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Hafen in Hagenwerder. Hier sollen vielleicht auch bald die Boote aus der Blauen Lagune festmachen. Bildrechte: Uwe Walter

Stadt Görlitz auf Kollisionskurs mit Seglern aus Tauchitz Eisig ist der Wind am Berzdorfer See

An der Blauen Lagune am Berzdorfer See haben die Lausitzer Wassersportler ihren Stützpunkt. Doch nun soll dieser geschlossen werden. Die Segler sollen in den teuren Hafen von Hagenwerder umziehen, zugunsten von Görlitz. Doch die Segler haben einen anderen Kurs eingeschlagen, um ihren Stützpunkt zu erhalten. Damit liegen Stadt und Segler hart am rauhen Wind und steuern auf eine Kollision zu.

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Hafen in Hagenwerder. Hier sollen vielleicht auch bald die Boote aus der Blauen Lagune festmachen. Bildrechte: Uwe Walter

Eiskalt peitscht ein rauer Wind die Wellen auf dem Berzdorfer See. Am südlichen Ufer stehen Manfred Dahm und Matthias Fiebig. Gemeinsam schauen sie über den ehemaligen Tagebau nach Nord. Dort braut sich im Görlitzer Rathaus das Unheil zusammen. Ihr Segelstützpunkt an der Blauen Lagune ist in Gefahr. Er soll zugunsten des benachbarten Hafens geopfert werden, der von Görlitz betrieben wird.

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Der Hafen wird von dem städtischen Wohnungsbauunternehmen "KommWohnen" betrieben. Bildrechte: Uwe Walter

Dabei wollten sich die Wassersportler vor acht Jahren am Hafen ansiedeln. Doch der damalige Görlitzer Oberbürgermeister Joachim Paulick schickte die Segler fort: "Für einen Segelstützpunkt gibt es hier keine Flächen", soll Paulick damals zum Vereinschef Manfred Dahms gesagt haben. Ein paar Kilometer weiter bot die Gemeinde Schönau-Berzdorf einen Ankerplatz.

Frischer Wind an der Blauen Lagune

Seit 2012 schufen sich die Wassersportler an der Blauen Lagune ein kleines Wasserportzentrum, in dem mittlerweile drei Vereine beheimatet sind. Dazu kommen die zahlreichen Sportfreunde aus Polen und Tschechien. Es gibt hier Liegeplätze für Boote, Aufenthalts- und Werkstatträume sowie eine Sanitäranlage. "Nicht zu vergessen der Grillplatz mit dem Lagerfeuer, das ist wichtig für die Vereine", sagt Manfred Dahms, Vereinschef der Lausitzer Wassersportfreunde. Vieles haben die Sportler selbst gebaut, unterstützt durch benachbarte Landwirte oder regionale Betriebe. Der Ausbau soll in den nächsten Jahren fortgesetzt werden. Auf Initiative der tschechischen Segler ist der Stützpunkt an der Blauen Lagune seit etwa zwei Jahren in die Europaregion Neiße eingebunden.

Das neue Hafengebäude in Hagenwerder nimmt Gestalt an.
Der Strand unterhalb des Segelstützpunktes an der Blauen Lagune: Hier stechen die Boote in See. Bildrechte: Uwe Walter

Windstille an den Görlitzer Ufern

Görlitz schwächelt dagegen seit Jahren bei der Erschließung des Berzdorfer Sees. Investoren beispielsweise für Campingplätze und Restaurants konnten nicht gefunden werden. Mehrere Hafenmeister strichen in schneller Folge die Segel. Der Ausbau der Infrastruktur kam und kommt nur langsam in Schwung. Um die zahlreichen Probleme zu lösen, wurden kommunale Unternehmen mit der weiteren Entwicklung des Sees betraut. Für den Hafen ist nunmehr die "KommWohnen" zuständig, ein kommunales Wohnungsbauunternehmen. Doch "KommWohnen" sorgte bislang nur mit einem attraktiven Wohnprojekt am Hafen für Schlagzeilen.

