Brandwächter Karl Michelka am Peilgerät
Brandwächter Karl Michelka hat die Umgebung um seinen Wachturm genau im Blick. Dabei hilft ihm auch ein Peilgerät. Bildrechte: MDR/Uwe Walter

Das Feuer im Visier Auf dem Feuerwachturm in Schleife

Waldbrände haben in der Oberlausitz schon großen Schaden angerichtet. Erinnert sei an die Feuerkatastrophe von 1992 bei Weißwasser: 1.600 Hektar Wald standen damals in Flammen. Um einen Waldbrand frühzeitig zu erkennen, überwachen 17 automatischen Kamerasysteme von Feuerwachtürmen aus die Wälder. Mit einer Ausnahme: Auf dem 30 Meter hohen Feuerwachturm in Schleife behält ein Mensch den Überblick über sein Revier.

Brandwächter Karl Michelka am Peilgerät
Brandwächter Karl Michelka hat die Umgebung um seinen Wachturm genau im Blick. Dabei hilft ihm auch ein Peilgerät. Bildrechte: MDR/Uwe Walter

Der Rundblick aus dem Feuerwachturm in Schleife ist fantastisch und jedes Mal gerät Holger Neef, Revierförster von Weißwasser, ins Schwärmen: "Bei Fernsicht kann man sogar die 150 Kilometer entfernte Schneekoppe sehen, das Lausitzer Bergland und da ist das Kraftwerk Boxberg und dort das Kraftwerk Schwarze Pumpe." Doch nicht nur die Rauchsäulen der Kraftwerke sind deutlich am Horizont zu erkennen, sondern auch die scheinbar endlosen Kiefernwälder an der Grenze zu Brandenburg. Der Revierförster ist die 112 Stufen auf steilen Stiegen zu seinem Brandwächter Karl Michelka hinauf gestiegen. Der 69 Jahre alte Rentner hat das Revier voll im Blick und er ist gerne dem Himmel so nahe.

Ich mag nicht allein zu Hause sitzen und ich will gerne helfen. Deshalb bin ich hier oben als Brandwächter. Ein, zwei Jahre will ich das noch machen.

Karl Michelka Brandwächter

Früh am Morgen klettert der wortkarge Oberlausitzer in die Höhe. "Wenn es gut läuft, schaffe ich es in zehn Minuten, sonst dauert es etwas länger", lächelt der Rentner und kneift verschmitzt ein Auge zu. Er redet nicht gerne und überlässt das Erklären gerne seinem Förster. Drei wichtige Arbeitsgeräte gibt es auf dem Feuerwachturm, meint Holger Neef: "Das Fernrohr, das Peilgerät und das Telefon!"

Vogelschwarm, Staub oder Waldbrand?

Feuerwachturm von untern
30 Meter hoch ist der Feuerwachturm. Bildrechte: MDR/Uwe Walter

Unterdessen hat der Brandwächter eine verdächtige Rauchwolke im Visier: Weißer Rauch in Richtung Weißwasser - möglicherweise an der Straße zwischen Schleife und Halbendorf. Und dann folgen Zahlen. Karl Michelka informiert die Leitstelle in Hoyerswerda. Nun werden mindestens zwei Kameras auf das Gebiet gerichtet und anhand der Gradzahlen kann der mögliche Brandherd sehr genau lokalisiert werden.

Nach einer kurzen Rücksprache mit der Leitstelle in Hoyerswerda ist klar: Kein Feuer! Vielmehr haben Landmaschinen aufgrund der Trockenheit eine Staubwolke aufgewirbelt. Im Umkreis von etwa zehn Kilometern könne man ein Feuer identifizieren, erklärt Karl Michelka und wischt sich den Schweiß von der Stirn. Ein wenig Erfahrung gehöre auch dazu. Manchmal gleicht ein Vogelschwarm einer Rauchwolke.

50 Grad und mehr im Wachturm

Hochsommerliche Temperaturen draußen haben extreme Temperaturen im Wachturm zur Folge. In dem 40 Jahre alten Betonturm klettert die Quecksilbersäule auch schon mal auf über 50 Grad. Da helfen auch die offenen Fenster nicht. Auch aufgrund der extremen Arbeitsbedingungen wurden die Brandwächter auf den Türmen schrittweise durch Kamerasysteme ersetzt. Doch in Schleife war das bislang aufgrund der topografischen Verhältnisse nicht möglich.

Wir sind hier im Muskauer Faltenbogen und Schleife liegt in einer Senke. Die automatischen Kameras konnten beispielsweise nicht über den Trebendorfer Höhenzug blicken. Auch eine Verbindung nach Brandenburg war nicht möglich. Deshalb konnte der Brandwächter nicht durch ein Kamerasystem ersetzt werden.

