07.02.2020 | 20:53 Uhr Binnenfischer fischen nach frischen Ideen!

Die Lausitz ist seit Jahrhunderten das Land der tausend Teiche und damit traditionell das Reich der Binnenfischer. Doch die Zukunft der Teichwirte ist gefährdet, durch Trockenheit. Zudem haben sie Absatzprobleme. Deshalb suchen die Binnenfischer gemeinsam nach Auswegen und nach frischen Ideen.

Karpfen im Kescher
Bildrechte: MDR/Uwe Walter

Seit 750 Jahren werden in der Oberlausitz Teiche bewirtschaftet und Fische gezüchtet. Doch die Bedingungen werden nach mehreren niederschlagsarmen Jahren immer schwieriger. Die Sommer waren so trocken, dass das Wasser zu knapp oder zu warm wurde und notabgefischt werden musste. Auch die nahe gelegene Schwarze Elster versagte als Wasserspeicher - so wie viele andere Flüsse und Bachläufe. Besserung ist nicht in Sicht. Beim Forellenzüchter Gunther Ermisch in Langburkersdorf sind fünf von sieben Quellen derzeit versiegt.

Absatzprobleme und trockene Tümpel - Teichwirten steht Wasser bis zum Hals

Welche Potenziale hat der Lausitzer Fisch für und in der Zukunft? Mit diesen Fragen wollen sich die Teichwirte aus der Oberlausitz in den nächsten Wochen und Monaten beschäftigen. Zur Auftaktveranstaltung der Marketinggesellschaft Oberlausitz-Niederschlesien (MGO) kamen am Freitag nicht nur einige wenige Kommunalpolitiker, Werbefachleute und Touristiker, sondern auch mehr als 70 Teichwirte aus der Region.

Fischgipfel in Königswartha - Konferenz
Auf dem "Fischgipfel" in Königswartha suchen Teichwirte nach neuen Ideen für ihre Produkte. Bildrechte: MDR/Uwe Walter

Einigen von ihnen steht das Wasser bis zum Hals, obwohl in den Teichen das begehrte Nass fehlt. In nur wenigen Minuten kamen mehr als 50 Themen zusammen, über die die Teichwirte bei einem Ideenworkshop Ende Februar diskutieren wollen. Dabei regte Armin Kittner aus Neupetershain an, über Grenzen hinweg zu denken.

Um den Fisch an den Mann oder die Frau zu bringen, dazu brauchen wir eine breit aufgestellte Kämpferfront. Egal ob für Lausitzer Fischwochen oder sonst was. Teichwirte, Gaststätten, Hotels, aber auch Tourismusanbieter, alle müssen mitmachen! Und nicht nur in der sächsischen Lausitz sondern auch in der brandenburgischen Lausitz.

Armin Kittner Teichwirt

Die "Lausitzer Fischwochen" wurden vor 18 Jahren ins Leben gerufen, um in rund 35 Gaststätten, Teichwirtschaften und Geschäften für die Produkte aus heimischen Teichen zu werben. Doch im vergangenen Jahr wackelte die Finanzierung. Das Aus der "Lausitzer Fischwochen" konnte in letzter Minute abgewendet werden.

Heimischer Fisch statt Seefisch

Görlitzer Landrat Bernd Lange
Landrat Bernd Lange will einheimischen Fisch statt Seefisch auf den Tisch! Bildrechte: MDR/Uwe Walter

Der Görlitzer Landrat Bernd Lange betont beim Fischgipfel in Königswartha zwei Aspekte: Der Karpfen sei ein regionales und gesundes Produkt, deshalb müsse dessen Image weiter verbessert werden. Außerdem gebe es das Problem mit der Überfischung der Meere. Es sollte also künftig gelten: "Heimischer Fisch statt Seefisch!" Doch gerade der Nachwuchs kennt nur noch Fischstäbchen, kann sich kaum für eine geräucherte Forelle erwärmen. Die Binnenfischer benötigen auch deshalb dringend neue Produkte, um im Geschäft zu bleiben.

Erfolgreich in Berlin: Flammpanga und Pulled Karp

Auf der Grünen Woche in Berlin hatten zwei Binnenfischer aus der Oberlausitz für Aufsehen gesorgt. Vor dem Stand des Landesfischereiverbandes auf der weltgrößten Ernährungsmesse bildeten sich immer wieder lange Schlangen. In der Küche hatten Karl Dominick aus Kirschau und Gunther Ermisch aus Langburkersdorf lange getüftelt. Dann begeisterte der Flammpanga und der Pulled Karp die Besucher auf der Grünen Woche.

Neues Produkt: Pulled Karp
Der Renner auf der Grünen Woche in Berlin: Pulled Karp! Bildrechte: Ute Lindner/SMEKUL

Dahinter verbergen sich geräucherte Filets vom Pangasius und Karpfen als eine Art Döner oder Burger in einem gerösteten Brot. Zwischendurch waren die Oberlausitzer Spezialitäten in Berlin sogar ausverkauft. Ob die Erfolgsgeschichte von Flammpanga und Pulled Karp weitergeht, ist derzeit noch unklar.

Jetzt brauchen wir den Verband und andere Partner, die uns bei der weiteren Vermarktung unterstützen. Allein können wir das einfach nicht stemmen.

