Auf einem Zaun stecken Tonfiguren.
Auch mit Kleinigkeiten kann Waltersdorf im Kampf um den Erholungsort-Titel punkten. Bildrechte: MDR/Rosmarie Hennig

Tourismus Waltersdorf mit Tonköpfchen und scharfen Würsten im Titelkampf

Seit 2005 ist Waltersdorf bei Zittau staatliche anerkannter Erholungsort. Der Status wird regelmäßig überprüft. Eine Kommission war dafür einen halben Tag lang im Dorf unterwegs und besuchte Bauern, Umgebindehäuser und einen Kaffeeröster. Ob der Ort den Titel behalten darf, steht noch nicht fest.

Auf einem Zaun stecken Tonfiguren.
Auch mit Kleinigkeiten kann Waltersdorf im Kampf um den Erholungsort-Titel punkten. Bildrechte: MDR/Rosmarie Hennig

Scharfe Würste und Fleisch vom Bauern - da wird aus dem Rundgang mal kurz ein Einkaufstrip für die Mitglieder vom Sächsischen Landesbeirat für Kur- und Erholungsorte. Minuten später sind die ersten Würste aus dem Hofladen der Familie Sell verputzt. So eine Begutachtung darf ruhig auch schmecken. Wegen der sind die elf Männer und Frauen aus ganz Sachsen an diesem Märzmorgen nach Waltersdorf gekommen. Seit 2005 ist der Ortsteil von Großschönau staatlich anerkannter Erholungsort.

Corinne Schellenberger steht in der Tourist-Info hinter dem Tresen.
Corinne Schellenberger betreut in der Tourist-Info 20 bis 300 Gäste am Tag. Bildrechte: MDR/Rosmarie Hennig

Der Beirat wird feststellen, ob Waltersdorf am Fuß des Lausche-Berges den Titel auch künftig führen darf. Sorgen macht sich Bürgermeister Frank Peuker deshalb nicht. Für ihn ist der Check eine Gelegenheit zu sehen, "wo die Messlatte liegt", so Peuker. Das Wetter ist jedenfalls auf Seiten der Waltersdorfer. Zwar weht der Wind kalt um die Prüfernasen. Doch die Sonne scheint, der Himmel ist blau mit Wattewolken. Und die Vögel zwitschern vom Frühling. Das Wetter ist wichtig. Darüber musste die Gemeinde sogar ein Gutachten vom Deutschen Wetterdienst einholen und klären lassen, ob es "erholungstauglich" ist.
Kurz nach zehn am Vormittag gibt es erst einmal Kaffee und dann eine kleine Führung durch das Naturparkhaus von Waltersdorf. Hier gibt es einen Einblick in den Naturpark Zittauer Gebirge. Im Fachwerkhaus ist auch die Tourist-Info von Waltersdorf untergebracht. Und für die sieht es nicht schlecht aus. "Bei der persönlichen Beratung schneidet sie im sachsenweiten Vergleich gut ab", sagt Beiratsmitglied Andrea Kis. Sie vertritt den Landestourismusverband. Die Fachfrau lobt, dass es hier so viele Produkte aus der Region zu kaufen gibt und dass die Info-Mitarbeiter wirklich für die Touristen da sind. Keine Selbstverständlichkeit. "Bei unseren 224 Tourist-Infos in Sachsen gibt es auch einige, wo die Kollegen das Standesamt oder das Bürgerbüro mitbetreuen."

Einen kurzen Blick werfen die Gäste noch ins Café im Erdgeschoss, wo Himbeer-Pudding- und Jogurth-Mandarine-Torte in der Auslage stehen. Dann geht es in ein rot-grünes Umgebindehaus auf der gegenüberliegenden Straßenseite. Die Gemeinde hat es gekauft, saniert und verpachtet. Nun ist hier die Kaffeerösterei untergebracht, aus der die Bohnen für das Café im Naturparkhaus kommen. Inhaber ist Robin Wallmann. Er erzählt, dass es gut läuft mit Café und Kaffee. "Ich könnte noch mehr rösten als bislang, aber ich schaffe das gar nicht."

Kopf einziehen im Umgebindehaus

Die Beiräte steigen in zwei Kleinbusse. Fünf Minuten Fahrt, dann sind sie in Saalendorf, das zu Waltersdorf gehört. Hier hat Familie Hockert in einem Umgebindehaus zwei Ferienwohnungen eingerichtet. "Kopf einziehen", rät Heidi Hockert den Besuchern. Umgebindehäuser sind nicht gerade für Großzügigkeit in der Höhe bekannt. Tourismus ist ein Nebengeschäft für die Saalendorferin, die eigentlich den Großschönauer Bauhof leitet. In ihrer Freizeit kümmert sie sich um Buchungsanfragen, ums Putzen, das Frühstück für die Gäste und darum, dass die immer selbstgemachte Marmelade vorfinden.

