Bundeskanzlerin Angela Merkel bei Siemens in Görlitz am 15. Juli 2019
Bildrechte: Danilo Dittrich

15.07.2019 | 16:30 Uhr | Update Siemens stellt bei Merkel-Besuch Weichen für Zukunft in Görlitz

Bundeskanzlerin Angela Merkel hat am Montag die Oberlausitz besucht. In Begleitung des sächsischen Ministerpräsidenten Michael Kretschmer und des Siemens-Chefs Joe Kaeser war sie im Görlitzer Siemenswerk. Bei dem Besuch wurde auch bekanntgegeben, wie der Standort sich gemeinsam mit dem Freistaat und der Fraunhofer-Gesellschaft für die Zukunft aufstellen wird.

Bundeskanzlerin Angela Merkel bei Siemens in Görlitz am 15. Juli 2019
Bildrechte: Danilo Dittrich

Am Montagnachmittag hat Bundeskanzlerin Merkel gemeinsam mit dem sächsischen Ministerpräsidenten Kretschmer und Siemens-Chef Kaeser den "Zukunftspakt Siemens Görlitz" vorgestellt. Nach der Besichtigung des Turbinenwerkes und Gesprächen mit Mitarbeitern gaben sie Details zu den Inhalten der Absichtserklärung bekannt. Dabei werden auf dem Siemens-Werksgelände in Görlitz ein Innovations-Campus für High-Tech-Firmen und ein Labor für Wasserstoffforschung entstehen, die der strukturschwachen Oberlausitz neue Perspektiven geben sollen. Mit Aufbau und Koordination wird die Fraunhofer-Gesellschaft betraut.

Kretschmer: "Meilenstein für Görlitz und die Lausitz"

Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) geht neben Michael Kretschmer (CDU, r), Ministerpräsident von Sachsen, und Ronald Schmidt (l), Leiter des Siemens-Werks Görlitz, durch eine Fertigungshalle.
Bundeskanzlerin Merkel zwischen Sachsens MP Michael Kretschmer (r.), und Ronald Schmidt (l.), Leiter des Siemens-Werkes in Görlitz. Bildrechte: dpa

Mit dem Zukunftspakt sollen Investitionen von etwa 30 Millionen Euro und die Schaffung von 100 neuen Jobs verbunden sein. Die Kosten teilen sich Siemens und der Freistaat. Sachsens Ministerpräsident Michael Kretschmer sprach von einem Meilenstein für die Entwicklung des Siemens-Standortes Görlitz und die Lausitz. "Das stimmt mich zuversichtlich, die Lausitz als Forschungs- und Industriestandort in Deutschland nachhaltig zu stärken – von der Entwicklung bis zum Anlagenbau", sagte er am Montag in Görlitz.

Merkel: Bund unterstützt innovative Strukturförderung

Auch Merkel betonte, dass am Montag der Grundstein für eine innovative und regionale Strukturförderung gelegt wurde. Es tue der Region gut und werde helfen, dass junge Leute wieder zurückkehren können, so die Bundeskanzlerin in Görlitz.

Michael Kretschmer hat schwierige Zeiten mit dem Standort durchlebt. Das Gespräch mit den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern hat mir gezeigt, wie motivitiert die Menschen hier sind. Diese Präzisionsturbinen sind auch etwas, was ein Physikerherz höher schlagen lässt.

Bundeskanzlerin Angela Merkel

Kaeser: Strukturwandel der Lausitz aktiv mitgestalten

Der Vorstandsvorsitzende der Siemens AG, Joe Kaeser, ergänzte: "Mit diesem Zukunftspakt lösen wir unser Versprechen ein, den Strukturwandel der Lausitz aktiv mitzugestalten". Görlitz sei bereits Hauptsitz für industrielle Dampfturbinen und erhalte mit dem Innovations-Campus nun auch ein Ökosystem für ein attraktives Zukunftsfeld, das die Wasserstofftechnologie darstellt.

Damit haben der Freistaat Sachsen und Siemens die Weichen für die Zukunft des Standortes gestellt. Im vergangenen Jahr erst wurde nach massiven Protesten aus der Belegschaft und der Politik die Schließung des Görlitzer Werkes abgewendet. Im Siemens-Werk in Görlitz arbeiten derzeit rund 800 Menschen.

Merkel am Abend bei Frauennetzwerk in Dresden erwartet

Am Abend wird Angela Merkel in Dresden erwartet. Im Albertinum wird sie an einem Treffen sächsischer Wissenschaftlerinnen, Unternehmerinnen, Politikerinnen und weiblicher Führungskräfte aus Justiz und Verwaltung teilnehmen. Das Frauennetzwerk hatte Ministerpräsident Kretschmer im März ins Leben gerufen, um einen stärkeren Austausch zu fördern.

