Geschlossene Theater Studium statt Bühne: Alternative für Schauspieler im Lockdown?

Der Studiengang Kultur und Management an der Hochschule in Görlitz erhält in der Pandemie mehr Zulauf als sonst. Auch Schauspielerin Britta Werksnis hat sich für das Studium dort entschieden. Zum Glück, sagt sie.

Alle Sitzplätze im Zuschauerraum der Urania sind wegen der Corona-Pandemie durch Seile abgesperrt während der Präsentation der Biographie "Markus Söder - Der Schattenkanzler".
Die Theater sind seit Ende vergangenen Jahres geschlossen. Für freischaffende Schauspieler ein großes Problem. Bildrechte: dpa

Die Zukunftsaussichten für freischaffende Schauspierinnen wie Britta Werksnis sind nicht gerade rosig. Wann sie tatsächlich wieder regelmäßig auf der Bühne stehen kann, weiß die 33-Jährige nicht. Ihr letztes festes Engagement hatte sie im vergangenen Sommer an einer Bühne in Baden-Württemberg. "Dann kam Corona. Da war mir klar, dass meine Spielsituation ein Jahr oder länger schwierig sein wird." Also suchte sie nach Alternativen und fand sie im Masterstudiengang Kultur und Management an der Hochschule Zittau/Görlitz.

Verdoppelung der Bewerberzahlen

Damit ist sie nicht die einzige, die sich für dieses Studium in Görlitz entschieden hat. Allein im Bachelorbereich habe sich die Bewerberzahl während der Pandemie im vergangenen Jahr verdoppelt, berichtet Professor Matthias Theodor Vogt. Mehr als 70 Männer und Frauen hätten schließlich im Oktober ein Bachelor- oder Masterstudium Kultur und Management angefangen. "Wir sind jetzt der stärkste Studiengang an der Hochschule", sagt Vogt.

Die Gründe sieht Vogt auch in der schwierigen finanzielle Lage der Theater, Konzerthäuser und anderen kulturellen Einrichtungen, die sich durch die Corona-Pandemie verschärft hat. In dieser Situation sei umso mehr betriebswirtschaftliches Handwerk gefragt, nämlich rechnen und Förderanträge stellen zu können. Denn, da ist er sich sicher: "Es wird jetzt einfach eine Verschiebung geben, die weg von den Institutionen hin zu diesem Projektantragwahnsinn geht."

Nicht nur Künstlerin, sondern auch Unternehmerin

Schauspielerin Britta Werksnis
Die Schauspielerin Britta Werksnis ist für das Studium von Baden-Württemberg nach Görlitz gezogen. Bildrechte: Alexander Resch

Genau diese betriebswirtschaftlichen Grundlagen sind deshalb ein Bestandteil des Masterstudiums in Görlitz. Auf dem Lehrplan von Britta Werksnis stehen unter anderem die Themen Finanzierungsplan, Marketing und Förderpolitik.

Für sie genau das Richtige, sagt die Schauspielerin. Denn in ihrem Schauspielstudium war dies kaum Thema. Deshalb habe sie sich auch für den Bereich Kultur und Management entschieden, damit sie später eigene Projekte besser umsetzen kann.

Ich bin bisher richtig glücklich mit der Entscheidung, weil ich auch merke, wie sehr ich dieses Knowhow bisher vermisst habe.

Britta Werksnis Schauspielerin

Sie sei eben nicht nur Künstlerin sondern auch eine Unternehmerin, die ein Geschäft führe, sagt Britta Werksnis. Wenn man dafür die Voraussetzungen nicht habe, sei dies viel schwieriger. Neben den betriebswirtschaftlichen Kompetenzen kommt aber auch die künstlerische Seite im Studium nicht zu kurz: Es geht um Inszenierungspraxis, Kreativtechniken oder Ästhetik.

All das kann die Bühne für die Schauspielerin aber nicht ersetzen, und so freut sich Britta Werksnis trotz allem wieder darauf, spielen zu können. Auch das ermöglicht der Kultur- und Management Studiengang. Denn nach zwei Präsenzsemestern in Görlitz schließen sich zwei Praxissemester an. Den Ort dafür kann sie frei wählen.

Quelle: MDR/vis

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