Bilanz Journalisten und Polizisten bei Rechtsrockkonzert in Ostritz angegriffen

Nach drei Einsatztagen in Ostritz zieht die Polizei eine gemischte Bilanz. Während das Friedensfest ruhig verlaufen ist, haben die Polizisten beim Rechtsrockkonzert am Sonnabendabend eingreifen müssen.

Eine für den Sonnabend angemeldete rechtsmotivierte Versammlung auf einem privaten Grundstück in Ostritz war der Grund, warum die Kleinstadt am Wochenende bereits zum dritten Mal ein Friedensfest feierte. Mit etwa 300 Beamten sicherten die Polizeidirektion Görlitz und die Bereitschaftspolizei Sachsen Fest und Versammlung ab. "Die verschiedenen Darbietungen beim Friedensfest verliefen störungsfrei", bilanziert Polizeisprecher Thomas Knaup.

Verbotene Symbole gefunden

Drittes Friedensfest Ostritz
Stichprobenartig kontrollierten Polizisten die Fahrzeuge von Besuchern des Rechtsrockkonzertes, bevor sie auf das Versammlungsgelände fuhren. Bildrechte: MDR/Rica Sturm

Weniger ruhig ging es dagegen im Umfeld des Rechtsrockkonzertes zu. Schon als am Nachmittag die ersten Teilnehmer anreisten, fanden Polizisten bei stichprobenartigen Kontrollen verbotene Gegenstände und verfassungsfeindliche Symbole. Da das Konzert als Versammlung angemeldet war, musste der Veranstalter Medien den Zugang zum Versammlungszelt gewähren. Doch als am Abend Journalisten und Fotografen in Begleitung der Polizei das Bierzelt betraten, wurden sie und Polizisten von Konzertbesuchern angegriffen, mit vollen Bierbechern beworfen und einem Feuerlöscher besprüht. Polizei und Journalisten zogen sich daraufhin zurück.

Insgesamt leitete die Polizei rund um das Rechtsrockkonzert, zu dem mehrere Hundert Besucher kamen, sechs strafrechtliche Ermittlungsverfahren unter anderem wegen Sachbeschädigung, Volksverhetzung, Beleidigung sowie Verstößen gegen das Waffen- und Versammlungsgesetz ein, sagt  Polizeisprecher Thomas Knaup. Außerdem ermitteln Kriminalpolizei und Staatsschutz wegen des Verwendens verfassungsfeindlicher Symbole und Sieg-Heil-Rufen auf dem Versammlungsgelände.