Zeitgleich hat das islamkritische Bündnis Pegida auf dem Dresdner Altmarkt zum Abendspaziergang aufgerufen. Es ist seit seiner Gründung auch vielfach durch lautstarke Kritik an der Politik von Kanzlerin Merkel aufgefallen.

Quelle: MDR/PM/dpa/sm

Dieses Thema im Programm bei MDR SACHSEN MDR SACHSEN - Das Sachsenradio | 15.07.2019 | ab 05:00 Uhr in den Nachrichten

MDR SACHSENSPIEGEL | 15.07.2019 | 19:00 Uhr

Die Kommentierungsdauer ist abgelaufen. Der Beitrag kann deshalb nicht mehr kommentiert werden.

19 Kommentare

17.07.2019 11:43 Bautzener 19

@ Mediator 18

Es ist schon eigenartig, wie Sie die Leistung der DDR klein rechnen. Es gibt Ewiggestrige die das gerne machen, um den Sozialismus, die DDR und deren Bewohner zu delegitimieren, um alles was den Ostdeutschen widerfahren ist zu legitimieren.

Es gibt relativ exakte vergleichende Berechnungen. In den letzten 19 Jahren der DDR stieg das BIP je Einwohner um 88,9 %, in der BRD um 52,0 % und in den letzten 9 Jahren der DDR stieg das BIP je Einwohner um 27,7 %, in der BRD um 17,7 %. Passt irgendwie nicht zu Ihren Endzeitallegorien.

Die Bruttoinvestitionsquoten betrugen 1980, 1985 und 1989 gemessen am BIP in der DDR 24,6 %, 21,7 %, 22,7 % und in der BRD 23,4 %, 19,6 % und 20,7 %. Ein bankrottes marodes Land sieht anders aus.

Dass die DDR auf Braunkohle umstellte, als die SU über dem Weltmarktpreis lag, lässt doch eher auf Innovationskraft, als auf Starre schließen.

Und 20 Jahre hat keiner aufs Auto gewartet. Es gab auch noch den freien Automarkt, wenn man das Geld hatte.

16.07.2019 22:00 Mediator an Bautzener (15) 18

Lieber Bautzener, den Zustand in dem keine Veränderungen mehr eintreten auf die man reagieren muss nennt man Tod.

Was Krisen angeht kann man generell Systeme entscheiden die in der Lage sind zu reagieren und Systeme die sich eben nur passiv verhalten können und ein Spielball äußerer Einflüße sind. Von mir aus können sie die DDR im Jahr 89 als die Krone des Ostblocks und als eine innovative dynamische Wirtschaftsmacht sehen - ich nenne sie trotzdem bankrott, weil sie schon längst die Fähigkeit wirksam zu reagieren verloren hatte! Von der Substanz eines Landes kann man einige Zeit zehren, und ich hoffe den Sachsen steht das nach der Wahl nicht bevor.

Ansonsten fragen sie sich einfach mal warum die DDR ihre Kraftwerke nicht weiter mit Öl, sondern nachdem die SU echtes Geld dafür wollte mit Braunkohle betrieben hat und warum man auf Autos die alle 20 Jahre ein Facelift bekammen auch 20 Jahre warten musste.

Wenn die DDR ein Trabi ist, dann ist die BRD heute ein SUV.

16.07.2019 21:26 Luftikus 17

@14 Mediator/ Ehe Sie hier inflationär wieder jeden belehren wollen, sei Ihnen gesagt, daß ich weder großkotzig bin(wo bleiben eigentlich hier die Hinweise zur Netiquette lieber MDR?), noch irgend eine Leistung kleinreden will. Ich gehöre nicht zu den Krakelern, die freiwillig oder bezahlt, Frau Merkel ausbuhen. Es ist eine Frechheit von Ihnen, zu behaupten, ich würde mich künstlich dumm stellen, nur weil ich anderer Meinung bin als Sie! Die politische Realität hat in der Vergangenheit gezeigt, daß von solchen Auftritten nach einigen Jahren substanziell nicht viel bleibt. Großkonzerne gehen dahin , wo die meisten Fördergelder abgefaßt werden. Sind die aufgebraucht, zieht die Karawane weiter bis nach Lampukistan. Diese( ev.!!!)100 Arbeitsplätze hochzujubeln, wie Sie es tun, ist ziemlich blauäugig(die Netiquette verbieten mir, einen anderen Ausdruck zu verwenden).

16.07.2019 20:38 dmehl 16

@ Mediator:
In welchem meiner Beiträge habe ich mich auf Bundeskanzlerin Merkel bezogen ?
Wer die Entscheidungen, im Interesse von Aktionären, trifft, ist doch bekannt.
Und welche Entscheidung, im Interesse von Aktionären, bereits schon einmal im Raum stand, ist den Menschen in Görlitz noch in Erinnerung.

