Im Gegenlicht und vor wolkenverhangenem Himmel ist eine Kirchturmspitze mit Kreuz zu sehen.
Das Bistum Dresden will sich am Dienstag zur Studie äußern. Eine Stellungnahme aus Görlitz wird am Mittwoch erwartet. Bildrechte: dpa

Fasten gegen die Sünde Bischof von Görlitz bittet Missbrauchsopfer der Katholischen Kirche um Vergebung

Jahrzehntelang gab es in der katholischen Kirche Missbrauchsfälle. An die Öffentlichkeit gelangten sie erst später. Eine Studie soll nun Aufklärung bringen. Der Görlitzer Bischof reagiert mit einer besonderen Aktion.

Im Gegenlicht und vor wolkenverhangenem Himmel ist eine Kirchturmspitze mit Kreuz zu sehen.
Das Bistum Dresden will sich am Dienstag zur Studie äußern. Eine Stellungnahme aus Görlitz wird am Mittwoch erwartet. Bildrechte: dpa

Der Görlitzer Bischof Wolfgang Ipolt hat angesichts der Missbrauchsfälle in der katholischen Kirche um Vergebung gebeten. Am Sonntag ließ er in allen Gottesdiensten des Bistums Görlitz verkünden, am 5. Oktober mit einem Tag des Fastens seine "Solidarität mit den Opfern ausdrücken" zu wollen. "Dies soll ein Zeichen der Sühne für die Sünden der Mitarbeiter der Kirche sein", erklärte Ipolt.

Studie als Aufarbeitung der Missbrauchsfälle

Anlass der Aktion ist laut Ipolt die bundesweite Studie über sexuellen Missbrauch an Minderjährigen durch Geistliche, die am kommenden Dienstag in Fulda vorgestellt werden soll. Die von der Deutschen Bischofskonferenz in Auftrag gegebene Studie will über den sexuellen Missbrauch in deutschen Diözesen von 1945 bis 2014 informieren. Nach bisher bekannt gewordenen Ergebnissen kommen die Autoren zu dem Schluss, dass Missbrauch über Jahrzehnte hinweg weit verbreitet war, teilweise vertuscht wurde und immer noch vorkommt.

Katholiken in Sachsen
Jahr Katholische Kirchenmitglieder
2016 152.368
2015 151.100
2005 155.568
2000 192.587
1995 189.449
   
Quelle: Statistisches Landesamt des Freistaates Sachsen, September 2017  

"Himmelschreiende Sünde"

Die Fakten der Studie dürften "weder entschuldigt noch beschönigt werden", betonte Ipolt.

Wenn Priester, Ordensleute und pastorale Mitarbeiter, die im Dienst des Evangeliums stehen, das Vertrauen, das ihnen Menschen entgegenbringen, auf grobe Weise missbrauchen, ist das eine himmelschreiende Sünde.

Bischof Wolfgang Ipolt

Ipolt kritisierte auch, "dass die Opfer solchen Missbrauchs oft nicht gehört würden oder man ihnen nicht geglaubt hat". Die Studie belege, dass die Institution Kirche in der Vergangenheit mehr geschützt werden sollte als die Menschen, die missbraucht wurden.

Wolfgang Ipolt, 2011
Der Görlitzer Bischof Wolfgang Ipolt will mit einem Tag des Fastens seine Solidarität mit den Opfern sexueller Gewalt ausdrücken. Bildrechte: dpa

Kein Generalvedacht

Ipolt versicherte den Kirchenmitgliedern, dass künftig Fälle von sexuellem Missbrauch "konsequent entsprechend den staatlichen und kirchlichen Gesetzen geahndet werden". Zudem unternehme das Bistum bei der Prävention von sexuellem Missbrauch bereits viel und werde sich weiter in dem Bereich engagieren. Ipolt betonte auch, "dass die meisten Priester und pastoralen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in der Kirche in Deutschland ihren Dienst in Treue und Wahrhaftigkeit tun". Er wandte sich dagegen, "jeden Mitarbeiter Verdächtigungen oder Vorverurteilungen auszusetzen".

Bislang bekannte Vorfälle in Sachsen 2010 geriet das Kloster Wechselburg in die Schlagzeilen. Damals wurden drei Benediktinermöche ausgeschlossen, weil Missbrauchsvorwürfe aus ihrer Tätigkeit an der Schule des Klosters Ettal gegen sie erhoben wurden. 2016 wurde ein Beschuldigter zu sieben Jahren Haft verurteilt. Aus ihrer Tätigkeit im Bistum Dresden-Meißen lagen keine Vorwürfe vor.