Holger Neef Revierförster Weißwasser

Dem Himmel ganz nah - Der Feuerwachturm Schleife

Rinder grasen auf einer Weide vor einem Feuerwachturm
Die Rinder grasen vor dem Feuerwachturm in Schleife. Dort oben wacht ein Brandmelder über das Revier. Bildrechte: MDR/Uwe Walter
Rinder grasen auf einer Weide vor einem Feuerwachturm
Die Rinder grasen vor dem Feuerwachturm in Schleife. Dort oben wacht ein Brandmelder über das Revier. Bildrechte: MDR/Uwe Walter
Forstrevierleiter Holger Neef prüft den Waldboden
Forstrevierleiter Holger Neef prüft den Waldboden. Er ist staubtrocken. Höchste Waldbrandgefahr! Bildrechte: MDR/Uwe Walter
Stufen im Inneren eines Feuerwachturms
112 Stufen auf steilen Stiegen sind zu erklimmen, um auf den Feuerwachturm zu gelangen. Der Aufstieg dauert zwischen fünf und zehn Minuten. Bildrechte: MDR/Uwe Walter
Wald
Lausitzer Wälder, dazwischen die Grenze zu Brandenburg. Diese Wälder werden vom Feuerwachturm überwacht. Bildrechte: MDR/Uwe Walter
Forstrevierleiter Holger Neef schaut auf dem Feuerwachturm durch das Fernglas
Forstrevierleiter Holger Neef schaut auf dem Feuerwachturm nach einer verdächtigen Rauchwolke. Bildrechte: MDR/Uwe Walter
Brandwächter Karl Michelka am Peilgerät
Brandwächter Karl Michelka visiert mithilfe des Peilgeräts den verdächtigen Qualm an. Bildrechte: MDR/Uwe Walter
Brandwächter Karl Michelka telefoniert
Dann gibt der Brandwächter Karl Michelka seine Peilung an die Leitstelle weiter. Dort wird dann die mögliche Brandstelle ermittelt. Bildrechte: MDR/Uwe Walter
Peilgerät
Seit 40 Jahren im Dienst. Das perfekt eingenordete Peilgerät mit Kimme und Korn. Bildrechte: MDR/Uwe Walter
Schreibtisch auf einem Feuerwachturm
Der Arbeitsplatz eines Brandwächters in 30 Meter Höhe. Zehn bis zwölf Stunden dauert eine Schicht. Bildrechte: MDR/Uwe Walter
Schleife und am Horizont ein Bagger vom Braunkohletagebau Nochten sowie das Kraftwerk Boxberg
Die Bagger vom Tagebau Nochten sind am Horizont zu sehen. Wenn in vier bis fünf Jahren der Trebendorfer Höhenzug weggebaggert ist, werden die Brandwächter auch in Schleife durch Kamerasysteme ersetzt. Bildrechte: MDR/Uwe Walter
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Mit den Vögeln auf Augenhöhe

Wachen für die Sicherheit der Wälder, einsame zehn Stunden. Für den Brandwächter die oft einzige Abwechslung: die Regionalbahn zwischen Zittau und Cottbus direkt unter dem Turm. Ansonsten kämpft das Personal nicht nur gegen die Stille.

Ich sehe hier einen Sprung Rehe, kann die Vögel beobachten, aber sonst ist nicht viel los hier. Glücklicherweise hat es auch noch nicht gebrannt, auch wenn wir in der Ferne schon mal Waldbrände gesehen haben.

Karl Michelka Brandwächter

In diesem Sommer blieb das Revier um Schleife von Bränden verschont. Damit sich aber im Falle eines Brandes das Feuer nicht ausbreiten kann, sitzt Karl Michelka hoch oben auf dem Feuerwachturm. Doch auch hier sind die Stunden der Brandwächter gezählt. Die Bagger des Braunkohletagebaus Nochten schaufeln voraussichtlich bis 2023 die Sicht frei. Dann gibt es auch keinen Trebendorfer Höhenzug mehr und auch auf dem Feuerwachturm in Schleife werden elektronische Kameras den Überwachungsdienst übernehmen. Am Horizont sind die Bagger bereits zu sehen.

Quelle: MDR/wa

Dieses Thema im Programm bei MDR SACHSEN MDR SACHSENSPIEGEL | 23.07.2018 | 19:00 Uhr

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Zuletzt aktualisiert: 24. Juli 2018, 09:29 Uhr

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