Bildergalerie Friedensfest gegen Rechtsrockkonzert in Ostritz

Junge Leute vor einer Musikanlage
Mit Musik demonstrieren junge Leute gegen ein geplantes Rechtsrockkonzert auf dem Gelände des Hotels Neißeblick. Bildrechte: Lausitznews
Junge Leute vor einer Musikanlage
Mit Musik demonstrieren junge Leute gegen ein geplantes Rechtsrockkonzert auf dem Gelände des Hotels Neißeblick. Bildrechte: Lausitznews
Junge Leute protestieren mit Musik gegen ein Rechtsrockkonzert in Ostritz
Sie haben ihre Musikanlage am polnischen Ufer der Neiße aufgebaut und beschallen damit die Teilnehmer der rechten Szeneveranstaltung. Bildrechte: Lausitznews
Eine Gruppe junger Leute in Ostritz
Bereits zum dritten Mal veranstalten die Ostritzer ein Friedensfest gegen Rechts. Bildrechte: Lausitznews
Friedensfest in Ostritz
Der Marktplatz war am Nachmittag gut besucht. Bildrechte: xcitePRESS
Ein Musiker auf dem Friedensfest in Ostritz
Die Veranstalter haben ein buntes Programm auf die Beine gestellt. Bildrechte: Lausitznews
Drittes Friedensfest Ostritz
Vor allem viele junge Leute sind auf den Marktplatz gekommen, ... Bildrechte: MDR/Rica Sturm
Drittes Friedensfest Ostritz
... der sich am Nachmittag mehr und mehr füllte. Bildrechte: MDR/Rica Sturm
Auf einem Plakat ist zu lesen: "Das Fremde ist nur denen fremd, die nicht wissen wollen, woher sie selber kommen."
Veranstalter und Einwohner setzen sich für Toleranz und Demokratie ein. Bildrechte: xcitePRESS
Spülmittelflaschen mit der Aufschrift "Fit für Frieden,Toleranz und Weltoffenheit"
Auch Unternehmer beteiligen sich mit kreativen Ideen an dem Fest. Bildrechte: Lausitznews
Drittes Friedensfest Ostritz
Bildrechte: MDR/Rica Sturm
Ein buntes Bild mit der Aufschrift "Peace" auf dem Friedensfest in Ostritz
Bildrechte: Lausitznews
Drittes Friedensfest Ostritz
Bildrechte: MDR/Rica Sturm
Die Menschenkette auf dem Markt am späten Abend in Ostritz.
Am Abend reichen sich die Ostritzer und ihre Gäste in einer Menschenkette um den Marktplatz die Hände. Bildrechte: dpa
Veranstaltungszelt in Ostritz
Mit dem Friedensfest richten sich die Organisatoren gegen ein Rechtsrockkonzert, das am Abend dem Gelände des Hotels Neißeblick stattfinden soll. Bildrechte: Lausitznews
Zwei Männer auf dem Weg Richtung Hotel Neißeblick
Das Gelände des Hotels Neißeblick, das sich im Besitz eines Geschäftsmannes aus Hessen befindet, war 2018 wiederholt Schauplatz rechtsextremer Zusammenkünfte. Bildrechte: Lausitznews
Besucher auf dem Weg zu einem Rechtsrockkonzert in Ostritz
Seit dem Samstagnachmittag reisen Teilnehmer an. Bildrechte: Mitteldeutscher Rundfunk
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Das parallel ausgerichtete Ostritzer Friedensfest ging am Sonnabendabend mit einer Diskussion um Demokratie und einem Rockkonzert ruhig zu Ende. Mehr als 3.000 Besucher zählte der Veranstalter, das Internationale Begegnungszentrum (IBZ) in Ostritz, insgesamt an den drei Festtagen. IBZ-Leiter Michael Schlitt war überwältigt von der Resonanz: "Beeindruckend war wieder das Engagement der Ostritzer und der Menschen aus der Region, der Vereine, Verbände und der Kirche. Es war ein großes Zeichen von Zivilcourage."

Große Hilfsbereitschaft in Ostritz und der Region

Auch wenn viele Ostritzer das Friedensfest auf dem Markt gemieden haben, sei die Unterstützung der Einheimischen bei der Vorbereitung des Friedensfestes deutlich gestiegen, bilanziert Georg Salditt vom Organisationsteam. "Beim ersten Mal mussten wir noch viele Leute ansprechen, ob sie mitmachen würden. Mittlerweile ist es so, dass viele Leute direkt bei uns anfragen, wie können wir euch unterstützen." Es habe sich eine große Hilfsbereitschaft in Ostritz und darüber hinaus entwickelt.

Wir wollen keine Konkurrenzveranstaltung. Wir wollen klar machen, wir stehen hier in Ostritz zusammen, wir stehen für den Zusammenhalt, wir stehen für das Miteinander.

Michael Schlitt Veranstalter des Ostritzer Friedensfestes

Die nächste rechtsmotivierte Veranstaltung auf dem ehemaligen Hotel-Gelände in Ostritz ist bereits für den 21. bis 23. Juni im Landratsamt Görlitz angemeldet. Dann wird das IBZ jedoch kein Friedensfest veranstalten. Denn an diesem Juni-Wochenende feiert der Ostritzer Ballsportverein sein hundertjähriges Bestehen auf dem Marktplatz. "Wir werden daher auf ein Friedensfest verzichten und stattdessen die Fußballer bei ihrem Jubiläum unterstützen", sagt Michael Schlitt.

Quelle: MDR/ris

Dieses Thema im Programm bei MDR SACHSEN MDR SACHSEN - Das Sachsenradio | ab 21.03.2019 | ab 05:30 Uhr in den Regionalnachrichten aus dem Studio Bautzen

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Zuletzt aktualisiert: 24. März 2019, 17:26 Uhr

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121 Kommentare

26.03.2019 17:31 Eulenspiegel 121

Hallo der_Silvio 111
„Das sehe ich anders, es sei denn, jemand wird als Extremist geboren.
Neben der eigenen Persönlichkeit gehören auch gesellschaftliche Faktoren dazu, ob jemand Extremist wird oder eben nicht.“
Das ist sicher nicht verkehrt was sie schreiben. Nur bedenke sie es stimmt auch das:
Niemand wurde als Bankräuber, Mörder, Massenmörder, Raser u.s.w. geboren und die bösen Umstände spielen immer mit. Was soll dann die Konsequenz sein? Alle Gefängnisse öffnen und alle Gewalttaten und Gesetzesbrüche erdulden? Also das halte ich jedenfalls für falsch. Ich vertrete die Ansicht das jeder Mensch für sein Tun und Handeln voll und ganz verantwortlich ist. Vielleicht können sie mir mal ihren Denkansatz näher erläutern.