Das Bistum Dresden-Meißen meldete 2010 mehrere mögliche Missbrauchsfälle bekannt. Zwei Opfer traten persönlich an den Bischof heran. Ein 1971 verstorbener Pfarrer soll sich demnach an Mädchen vergangen haben. In zwei weiteren Fällen aus den 70er und frühen 80er Jahren erfolgte laut Bistum eine Aufarbeitung nach den Richtlinien der Kirche sowie die Übergabe an die Staatsanwaltschaft.

Auch in Riesa wurden 2010 Vorwürfe gegen einen ehemaligen Kaplan laut. In den 80er-Jahren soll er Minderjährige sexuell missbraucht haben. Der Priester wurde nach Bekanntwerden der Vorwürfe von seinen Aufgaben als Pfarrer in der Pfarrseelsorge entbunden. Strafrechtliche Ermittlungen hatte die Staatsanwaltschaft wegen Verjährung nicht aufgenommen.

2010 gab es in Leipzig dem Bistum Dresden-Meißen zufolge ein arbeitsgerichtliches Verfahren gegen einen Lehrer einer katholischen Schule. Er ist kein Priester ist und wegen sexueller Belästigung fristlos entlassen wurde. Die Staatsanwaltschaft hatte das Ermittlungsverfahren wegen sexuellen Missbrauchs eingestellt.

Ebenfalls 2010 wurden Vorwürfe gegen den Leiter des Caritas-Kinder- und Jugenddorf in Markkleeberg bekannt. Er soll in den 70er-Jahren als Pädagoge in einem katholischen Schulwohnheim im Bistum Fulda (Hessen) Kinder sexuell missbraucht haben.

Quelle: MDR/mar/KNA/dpa

Dieses Thema im Programm bei MDR SACHSEN MDR SACHSENSPIEGEL | 23.09.2018 | 19:00 Uhr

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Zuletzt aktualisiert: 25. September 2018, 16:42 Uhr

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4 Kommentare

26.09.2018 20:56 Oskar Mielke 4

Ich komme aus dem Bistum Görlitz und bin dort auch ehrenamtlich arrangiert. Ich bin selbst noch Jugendlicher und habe mir diese Studie durchgelesen und bin dazu gekommen mich vor erst vom Ehrenamt zurück zuziehen, aber ich kann es mir wenig vorstellen das seid dem ich da tätig bin was vorgefallen wäre da ich für die jüngeren Kinder zuständig bin auf Fahrten wenn die Probleme haben sprechen die Kinder mich an.

24.09.2018 17:21 Sachse 3

Super "Tag des Fasten", damit sind die Täter in der kath. Kirche reingewaschen und die viele
Missbrauchsopfer gesünd, fast noch besser als die Beichte.

24.09.2018 15:21 Matthias Voigt 2

Typisch: sich gegen Anschuldigungen oder Behauptungen aus Gründen der Ablenkung verwarnen, die niemand aufgestellt hat. Und ob der Freund der Kinder nun einen Tag fastet oder Gänseblümchen pflückt: Geschenkt!

23.09.2018 21:49 Andreas Kielmann 1

Herr Ipolt ist einer der Menschen, die aus dem tausendfachen Missbrauch von Kindern durch Priester der katholischen Kirche nichts gelernt haben.

Auf seiner Reise mit sächsischen Ministranten nach Rom erzählte er ihnen laut Homepage des Bistums vom Heiligen Tarzisius: "Einmal wollten sie ihm die Eucharistie entreißen. Er wusste, dass es sich hier um das Allerheiligste handelte und erlitt lieber den Tod von seinen Freunden, als die Eucharistie herzugeben."

Das ist die Basis auf dem Missbrauch gedeiht und Kinder die falsche Info erhalten, daß es besser ist Unrecht zu ertragen ohne sich zu wehren. Gott sei beschützenswerter als das eigene Leben. Und natürlich sind wieder die Anderen Schuld.

Ob Herr Ipolt was isst oder nicht ist schnurz und es tut auch nichts zur Sache. Die katholische Kirche sollte als Täterorganisation endlich den Opfern eine angemessene Entschädigung bieten und ihnen mehr als den entsprechenden Preis in einem Bordell bezahlen.

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