"Ohne uns wird es leer!" Einzelhändler in Niesky verhängen ihre Schaufenster

Von Einkaufstourismus kann Niesky nur träumen. Gewerbetreibende hatten es schon vor Corona schwer. Denn mit knapp 10.000 Einwohnern zählt Niesky zu den kleinsten Städten in Sachsen. Die Kundschaft, die den Läden hier bisher die Treue hielt, darf nicht einkaufen kommen. Seit Wochen sind nun die Geschäfte geschlossen und einigen Händlern geht langsam die Puste aus. Darauf haben sie mit einer Plakataktion aufmerksam gemacht.

Eine Frau läuft an einem Kinderbekleidungsgeschäft in Niesky vorbei.
"Ohne uns wird es leer in Niesky! Bitte bleiben Sie uns treu", steht an etlichen Schaufenstern in Niesky. Bildrechte: MDR SACHSENSPIEGEL

Waren sind in den Geschäften in Niesky nicht zu sehen. Die Schaufenster wurden zugehängt. "Ohne uns wird es leer in Niesky!" ist stattdessen an den Scheiben zu lesen. Die Gewerbetreibenden in der Kleinstadt im Landkreis Görlitz warnen mit dieser Aktion vor den Folgen des Lockdowns.

Mit dabei ist Corina Friedrich, die ihren Laden für gebrauchte Kindersachen mit Beginn des harten Lockdowns im Dezember schließen musste. Zurzeit arbeitet sie als Verkäuferin bei einem Discounter und finanziert auf diese Weise auch die weiterlaufenden Betriebskosten für ihr Geschäft. Sie befürchtet, dass einige Läden in der Stadt schließen werden, weil die Besitzer die Fixkosten nicht mehr tragen können. "Es gibt viele von uns, die keine Unterstützung bekommen. Weil sie zum Beispiel Rentner sind oder so wie ich woanders arbeiten gehen", erklärt die Ladeninhaberin.

Corina Friedrich verkauft normalerweise in ihrem Geschäft in Niesky gebrauchte Kinderkleidung.
Corina Friedrich verkauft normalerweise in ihrem Geschäft Kinderkleidung. Zur Zeit jobbt sie in einem Discounter. Bildrechte: MDR SACHSENSPIEGEL

Angst, dass die Kundschaft nicht zurückkehrt

Aber die Einzelhändlerin fürchtet auch, dass die Kunden nach dem Ende des Lockdowns nicht mehr in die Geschäfte zurückkehren. "Wir haben Angst, dass sie abwandern, dass sie bei Amazon landen, dass sie Schwarzarbeit unterstützen, dass die beste Freundin jetzt den Frisörtermin übernimmt, deshalb machen wir die Aktion", sagt Friedrich.

Schon jetzt gibt es in Niesky erheblichen Leerstand. Deshalb will mit der Plakataktion auch Hubert Hille von der örtlichen Reiseagentur auf die Situation aufmerksam machen. Sein Geschäft gibt es schon seit 30 Jahren. Das vergangene Jahr hat Hille mit Überbrückungshilfen überstanden. Sein Appell geht nicht nur an die Kundschaft, sondern auch an die Politik: "Leute, versucht Möglichkeiten zu schaffen, dass wir die Strukturen, die wir haben, erhalten. Dass wir nach der Pandemie wieder ein normales, gutes Leben hier in der Region aufbauen können."

Hubert Hille hat in Niesky eine Reiseagentur.
Hubert Hille hat in Niesky eine Reiseagentur. Bildrechte: MDR SACHSENSPIEGEL

Jede Woche 2.000 Euro Verlust

Statt um die Köpfe ihrer Kunden kümmert sich Frisörin Viola Bittner derzeit nur um die Grünpflanzen in ihrem Geschäft. Jede Woche mache sie einen Verlust von mehr als 2.000 Euro, berichtet sie. Müssen noch mehr Geschäfte schließen, wird es trist in der Kleinstadt. Und wer, wenn das wieder möglich ist, anderswo einkaufen fährt, erledigt dort gleich weitere Dinge wie den Friseurbesuch, befürchtet die Friseurin. "Wir können vielleicht ein Stückchen auf uns aufmerksam machen und diesen Hilferuf an andere weiterleiten", hofft sie. Sie wünscht sich beispielsweise, dass die Stadtverwaltung die Händler unterstützt, sie besucht und mit ihnen spricht. Einfach um zu zeigen, dass sie nicht allein mit der Situation sind.

Viola Bittner arbeitet als Frisörin in Niesky.
Viola Bittner arbeitet normalerweise als Friseurin. Im Moment kann sie in ihrem Geschäft nur die Blumen gießen. Bildrechte: MDR SACHSENSPIEGEL

Quelle: MDR/ma

Dieses Thema im Programm bei MDR SACHSEN MDR SACHSEN - Das Sachsenradio | 19.01.2021 | 14:30 Uhr im Regionalreport aus dem Studio Bautzen
MDR SACHSENSPIEGEL | 18.01.2021 | 19:00 Uhr

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