Helmut Just Stadion in Krauschwitz
Marodes Eingangsgebäude vom Helmut-Just-Stadion in Krauschwitz. 1953 wurde das Stadion von Einheimischen gebaut, nach der politischen Wende verfiel es. Nun bauen Einheimische hier auf dem Sportgelände ein Eiszeitdorf, in dem auch wieder Sport getrieben werden kann. Bildrechte: MDR/Uwe Walter
Marodes Eingangsgebäude vom Helmut Just Stadion in Krauschwitz
Marodes Eingangsgebäude vom Helmut-Just-Stadion in Krauschwitz. 1953 wurde das Stadion von Einheimischen gebaut, nach der politischen Wende verfiel es. Nun bauen Einheimische hier auf dem Sportgelände ein Eiszeitdorf, in dem auch wieder Sport getrieben werden kann. Bildrechte: MDR/Uwe Walter
 Gletscherfelsen im künftigen Eiszeitdorf
Drei Gletscherfelsen im künftigen Eiszeitdorf. 24 Routen gibt es bislang an den 18 Meter hohen Betonnadeln. In der Abendsonne leuchten hier die Gipfel: Alpenglühen im Flachland! Bildrechte: MDR/Uwe Walter
Mann und Frau vom DAV Krauschwitz diskutieren über Kletterroute
Wie am natürlichen Fels, sorgsam sollte die Route gewählt werden. Bildrechte: MDR/Uwe Walter
Frau klettert am Gletscherfelsen, dahinter Eingang zum künftigen Bergwerk
Eine Kletterin wagt den Einstieg. Im Hintergrund ist der Eingang in die Unterwelt, in das künftige Bergwerk zu sehen. Bildrechte: MDR/Uwe Walter
Bouldersteine für Kinder im Eiszeitdorf
Die Bouldersteine, auch für Kinder, sind ebenfalls schon fertig. Bildrechte: MDR/Uwe Walter
Kletterer am Überhang mit Gipfelkreuz vom Drachenfels
An den Überhängen werden die Finger lang. Sie erfordern Kraft und Geschick! Bildrechte: MDR/Uwe Walter
Mann am künstlichen Gletscherfelsen
Nicht jede Route gelingt auf Anhieb. Gut, dass das Seil von oben kommt. Da kann nicht passieren. Bildrechte: MDR/Uwe Walter
Gletscherfelsen im künftigen Eiszeitdorf
Blick vom 18 Meter hohen Drachberg auf den kleinen Bruder, den Katzenberg. Bildrechte: MDR/Uwe Walter
Kletterer hängt im Seil unter einem Überhang am künstlichen Gletscherfelsen
Auch am Katzenberg gibt es schwierige Routen! Bildrechte: MDR/Uwe Walter
Eintrag in das Gipfelbuch auf dem Drachenfelsen
Wie in Sachsen üblich, gibt es auf den Gletscherfelsen Gipfelbücher.
Dort hinterlassen Bergsteiger ihren Namen, das Datum und die Route, die sie gegangen sind.
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"Berg heil!" auf dem Drachenberg

Die Form der künstlichen Felsen soll an den Muskauer Faltenbogen erinnern. "Jede Kletterroute hat einen regionalen Bezug", sagt Ingo Nescholter und verweist auf den künstlichen Drachenberg. Der Drachenberg ist mit 180 Metern die höchste Erhebung im Muskauer Faltenbogen. Auch der Katzenberg und der Weinberg verstecken sich in der Umgebung in den Kiefernwäldern. Fast sieben Tonnen Stahl und 180 Tonnen Beton stecken in den drei künstlichen Kletterfelsen, die, wie in Sachsen üblich, mit einem Gipfelbuch versehen sind.

Eintrag in das Gipfelbuch auf dem Drachenfelsen
Eintrag in das Gipfelbuch auf dem Drachenberg. Bildrechte: MDR/Uwe Walter

Alpenglühen im Flachland

Es klingt unglaublich, was die Krauschwitzer erzählen. Seit die 18 Meter hohen Gletscherfelsen aufgetürmt wurden, ist das legendäre Alpenglühen auch im Eiszeitdorf sichtbar.

Wenn die Sonne untergeht, leuchten das Gipfelkreuz und die Felsspitzen in einem kräftigen Orange. Alpenglühen pur!

Ingo Nescholter DAV Ortsgruppe Krauschwitz

Die Bauarbeiten im Eiszeitdorf sind aber noch nicht beendet.

Hoch hinaus und tief hinab

Hinter den 18 Meter hohen Betonriesen geht es künftig in die Tiefe. Das Loch ins Erdinnere ist schon zu sehen. Dort wird in das Bergwerk eingefahren, erklärt der Krauschwitzer Bürgermeister Rüdiger Mönch.

Krauschwitz
Bürgermeister Rüdiger Mönch ist als DAV-Mitglied einer der Initiatoren des Eiszeitdorfes in Krauschwitz. Bildrechte: MDR/Madeleine Arndt

Es soll demonstriert werden, wie die Krauschwitzer früher unter Tage die Braunkohle abbauten. Doch das Bergwerk soll nicht nur der Bildung dienen, sondern auch ein Spielplatz für große und kleine Entdecker werden. Unter der Erde sind Stollen angelegt, es wird Hangelpartien und Kletternetze geben, über die man wieder ans Tageslicht kommt. Per Seilbahn soll es dann zurück ins Eiszeitdorf gehen.

Quelle: MDR /uwa

Dieses Thema im Programm bei MDR SACHSEN MDR SACHSEN - Das Sachsenradio | 13.06.2019 | ab 7:30 Uhr in den Regionalnachrichten aus dem Studio Bautzen

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