16.07.2019 20:11 Bautzener 15

@ Mediator 8

Ich lach mich schief, "nach 70 Jahren BRD noch immer voll im Saft". Ich kenne von den 70 Jahren nur 29 Jahre. Aber diese 29 Jahre jagte doch eine Krise die nächste. Oder ist es gar eine Dauerkrise? Die Krise des Kapitalismus vielleicht? Nie ist Geld da, dort wo es am nötigsten wäre. Die letzte große Krise wurde und wird bis heute, zuerst mit der Abwrackprämie und dann mit einer Nullzinspolitik = Staatsentschuldung, auf Kosten des kleinen Mannes weggetrickst. Typisch staatskapitalistische Methoden eben. Mehr Schein als Sein.

Und Sie assoziieren schon wieder, dass die DDR bankrott war. Inzwischen weiß man doch, dass dem nicht so ist. Und Sie wiederholen diese Lüge immer und immer wieder. Jeder zweite Satz von Ihnen enthält Hetze gegen die ehemalige DDR und deren Bevölkerung. Auch das ist Volksverhetzung. Das wird gewiss nicht mehr von der Meinungsfreiheit gedeckt, weil Sie klar Tatsachen negieren und ganze Bevölkerungsgruppen damit abwerten und diffamieren.

16.07.2019 19:29 Mediator 14

@dmehl(13): Wie kommen sie darauf, dass ich Dinge bewusst falsch verstehen will? Wenn man hier der Kanzlerin Vernatwortung für Entscheidungen in die Schuhe schieben will, die von Wirtschaftsunternehmen im Interesse ihrer Aktionäre getroffen werden, dann ist das schlicht unseriös. Wenn zu einem Festakt, der eine Millioneninvestition krönt ein Ehrengast eingeladen wird und spricht, dann übernimmt dieser sicher keine Garantie dafür, dass es die jeweilige Firma noch in 20 Jahren unverändert gibt.

@Luftikus(11): Manche Menschen sind schon ziemlich großkotzig und müssen alles schlecht reden. 30 Mio € und 100 Arbeitsplätze sind erst mal ein Wort, vor allem wenn es sich um High-Tech und nicht um eine Logistikbude handelt. Für die Menschen vor Ort bedeutet das erst mal verbesserte Zukunftsaussichten und mehr Kaufkraft, die sich lokal bemerkbar macht. Wenn sie Frau Merkel nicht mögen ist das ihr Ding, aber muss man sich deswegen künstlich dumm stellen?

16.07.2019 14:17 dmehl 13

@ Mediator:
Man kann Dinge auch bewusst falsch verstehen.
Jedem sollte klar sein, das diesbezügl. natürlich der anwesende Vorstandsvorsitzende der Siemens AG, Joe Kaeser gemeint war.

16.07.2019 12:20 Mediator 12

@dmehl(7): Was soll denn die Kanzlerin bitte zur Zukunft eines Turbinenwerkes sagen? Haben wir immer noch so was wie volkseigene Betriebe? Seit wann trifft bei uns der Regierungschef Entscheidungen darüber, wie eine Aktiengesellschaft ihre Betriebe die nächsten 5, 10 oder 15 Jahren aufgestellt sehen will.

Eine Industriepolitik a la DDR passt eben nicht zu dem Wohlstand und den Freiheiten einer sozialen Marktwirtschaft.

16.07.2019 11:09 Luftikus 11

Eine perfekt inzinierte Wahlkampfhilfe der Kanzlerin zusammen mit dem Siemens Chef, für MP Kretschmer. Wie hier @6 schon richtig analysierte, wird vermutlich nach Abschöpfung des anteiligen Beitrages der Steuerzahler in Höhe von 25 Millionen, nicht mehr viel Innovation übrig bleiben. Die 100 "Jobs"(erinnert mich an Mc Pappe und nicht an Siemens), werden wohl eher durch Umzug/ Umsetzung von MA aus anderen Standorten besetzt werden.

16.07.2019 11:07 dmehl 10

Die Schaffung gut bezahlter Arbeitsplätze in Forschungseinrichtungen und Instituten sowie Bundesbehörden ist wichtig, schon um (einem Teil) der Jugend eine Perspektive in der Region zu geben.
Aber, und hier drängt sich eine Analogie zu den Planungen / Versprechungen bezügl. des Braunkohleausstieges auf:
Wenn Siemens sich zurückzieht, wieviele Maschinenbauer werden im Fraunhofer-Labor für Wasserstoffforschung eine Stelle erhalten ?
Wieviele Maschinenbauer werden eine High-Tech-Firma gründen oder bei dieser eine Stelle erhalten ?
In anderen Regionen: Früher im Tagebau beschäftigt - heute im Helmholtz-Institut ? Als was ?
Was wird mit Älteren und nicht aussreichend/ anders Qualifizierten ?

Mehr aus Görlitz, Weisswasser und Zittau

Mehr aus Sachsen