05.07.2020 | 09:00 Uhr Oberlausitzer Bürgerenergie-Projekt setzt weiter auf Solarstrom

Gute Zinsen für sein Geld bekommen und gleichzeitig auch etwas für die Umwelt tun, wer möchte das nicht. Wenn das angelegte Geld dann noch in der Region bleibt ist das umso besser. Genau das war auch das Ziel der ersten Oberlausitzer Bürger-Energiegenossenschaft, die vor zehn Jahren in Ebersbach-Neugersdorf gegründet wurde. Was ist aus der Genossenschaftsidee geworden?

Eine Solaranlage auf einem Dach
Die Bürger-Energie-Zittau-Görlitz setzt auf Solarstrom. (Symbolbild) Bildrechte: dpa

Die Bürger-Energie-Zittau-Görlitz ist immer noch die einzige Genossenschaft ihrer Art in der Oberlausitz. Inzwischen hat sie 130 Mitglieder, die immer noch in den Bau von Solaranlagen investieren. Die neueste Anlage entsteht in Oberseifersdorf bei der Miku-Agrarprodukte GmbH.

Der Landwirtschaftsbetrieb verbindet den Bau der Photovoltaik-Anlage gleich mit der zuvor nötigen Dachsanierung. So würden beide Seiten profitieren, meint Miku-Chef Hagen Hartmann. Denn die Genossenschaft bezahle das neue Dach, dafür gehörten ihr die Solarmodule und der produzierte Strom. Außerdem bleibe das Geld in der Region.

Wir wissen, dass auch die ausführenden Firmen aus der Region kommen und man relativ kurze Wege beim Bau und bei der Beratung hat.

Hagen Hartmann Miku-Agrarprodukte GmbH

Investition in Sonnenstrom hat sich gelohnt

Damit stärken die Projekte der Bürger-Energiegenossenschaft auch zehn Jahre nach der Gründung noch die regionale Wirtschaft, so wie es von Anfang an das Ziel war. Die Mitglieder investieren fast ausschließlich in regionale Solarenergie-Projekte. Dass sich Sonnenstrom in der Vergangenheit gelohnt hat, zeigen die Gewinne, sagt Vorstandsmitglied Karl-Anton Erath.  

Wir haben in den letzten Jahren 4,5 Prozent Dividende bezahlt. Das ist unter jetzigen Geldanlagegesichtspunkten eine Toprendite.

Karl-Anton Erath Vorstand Bürger-Energie-Zittau-Görlitz eG

Natürlich gebe es für die Gewinne keine Garantie, es sei schließlich eine unternehmerische Beteiligung, sagt Erath. Aber man wirtschafte mit dem Geld der Genossenschaft solide. Wer Mitglied werden möchte, muss mindestens einen Geschäftsanteil von 500 Euro erwerben. Mit diesem Geld und Krediten einer regionalen Bank hat die Genossenschaft rund 20 Solaranlagen in der Region gebaut. Sie finden sich auf Turnhallen, Landwirtschaftsbetrieben oder Bürogebäuden.

Bürger-Energiegenossenschaften Nach Angaben der Bundesgeschäftsstelle der Energiegenossenschaften wurden seit 2010 in Deutschland rund 800 Energiegenossenschaften gegründet. In Sachsen gibt es etwa 15.

Deren Mitglieder investieren hauptsächliche in den Bau regionaler Solaranlagen, aber auch in andere Arten der erneuerbaren Energienerzeugung.

Niedrige Einspeisevergütung trifft auch Genossenschaft

Das Geld verdient die Bürgerenergie, in dem sie zum einen selbst den Sonnenstrom ins Netz einspeist. Oder sie verpachtet die Solaranlage an den Gebäudenutzer. Durch die niedrige Einspeisevergütung für Strom aus erneuerbaren Energien lohnt sich der Bau von Solaranlagen durch die Genossenschaft derzeit aber fast nur, wenn der Gebäudeeigentümer den Strom selbst verbraucht, gibt Karl-Anton Erath zu bedenken.

Oder man findet andere Lösungen, wie bei der Miku-Agrar GmbH aus Oberseifersdorf, die die Sanierung des Daches bezahlt bekommt. "Wenn aber jemand sagt, ich habe ein Gebäude, brauche aber dafür keinen Strom und meine einzige Rendite wäre die Pacht für die Dachfläche, das kriegen wir im Moment so gut wie nicht hin", sagt Erath

Dachflächen gesucht 

Mangels geeigneter Dachflächen hat die Bürger-Energiegenossenschaft deshalb in den vergangenen ein, zwei Jahren auch kaum neue Anlagen gebaut. Dabei gäbe es genügend Interessenten, die in die Genossenschaft investieren würden. Denn die Idee, mit Sonnenstrom Geld zu verdienen, das in der Region bleibt, kommt auch nach zehn Jahren noch gut an.

Quelle: MDR/vis

Dieses Thema im Programm bei MDR SACHSEN MDR SACHSEN - Das Sachsenradio | 16.06.2020 |16:30 Uhr im Regionalreport aus dem Studio Bautzen

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