18.02.2020 | 00:29 Uhr Milliarden-Deal: Alstom will Bombardier-Zugsparte kaufen

Die großen Bahntechnik-Konzerne Alstom, Siemens und Bombardier ringen seit langem um Zusammenschlüsse, um der chinesischen Konkurrenz Paroli zu bieten. Nun steht ein neuer Milliardendeal an. Aber auch dafür müssen die Wettbewerbshüter mitspielen - die Hürden sind hoch.

Mitarbeiter stehen am Werkseingang vom Waggonhersteller Bombardier in Görlitz.
Bildrechte: dpa

Der französische TGV-Hersteller Alstom will die Zugsparte des kanadischen Konkurrenten Bombardier übernehmen. Dafür solle ein Preis in der Spanne von 5,8 Milliarden Euro bis 6,2 Milliarden Euro gezahlt werden, wie Alstom am Montagabend am Saint-Ouen-sur-Seine bei Paris mitteilte. Eine entsprechende Absichtserklärung sei unterzeichnet worden.

Görlitz und Bautzen gehören zu den größten Standorten in Deutschland

Damit bahnt sich unter großen Zugherstellern ein neuer Zusammenschluss an. Die Transaktion wäre auch von großer Bedeutung für Deutschland, wo es mehrere Werke mit tausenden Beschäftigten gibt. Die Übernahme könnte jedoch auf Widerstand der Kartellbehörden stoßen. Die Hürden für ein Zusammengehen sind hoch. Alstom-Chef Henri Poupart-Lafarge zeigt sich optimistisch, dass die Brüsseler Wettbewerbshüter die Übernahme billigen. Der Deal mit den Kanadiern unterscheide sich deutlich von einem früher geplanten Zusammenschluss mit der Siemens-Zugsparte.

Die Zugsparte von Bombardier hat ihren Sitz in Berlin. Von 40.650 Mitarbeitern, die laut Unternehmen zuletzt in 60 Ländern tätig waren, arbeiten nach Gewerkschaftsangaben rund 6.500 Stammbeschäftigte in Deutschland. Hinzu kommen rund 1.100 Leiharbeiter. Die größten Standorte sind Hennigsdorf, Görlitz und Bautzen. Auch in Mannheim, Kassel und Siegen sind jeweils mehrere Hundert Menschen beschäftigt.

Alstom will keine Restrukturierung

Konzeptgrafik zu den neuen Stadtbahnen für Dresden.
Auch die neuen Dresdner Straßenbahnen werden bei Bombardier gebaut. Bildrechte: Bombardier Transportation GmbH

Mit der Übernahme erhöht Alstom nach eigenen Angaben seinen Auftragsbestand auf 75 Milliarden Euro und werde einen Umsatz von rund 15,5 Milliarden haben. Der Alstom-Chef sprach von einer "neuen, historischen Etappe im Leben unseres Konzerns". Die Zugsparte von Bombardier brauche aber wegen der Schwierigkeiten der kanadischen Gruppe zunächst "Stabilität". Er verwies darauf, dass Bombardier sowohl bei Signalanlagen als auch bei Hochgeschwindigkeitszügen deutlich schwächer sei als Alstom. Alstom und Bombardier ergänzten sich. So sei Alstom in Südeuropa stärker, während Bombardier in nordeuropäischen Ländern seinen Schwerpunkt habe. Poupart-Lafarge sagte, das Ziel der Übernahme sei keine Restrukturierung der Unternehmen.

IG Metall ruft Bundesregierung zum Handeln auf

Die IG Metall geht davon aus, dass ein Zusammenschluss von Bombardier und Alstom kartellrechtlich so zu bewerten sei wie die von der EU-Kommission untersagte Fusion von Siemens und Alstom im vergangenen Jahr. Sollte es doch dazu kommen, werde die IG Metall keine einseitige Konsolidierung in Deutschland akzeptieren.

Die Gewerkschaft forderte die Bundesregierung auf, sich aktiv in die Gespräche von Bombardier und Alstom einzuschalten. Die bundeseigene Deutsche Bahn sei ein Großkunde der Branche. Die Bundesregierung habe deshalb die Pflicht, industriepolitische Maßnahmen im Sinne der Beschäftigten zu ergreifen und die industrielle Basis zu sichern.

Ärger mit Intercity-Zügen

Bombardier ist finanziell schwer angeschlagen. Um zu Geld zu kommen, stieg der Konzern jüngst bei dem gemeinsam mit Airbus gebauten Kurz- und Mittelstreckenjet Airbus A220 aus. Ärger gab es zuletzt mit den neuen Intercity-Zügen von Bombardier. Die Deutsche Bahn gab Ende Januar bekannt, dass sie 25 Exemplare wegen technischer Mängel nicht abnehmen werde. Auch beim Flaggschiff ICE 4 gab es Produktionsmängel, Siemens verwies bei dem Fehler ebenfalls auf Bombardier.

Quelle: MDR/dk/dpa

Dieses Thema im Programm bei MDR SACHSEN MDR SACHSEN - Das Sachsenradio | 17.02.2020 | ab 20:00 Uhr in den Nachrichten

0 Kommentare

Mehr aus Görlitz, Weisswasser und Zittau

Der Landrat des Landkreises Görlitz Bernd Lange 3 min
Bildrechte: Landkreis Görlitz

Mehr aus Sachsen