02.04.2020 | 16:19 Uhr Corona-Krise bereitet Hausärzten Sorgen

Weil viele Hausärzte ihre Patienten nun vermehrt telefonisch behandeln, müssen sie bei den Abrechnungen finanzielle Einbußen in Kauf nehmen und haben außerdem Probleme mit dem Eigenschutz in der Praxis. So fehlen beispielsweise nach wie vor Schutzkleidung und ausreichend Desinfektionsmittel. Ein Görlitzer Hausarzt berichtet über die Schwierigkeiten, die Corona für ihn mit sich bringt.

Praxis
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Leere Stühle im Wartezimmer. Stattdessen steht das Telefon in der Hausarztpraxis von Doktor Georgiou in Görlitz nicht still. Damit die Patienten nicht alle zusammen im Wartezimmer sitzen müssen, behandelt er die meisten von ihnen telefonisch. Das Vorgehen bringt allerdings finanzielle Nachteile mit sich.

Wenn ich die Praxis wie bisher weiterführen würde, hätte ich Angst, dass wir einen Infektions-Hotspot in der Praxis verursachen. Wir würden die Ausgangsbeschränkungen und Kontaktverbote umgehen und das würde nicht gut sein. Gleichzeitig haben wir aber auch diese finanziellen Ängste.

Dr. Konstantinos Georgiou Hausarzt aus Görlitz

Einbußen bei Abrechnung

Telefongespräche kann Dr. Georgiou nur für einem Bruchteil dessen abrechnen, was er für einen persönlichen Kontakt mit den Patienten bekommt. Da wünscht sich der Hausarzt mehr Unterstützung von der Kassenärztlichen Vereinigung.

Wir sind an der Sache dran. Allerdings können wir das nicht alleine machen. Wir müssen uns zusammen mit der Kassenärztlichen Bundesvereinigung und den Krankenkassen abstimmen und eine Regelung finden.

Klaus Heckemann Kassenärztliche Vereinigung Sachsen

Schutzkleidung und Desinfektionsmittel fehlen

Auch der Mangel an Schutzkleidung und Desinfektionsmitteln macht den Mitarbeitern in der Praxis zu schaffen. Drei Flaschen Desinfektionsmittel wurden der Praxis zugeteilt, ein paar Mund-Nasen-Gesichtsschutze haben sie im Baumarkt bekommen, zwei Packungen Handschuhe konnten sie auftreiben.

Arzt am Telefon, Schwester sortiert Unterlagen.
Dr. Georgiou behandelt seit Beginn der Coronavirus-Krise vermehrt via Telefon Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Vor allem Patienten, die Blutverdünner nehmen müssen, müssen in regelmäßigen Abständen versorgt werden. Da sehe ich ein ganz großes Problem drin, weil wir nicht genügend Schutzmaßnahmen ergreifen können, obwohl wir es wöllten.

Daniela Georgiou Praxismitarbeiterin von Dr. Georgiou

Ärztliche Versorgung sicherstellen

Für zusätzliche Unsicherheit sorgte zuletzt ein Brief der Kassenärztlichen Vereinigung. Die Botschaft: Keine Quarantäne für Ärzte nach ungeschütztem Kontakt mit einem Corona-Infizierten, sie sollen weiterarbeiten. Ein Tag später die Korrektur: Erst nach negativen Tests und bei Symptomfreiheit dürfen Ärzte ihre Praxis wieder öffnen.

Klaus Heckemann
Klaus Heckemann von der Kassenärztlichen Vereinigung hat Verständnis für die Hausärzte Bildrechte: Kassenärztliche Vereinigung Sachsen

Der Hintergrund ist der, dass man einen Konflikt hat, zwischen dem Versuch, die Ausbreitung der Erkrankung zu verlangsamen und auf der anderen Seite die medizinische Versorgung noch sicherzustellen.

Klaus Heckemann Kassenärztliche Vereinigung Sachsen

Hausärzte zunehmend gebraucht

Klaus Heckemann erwartet, dass bei immer mehr Covid-19-Erkrankten zunehmend die Hausärzte gefragt sind. Das könnte den Verdienstausfall, den Dr. Georgiou beklagt, auffangen. Dr. Georgiou und sein Team wollen auf jeden Fall für ihre Patienten da sein. Er könnte auch Tests auf das Coronavirus durchführen, sagt Georgiou, um das örtliche Testzentrum zu entlasten. Doch dafür bräuchte er ausreichend Schutzkleidung.

Quelle: MDR/dj/leo

Dieses Thema im Programm bei MDR SACHSEN und im MDR FERNSEHEN MDR um 4 | 01.04.2020 | 14.00 Uhr
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