Gunther Ermisch Teichwirt und Produktentwickler

Die Teichwirte sind vielfach im Alltag gefangen, damit ihre Betriebe überleben. "Mitarbeiter wollen bezahlt werden, da kann ich mir Extravaganzen nicht leisten", sagt ein Teichwirt, der nicht genannt werden will. "Zur Trockenheit kommen noch die Fischräuber dazu, vom Otter über den Kormoran bis zum Reiher!" Aufgrund der Trockenheit sanken die Wasserpegel in den Teichen. Die Gewässer verlandeten, wurden kleiner. Das hatte Folgen für die Fische: Weniger Platz, weniger Fluchtmöglichkeiten und weniger Sauerstoff. Tierische Räuber wurden fett, Teichwirte mussten ihre Riemen enger schnallen.

Zwischen Tradition und Moderne: Oberlausitzer Teichwirte!

Grafik zum Lausitzer Fisch
Der Lausitzer Fisch als Marke stand im Mittelpunkt des Fischgipfels in Königswartha. Bildrechte: MDR/Uwe Walter
Grafik zum Lausitzer Fisch
Der Lausitzer Fisch als Marke stand im Mittelpunkt des Fischgipfels in Königswartha. Bildrechte: MDR/Uwe Walter
Görlitzer Landrat Bernd Lange
Der Görlitzer Landrat Bernd Lange sprach sich für die Fortführung der Lausitzer Fischwochen aus und forderte dafür auch neue Ideen. Bildrechte: MDR/Uwe Walter
Geplantes Autobahnschild
Autobahnschilder an der A4 bei Burkau sollen künftig für die Region werben. Bildrechte: MDR/Uwe Walter
Rückenansicht einer Teilnehmerin
Der Karpfen hat es derzeit schwer in der Oberlausitz: Wenig Wasser, viele Fressfeinde und hohe Wassertemperaturen mit wenig Sauerstoff. Der Karpfen Kurt hat viele Abenteuer zu bestehen. Bildrechte: MDR/Uwe Walter
Karpfen im Kescher
Kein Prachtkarpfen, obwohl er das Alter hat. Ihm fehlt aufgrund der schlechten Bedingungen das Gewicht. Bildrechte: MDR/Uwe Walter
Aufgehängte Fischernetze
Die Binnenfischer hoffen, dass ihnen in Königswartha in den nächsten Wochen frische Ideen ins Netz gehen. Sie wollen ihre Produkte besser vermarkten. Ende Februar gibt es einen Ideenworkshop. Bildrechte: MDR/Uwe Walter
Onlinebefragung der Teilnehmer mittels Smartphone
Mithilfe einer Onlinebefragung können sich Teichwirte aktiv an der Ideensuche beteiligen. Bildrechte: MDR/Uwe Walter
Teichwirt mit Karpfen im Kescher
Teichwirt Karsten Ringpfeil hat aufgrund der Niederschlagsarmut Sorgenfalten auf der Stirn. Ihm fehlt möglicherweise Wasser, um alle seine Teiche ausreichend befüllen zu können. Bei einem Forellenzüchter bei Langburkersdorf sind fünf von sieben Quellen versiegt. Bildrechte: MDR/Uwe Walter
Lüfter für Sauerstoffzufuhr in Teichen
Bei den heißen und trockenen Sommern leiden die Fische unter Sauerstoffmangel. Diese Lüfter sollen helfen. Bildrechte: MDR/Uwe Walter
Verkäuferin im Hofladen
Spezalitäten aus Oberlausitzer Teichen sollen künftig nicht nur im Hofladen angeboten werden, sondern auch in Großstädten. Doch wie das zu realisieren ist? Nach der Antwort suchen die Teichwirte und hoffen auf eine gemeinsame Lösung. Bildrechte: MDR/Uwe Walter
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Heiße Brühe ohne Alternativen

In den Fischteichen steigt die Wassertemperatur an heißen Sommertagen auf bis zu 30 Grad Celsius. Doch tropische Fische statt der einheimischen Fischarten auszusetzen ist nicht möglich. "Vielfach befinden sich die Teiche in Naturschutzgebieten, wie dem Biosphärenreservat Oberlausitzer Heide- und Teichlandschaft, zum anderen könnten wir damit unbekannte Krankheiten und Erreger einschleppen, sagt Karsten Ringpfeil von der Fischzucht Wartha. "Selbst für die Aufzucht des Stoers ist eine Sondergenehmigung notwendig".

Frischer Fisch wieder in die Läden und auf den Tisch

"Gemeinsam müsste man versuchen, in den Großstädten mehr zu verkaufen", meint der Westlausitzer und erwähnt die einstigen Fischgeschäfte in der DDR. Fast in jeder Kreisstadt gab es damals so ein Geschäft. Dort konnte der Kunde seinen einheimischen Fisch lebend kaufen. Einige Teichwirte aus der Region füllen diese Lücke, indem sie mit Behältern voller Karpfen, Schleie und Stoere auf Obst- und Gemüsemärkten unterwegs sind.

Verkäuferin im Hofladen
Anna Förster bietet im Hofladen in Wartha Fischspezialitäten aus heimischen Teichen an. Bildrechte: MDR/Uwe Walter

"Neue Wege für Neue Ideen" heißt das Projekt der Marketinggesellschaft, um den "Lausitzer Fisch" zu stärken. Beim "Kick-off" am Freitag in Königswartha gaben sich die meisten Akteure optimistisch und setzen auf den Ideenworkshop Ende Februar.

Quelle: MDR/uwa

Dieses Thema im Programm bei MDR SACHSEN MDR SACHSENSPIEGEL | 08.02.2020 | 19:00 Uhr

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