26.03.2019 17:19 DER Beobachter @ Silvio nochmal 120

Manche vermeintliche Zitate wie das über Özdemir (der mir im Übrigen nichts bedeutet) riechen so meilenweit gegen den Wind, dass ich mich schon manchmal frage - ich bitte um Entschuldigung - wer so dämlich ist, darauf reinzufliegen. Aber anscheinend funktioniert das Spiel immer besser. Wo sind wir hingekommen?

26.03.2019 17:05 DER Beobachter @ Silvio 119

Ihren Kommentar 104 fand ich gut und sehr vernünftig, meine uneingeschränkte Zustimmung. Ihr anderer Kommentar 111 etc. und die Reaktion der Mitleserschaft zeigt indessen das Problem der gegenwärtigen sagen wir Einordnungen, Selbstbekenntnisse etc. und der daran ausgerichteten medialen (Selbst-)Orientierung und des damit verbundenen Weltbildes. Fake-Zitate sind ein beliebtes Mittel, um auch sagen wir gemäßigte Rechte auf die weiter rechte Seite zu ziehen. Auf der "anderen" Seite sehe ich das (noch?) nicht so systematisch instrumentalisiert. Oder es prallt an mir ab... ;)

26.03.2019 16:24 Martin Vomberg 118

@ der_Silvio Nr. 111

"Das sehe ich anders, es sei denn, jemand wird als Extremist geboren.
Neben der eigenen Persönlichkeit gehören auch gesellschaftliche Faktoren dazu, ob jemand Extremist wird oder eben nicht."

Auch wieder sehr typisch dieses Argumentationsmuster! Jetzt sollen wieder die Gesellschaft bzw. die Politik allein verantwortlich sein bzw. als Rechtfertigungsgrund dafür erhalten. Damit begibt man sich der Verantwortung für das eigene Leben & Tun, wie überaus praktisch! Fast wie in der früheren DDR, wo man ja selber auch nur hilfloses 'Individuum' (Opfer) war und der Staat alles geregelt hat ('von der Wiege bis zur Bahre'). Sorry, aber das kann ich als Argument nicht gelten lassen. Wenn hierzulande sich jeder gleich radikalisieren würde, nur weil ihm gewisse Entscheidungen der Politik nicht passen, dann müssten wir ein Volk aus Extremisten und Amokläufern sein. Dem ist bekanntlich nicht so!

26.03.2019 16:00 Fakt 117

>>Werner Breuherr, #113:
"...da der Zugang zum Konzert ohne Eintrittskarte eigentlich nicht möglich war, ob Journalisten und Staatsgewalt solche Eintrittskarten überhaupt besaßen?"<<
--------
Sie haben doch sicher im Artikel gelesen, dass auf der als Versammlung angemeldeten Veranstaltung der Presse Zugang zu gewähren ist, oder? Und natürlich brauchen Pressevertreter und die Polizei in Ausübung ihrer Tätigkeiten keine Eintrittskarten.

26.03.2019 15:34 Fakt 116

>>der_Silvio, #111:
"" wir wollen, daß Deutschland islamisch wird"-Aussagen (Cem Özdemir (Bündnis90/Die Grünen auf eine Bemerkung von Susanne Zeller-Hirzel,"<<
--------
Dumm nur, dass man Özdemir dieses Zitat untergeschoben hat; er hat es nie gesagt.
Nachzulesen unter anderem auf der Internetseite "Der Westen", die Internetpräsenz der Tageszeitungen der Funke-Gruppe. Dort heißt es unter anderem:

>>Das Interview (mit Zeller-Hirzel) führte der Rechtspopulist Michael Stürzenberger, der auch als Blogger bei der Anti-islamischen Hetzseite "PI News" aktiv ist.
[..]
(Zudem) nahm die 2012 verstorbene Zeller-Hirzl in ihren letzten Lebensjahren zunehmend rechtspopulistische Positionen ein<<.

