Tierhaltung Corona-Pandemie und Schweinepest führen zum Verfall bei Fleischpreisen

Corona-Krise und Afrikanische Schweinepest machen derzeit den Landwirten in Sachsen zu schaffen. Wie der Präsident des Landesbauernverbandes, Torsten Krawczyk, sagte, wird weniger verkauft und exportiert. Auch die Agrofarm Herwigsdorf bei Löbau hat mit diesen Problemen zu kämpfen.

Schweine schauen in die Kamera
Pro Woche kommen bei der Agrofarm in Rosenbach 500 Schweine auf die Welt. Bildrechte: MDR/Jens Czerwinka

Der sogenannte Schweinestau stellt die sächsischen Landwirte vor große Probleme. Wie der Vorstand der Herwigsdorfer Genossenschaft Agrofarm, Matthias Döcke, sagte, führen die Corona-Pandemie und die Afrikanische Schweinepest (ASP) zu einem Preisverfall bei den Fleischpreisen. Anfang 2020 habe es für das Kilogramm Schweinefleisch noch 1,70 Euro gegeben. Aktuell liege der Preis bei 1,19 Euro, so Döcke. Der Konsument würde davon nichts merken, den Preisverfall bekämen nur die Mäster zu spüren.

"Schweinestau"

Sachsens Schweinehalter haben aktuell mit einem sogenannten Schweinestau zu kämpfen. Aufgrund der Corona-Pandemie waren die Kapazitäten in den Schlachthöfen zuletzt geringer. Außerdem werde aufgrund der Schweinepest, die in Brandenburg und Sachsen bereits nachgewiesen wurde, kein Fleisch in die asiatischen Länder exportiert. Die Folge sind laut sächsischem Landesbauernverband volle Ställe, mittlerweile zu große Tiere und ein enormer Preisverfall.

Keine Gäste - keine Schnitzel

Zum einen könne durch die Schließung von Gaststätten und Hotels weniger Fleisch verkauft werden. Zum anderen hätten die Schweinehalter wegen der Schweinepest Probleme, ihr Fleisch im Ausland zu verkaufen, erklärte Döcke. So habe China im September vergangenen Jahres einen Importstopp für Schweinefleisch aus Deutschland verhängt. Dies mache sich auch im Preis bemerkbar.

Durch die Afrikanische Schweinepest sind wir vom Weltmarkt abgeschnitten.

Matthias Döcke Vorstand Herwigsdorfer Genossenschaft Agrofarm

In der Agrofarm in Rosenbach bei Löbau werden zwischen 27.500 und 30.000 Schweine pro Jahr bis zur Schlachtreife auf 120 Kilogramm gemästet. Gut 10.000 Tiere stehen gleichzeitig in den Ställen. Etwa 500 Tiere gehen pro Woche zum Schlachthof. Doch seit einigen Monaten stockt die Abnahme.

Kleine Ferkel im Stall
18 Ställe für je um die 500 Tiere hat die Genossenschaft. Bildrechte: MDR/Jens Czerwinka

Die Mehrheit der sächsischen Schweinehalter wird in Existenznot geraten.

Torsten Krawczyk Präsident des Landesbauernverbandes Sachsen

Der Präsident des Landesbauernverbandes, Torsten Krawczyk, sprach am Donnerstag von einem Schweinestau in den sächsischen Ställen. Je länger die Schweine in den Ställen stehen, desto weniger sind sie wert. Für zu schwere oder ältere Schweine gibt es laut Verband sogar teils nur 80 Cent pro Kilogramm.

Zu wenig Schlachtstätten in Sachsen

In den Schweinebetrieben selbst wurde bisher kein Fall der für den Menschen ungefährlichen Tierseuche ASP nachgewiesen, lediglich bei Wildschweinen. Die Schweinepest und der damit verbundene Schweinestau habe die sächsischen Schweinehalter auch deshalb so hart getroffen, weil es in Sachsen nicht genügend eigene Schlachtstätten gebe, so Krawczyk. Zwar gebe es eine in Belgern (Landkreis Nordsachsen), aber die reiche nicht annähernd aus, betonte der Bauernpräsident.

Quelle: MDR/jc


Dieses Thema im Programm bei MDR SACHSEN MDR SACHSEN - Das Sachsenradio | 14.01.2021 | 17:00 Uhr in den Nachrichten

Mehr aus Görlitz, Weisswasser und Zittau

Mehr aus Sachsen

Förderturm des Schachtes Martin Hoop IX in Mülsen bei der Sprengung 1 min
Förderturm des Schachtes Martin Hoop IX in Mülsen bei der Sprengung Bildrechte: MDR

In Mülsen bei Zwickau war der Förderturm des Martin-Hoop-Schachtes 9 der letzte Zeitzeuge des Steinkohlebergbaus in der Region. Jetzt wurde der 34 Meter hohe Turm gesprengt.

Mi 03.03.2021 17:02Uhr 00:57 min

https://www.mdr.de/sachsen/chemnitz/zwickau/foerderturm-muelsen-zwickau-sprengung-steinkohle100.html

Rechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Video