Fallwinde aus dem Görlitzer Rathaus

Der Bürgermeister von Schönau-Berzdorf Christian Hänel hatte fünf Millionen Euro zusammengetragen, um die Infrastruktur am Berzdorfer Ufer auszubauen: für Medien, Parkplätze und Erschließung. Für seinen Bebauungsplan "BS 09-Blaue Lagune" benötigte er aber die Zustimmung von Görlitz. Zähneknischend mussten nicht nur die Wassersportler, sondern auch die Gemeinde Schönau-Berzdorf akzeptieren, dass die Stadt Görlitz dafür Bedingungen zugunsten ihres Hafens durchsetzte. Beispielsweise wurde eine Sondernutzung für den Segelstützpunkt befristet und die Zahl der Boote begrenzt.

Der Wind wird rauer

Die Befristung für den Segelstützpunkt läuft in etwa zwanzig Monaten ab. "Jetzt müssen wichtige Entscheidungen für die Zukunft getroffen werden", sagt Matthias Fiebig vom Wassersport der SV Schönau. Derzeit liegen sowohl die Stadt Görlitz, als auch die Segelsportler hart am Wind und steuern möglicherweise auf eine Kollision zu. Erst im Dezember soll der Görlitzer Oberbürgermeister Siegfried Deinege bei Gesprächen erneut einen Kurswechsel abgelehnt haben. "Nur wenn die Anliegergemeinden der Umbenennung des Berzdorfer Sees in Görlitzer See oder Meer zustimmen, wäre er zu einem Kompromiss bereit", soll Deinege gesagt haben. Das berichten übereinstimmend Anwesende (Namen sind der Red. bekannt). Die Stadt will sich dazu demnächst äußern.

Aufwinde an der Blauen Lagune

Die Wassersportfreunde von der "Blauen Lagune" haben sich jetzt an den Sächsischen Ministerpräsidenten Michael Kretschmer gewandt, um das Ruder noch herumreißen zu können. Auch der Gemeinderat von Schönau-Berzdorf hat unterdessen Fahrt aufgenommen. Er beauftragte in dieser Woche seinen Bürgermeister Christian Hänel, mit der Stadt Görlitz die Vereinbarung zum Bebauungsplan "BS 09-Blaue Lagune" nachzubessern. Es droht sonst die Rückzahlung von Fördermitteln.

Zwei Vereinschef besprechen ein Schreiben unter einer Schutzhütte im Segelstützpunkt.
Die Vereine wollen ihren Segelstützpunkt retten. Die Vorstände Matthias Fiebig und Manfred Dahms besprechen die Vorgehensweise. Bildrechte: Uwe Walter

Mit dem Abschluss der Finanzierungsvereinbarung mit der LMBV vom 30.01.2017 zu der Erschließung für das Gelände des Segelstützpunktes verpflichtete sich die Gemeinde zur Nachnutzung als Vereinssegelstützpunkt für zehn Jahre ab Nutzungsbeginn. Die Fertigstellung erfolgte per Abnahme am 11.01.2018. Damit ist eine Nachnutzung als Vereinssegelstützpunkt bis zum 10.01.2028 zu gewährleisten.

Gemeinde Schönau-Berzdorf Anschreiben an Görlitzer Oberbürgermeister

"Das Anschreiben der Gemeinde Schönau-Berzdorf wird derzeit noch geprüft", hieß es aus dem Görlitzer Rathaus. Bleibt Görlitz langfristig hart, müssten sich die Vereinsmitglieder aus der Blauen Lagune Liegeplätze im Hafen kaufen. Wie teuer die sein werden, ist unklar. Eine Vereinsarbeit wie bisher sei dann nicht mehr möglich, sagt Manfred Dahms. "Ein Hafen kann das nicht leisten, denn er muss unter kommerziellen Gesichtspunkten betrieben werden".