Ergo alles andere als seriöse Quellen.

26.03.2019 14:30 Martin Vomberg 115

@ der_Silvio Nr. 111
"Und was für mich außerdem nicht geht, sind "Deutschland verrecke"-Rufer!
Dann frage ich mich allerdings, warum Sie dann in Richtung des anderen politischen Extrems (rechts) nicht genauso konsequent sind? Aber, was machen Sie stattdessen? Sie jubeln einem in D geborenen Grünen-Politiker ein vermeintliches, nicht näher verbürgtes "Zitat" unter, das dieser so vermutlich nie gesagt hat und das uns lediglich durch eine einzige Person überliefert ist, die in ihren letzten Lebensjahren zunehmend rechtspopulistische Positionen vertreten hat! Als 'seriöse' und wertneutrale Quelle ist sie damit völlig untauglich! Sorry, aber angesichts Ihrer einseitigen Parteinahme für Rechts und die völlig unkritische und bedenkenlose Übernahme rechter Quellen und Verschwörungstheorien (D soll islamisch werden), habe ich erhebliche Zweifel an der Objektivität Ihres Urteils! Ihr jüngster Kommentar widerspricht eklatant Ihren Beteuerungen unter #104!

26.03.2019 14:02 Stefan Madaus 114

In Bezug auf das Nazi-Problem in Sachsen speziell und in Deutschland im Allgemeinen bezogen, nur von "Extremisten" zu sprechen, vernebelt die Tatsachen.
Man setzt so Links- und Rechtsradikale gleich; nicht umsonst vermeidet die Politikwissenschaft den Extremismusbegriff.
Linksradikale wollen eine klassenlose Gesellschaft ohne Hierarchien und Ausbeutun, in der alle Menschen die gleichen Rechte haben. Rechtsradikale wollen eine autoritären, die Klassen- und Besitzverhältnisse nicht antastenden Gesellschaftswandel, an dessen Ende die Unterdrückung (und in letzter Konsequenz Vernichtun!) einzelner gesellschaftlicher Gruppen steht. Das lässt sich nicht beides in einen Topf werfen und wird auch nur getan, um jeden Wunsch nach Wandel und der Abkehr vom real existierenden Asozialismus (Kapitalismus) zu deligitimieren.
Sicher KANN linksradikale Ideologie zu Unrecht und Gewalt führen, rechtsradikale Ideologie MUSS es.

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26.03.2019 13:44 Werner Breuherr 113

Interessant wäre, da der Zugang zum Konzert ohne Eintrittskarte eigentlich nicht möglich war, ob Journalisten und Staatsgewalt solche Eintrittskarten überhaupt besaßen??? Wenn nicht, wäre der Unmut einiger Besucher (die mit Sicherheit alkoholisiert waren), mehr als gerechtfertigt. Wenn denn doch solche Eintrittskarten von Besagten erworben wurden, sollte das Geld selbstverständlich eingeklagt werden.

26.03.2019 13:04 winfried zu (107)Pille 112

Ich teile die Bevölkerung, und sehe darin keinen Wederspruch zu (106), in 3 "Gruppen" ein.
"An den Rändern" sind die politisch ideologisch bzw. religiös "Gefestigten" und in "der Mitte" Die dazwischen. Dabei sind die Grenzen fließend.
Mit Den "an den Rändern" braucht man nicht zu diskutieren, pure Zeitverschwendung, "die Mitte" gilt es zu gewinnen um eigene Interessen durchzusetzen.
Bevor Sie danach fragen, ich verorte mich aktuell "rechts der Mitte".
Diese "Ortsbestimmung" ist vom Zeitgeist abhängig, in jedem Fall ... subjektiv.

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Im Foto (v.l.n.r.): Jutta Müller (Produzentin Molina Film), Yvonne Catterfeld (Rolle Viola Delbrück), Götz Schubert (Rolle Burkhard "Butsch" Schulz), Francis Meletzky (Regie), Adrian Paul (Redaktion MDR)
Im Foto (v.l.n.r.): Jutta Müller (Produzentin Molina Film), Yvonne Catterfeld (Rolle Viola Delbrück), Götz Schubert (Rolle Burkhard "Butsch" Schulz), Francis Meletzky (Regie), Adrian Paul (Redaktion MDR) Bildrechte: MDR/ Steffen Junghans

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