Hendrik Sell steht zwischen den Beitratsmitgliedern, im Hintergrund stehen Wohnfässer auf dem Zeltplatz.
Hendrik Sell mit Rauschebart zeigt seinen Campingplatz und die Wohnfässer. Bildrechte: MDR/Rosmarie Hennig

Nur Minuten haben die Beiratsmitglieder, dann laufen sie weiter. Ein paar Meter nur sind es bis zum Bauernhof von Hendrik und Alexander Sell. Das ist der mit dem Hofladen und den Würsten. Die Brüder haben den Familienhof übernommen. Der Großvater, vertrieben aus Schlesien, hatte ihn in den 1960er Jahren erworben. In langgestrecken Ställen fressen Kühe. 600 Rinder haben sie hier. "Klassische Massentierhaltung", sagt Hendrik Sell. Hinterm Hof auf einer Wiese liegt ein Campingplatz. Momentan stehen dort nur zwei Wohnfässer und ein paar Wohnwagen der Dauercamper. "Die Saison beginnt hier erst im April", so Sell. 30 bis 40 Stellplätze gebe es. Dann warten schon die Kleinbusse. Auf zur nächsten Station. Vier Stunden sind nicht viel Zeit, um einen Ort kennenzulernen. "Aber es ist entscheidend", sagt Frank Ortmann vom Sächsischen Wirtschaftsministerium. Er leitet den Beirat. Einige der Mitglieder waren schon in Waltersdorf, als sich die Bewohner erstmals um den Titel Erholungsort bemühten. Sie hätten nun den direkten Vergleich. Entscheiden, ob Waltersdorf staatlich anerkannter Erholungsort bleibt, werden sie heute nicht mehr. "Eine Weile dauert das schon", sagt Frank Ortmann.

28 Titelträger gibt es momentan in Sachsen

Nicht immer gelingt die Verlängerung des Status. Von kürzlich noch über 30 Titelträgern in Sachsen sind 28 übrig. Mitunter verzichten Gemeinden wegen des Aufwandes aber auch auf die Wiederanerkennung. Der Kleinbus hält am Naturparkgarten. Anderthalb Hektar Wiesen, Bäume, Büsche, Teich und Vögel. "Manchmal sieht man auch einen Dachs oder Rehe", sagt Bürgermeister Frank Peuker. Früher stand hier eine Ruine. Sie wurde abgerissen. Die Gutachter laufen einen kleinen Hügel hinauf, schauen auf die Kirche, das einstige Kaiserliche Postamt, in dem heute ein Hotel untergebracht ist, und auf Umgebindehäuser mit Zäunen, wo auf den Latten mitunter lustige Tonfiguren stecken. Dann geht es wieder hinab. Der Bus wartet schon.

Rundgang durch Waltersdorf

Rundgang durch Waltersdorf

Ein Fachwerkhaus in Waltersdorf - das Naturparkhaus.
Im Naturparkhaus startet der Rundgang. Hier ist die Tourist-Info untergebracht. Bildrechte: MDR/Rosmarie Hennig
Ein Fachwerkhaus in Waltersdorf - das Naturparkhaus.
Im Naturparkhaus startet der Rundgang. Hier ist die Tourist-Info untergebracht. Bildrechte: MDR/Rosmarie Hennig
In einem Regal in einem Café stehen viele Produkte.
Im Café des Naturparkhauses können Besucher Kaffee, Tee, Marmelade, Trüffel und andere Produkte kaufen. Bildrechte: MDR/Rosmarie Hennig
Menschen laufen in ein rot-grünes Umgebindehaus.
In diesem Umgebindehaus ist die Kaffeerösterei untergebracht. Bildrechte: MDR/Rosmarie Hennig
Die Kirche von Waltersdorf.
Gegenüber vom Naturparkhaus steht die Kirche. Bildrechte: MDR/Rosmarie Hennig
Menschen laufen in ein Umgebindehaus. Eine Tafel davor wirbt für Ferienwohnungen.
Bei Familie Hockert gibt es Ferien im Umgebindehaus. Bildrechte: MDR/Rosmarie Hennig
In einem Bollerwagen ist Keramik zu sehen.
Auch Kleinigkeiten prägen das Ortsbild. Bildrechte: MDR/Rosmarie Hennig
Frank Ortmann vom Wirtschafsministerium (2.v.l.) und Bürgermeister Frank Peuker (3.v.l.) schauen sich mit anderen Gästen eine Landkarte an.
Frank Ortmann vom Wirtschafsministerium (2.v.l.) und Bürgermeister Frank Peuker (3.v.l.) schauen sich mit anderen Gästen eine Landkarte an. Bildrechte: MDR/Rosmarie Hennig
Ein Umgebindehaus steht in der Landschaft.
Viel Natur und die Umgebindehäuser sind typisch für das Dorf. Bildrechte: MDR/Rosmarie Hennig
Ein braunroter Wohnwagen steht vor einem Park.
Dieser Wohnwagen am Naturparkgarten ist ein Treffpunkt für Kindergruppen. Bildrechte: MDR/Rosmarie Hennig
Straße mit Umgebindehäusern, im Hintergrund der Berg Lausche.
Umgebindehäuser und im Hintergrund der Lauschegipfel, auf dem noch ein bisschen Schnee liegt. Bildrechte: MDR/Rosmarie Hennig
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Quelle: MDR/nng

Dieses Thema im Programm bei MDR SACHSEN MDR SACHSEN - Das Sachsenradio| 13.03.2019 | 16:30 Uhr in den Regionalnachrichten aus dem Studio Bautzen

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Zuletzt aktualisiert: 15. März 2019, 11:53 Uhr

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