Boote liegen an einem Steg
Die kommunale Betreibergesellschaft der Stadt Görlitz vermietet die Liegeplätze im Hafen. Die Seglerboote von der Blauen Lagune würden die Bilanz deutlich verbessern. Bildrechte: Uwe Walter

Der Wind dreht sich gegen das Görlitzer Rathaus

Sachsenweit wird die Arbeit der drei Vereine mit Kindern und Jugendlichen anerkannt. Sie wurde bereits ausgezeichnet. Zudem haben sich die Wassersportler an der Blauen Lagune auch international einen guten Ruf erworben. Sie richten ihre Wettkämpfe trinational aus. Auch deshalb muss das Görlitzer Rathaus mit einer steifen Brise oder sogar mit Gegenwind rechnen.

Quelle: MDR/uwa

Dieses Thema im Programm bei MDR SACHSEN MDR Das Sachsenradio | 25.01.2019 | Regionalnachrichten ab 14:30 Uhr

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Zuletzt aktualisiert: 27. Januar 2019, 15:13 Uhr

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6 Kommentare

28.01.2019 20:11 Steffen H 6

Der See wurde nach vielen Jahren Raubbau an der Natur den Menschen zurück gegeben (und ich hoffe, Michael Du liest das hier auch mal) ... den Menschen, das sind in erster Linie eben auch Vereine und ganz sicher nicht die unfähigen Bonzen der Stadt Görlitz, die den See kommerzialisieren wollen, nur um Geld aufzutreiben um damit die eigene Unfähigkeit bei der Entwicklung der Region zu kaschieren. Das sich die Stadt Görlitz am See die Planungshoheit ertrotzt hat, ist das dümmste was unserem schönen See je passieren konnte. Bestes Beispiel ist das Hafengebäude, was keinen Nutzer findet und bisher unter großen Defiziten von der KommWohnen selbst betrieben wird. Kein Wunder das Zahlemänner gebraucht werden, für den ganzen Unfug, der die vergangenen Jahre so verzapft wurde. In Görlitz würde ich lieber nicht in einen Verein gehen, der Tritt kommt ganz gewiss.

28.01.2019 10:48 Frank H 5

... wer ein Zaun auf eine Mauer der Slip - Anlage des Hafens in Tauchritz baut, bauen lässt oder dazu die Genehmigung gibt ist wohl weit - ziemlich weit - weg vom Wasser-sport!!!
- aber derzeit "die super kluge Köpfe" im Rathaus von Görlitz wissen ja wie es geht und haben ja auch eine qualifizierte Beauftragte für den See, welche sich bei Ihrem Amtsantritt über einen "geschlossenen" Rundweg freut und den für sich einnimmt ...
- der Ruf nach einer umgehenden Veränderung und einer klaren Linie ist geboten und darum erhebt Euch Wassersportfreunde - egal welcher Sparte, ob Angler, Taucher, Segler oder ... oder...
- wählt in diesem Jahr richtig, damit endlich der "Sumpf" trocken gelegt werden kann!

28.01.2019 08:48 altrocker 4

es geht um geld und macht der stadt görlitz und nicht um die region. so lange görlitz kraft ihrer wassersuppe mit macht spielt wird sich nix ändern.

28.01.2019 08:22 Stadtfreund 3

Der Streit ist ein Spiegelbild dessen was in Mitteldeutschland seit der Wende falsch läuft. Investiert wird nur in physische Infrastruktur, sprich Beton, alles andere hat sich dem unterzuordnen. Für Kultur, Vereine, Bildung und alle anderen Strukturen die das zwischenmenschliche Zusammenleben fördern sind weder Sinn noch Geld vorhanden. Mit dem Kohleausstieg geht es genau so weiter. Neue Straßen sind wohl das letzte was die Lausitz braucht. Dort sollte man auch nach dem Grund für Unzufriedenheit, AfD-Zulauf usw. suchen, denn neuer Beton allein macht auch nicht glücklich.

28.01.2019 07:02 Andreas Heidrich 2

In Görlitz sitzen seit Jahren die falschen Leute "am Ruder". Es wird höchste Zeit für eine "Kehrtwende".

27.01.2019 14:42 wuschel 1

Ein jeder hat die Wahl bei der Wahl.

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