13.06.2020 | 11:56 Uhr Campen in Zittau: "Viele neue Gäste aus dem Norden und dem Osten"

Das Coronavirus hat den Tourismus lahmgelegt und ist noch immer nicht besiegt. Jetzt boomt der Urlaub im Freien mit Wohnmobil und Zelt. René Dreier, Inhaber des "Seecamping Zittau“ ist sich sicher, dass er seine Verluste kompensieren kann. Im Gespräch mit MDR SACHSEN erklärt er, wie und warum Camping gerade setzt so beliebt ist.

René Dreier, Inhaber Seecamping Zittau
René Dreier ist einer der zwei Inhaber vom Seecamping Zittau und blickt positiv in die Zukunft. Bildrechte: René Dreier

Herr Dreier, Experten schätzen, dass die Ferienplätze im Inland bald ausgebucht sind. Kann ich morgen zu Ihnen kommen?

Sie können spontan und ohne Reservierung kommen, im Juni ist das auf jeden Fall möglich. In der Hauptferienzeit im Juli und August ist auf jeden Fall eine Reservierung erforderlich.

Sie haben also noch freie Plätze in den großen Ferien?

Momentan haben wir noch freie Kapazitäten, doch die Situation ändert sich natürlich täglich. Viele Gäste besinnen sich auf die Heimat und Urlaub in der eigenen Region. Entsprechend gibt es auch viele Anfragen, die wir bislang auch positiv beantworten konnten.

Ist Ihre Belegung höher als sonst?

Ich denke, dass wir in der Ferienzeit auf jeden Fall eine höhere Auslastung als in anderen Jahren haben werden. Aktuell schätzen wir den Zuwachs auf 15 bis 20 Prozent. Das ist natürlich auch immer etwas abhängig von der Wetterlage.

Campingplatz Seecamping Zittau
Noch gibt es Platz auf dem Seecampingplatz in Zittau - und dazu viel frische Luft. Bildrechte: René Dreier

Warum setzen jetzt viele auf Camping?

Camping wird immer beliebter - auch bei Gästen, die das bislang nicht so gemocht haben. Immer mehr Interessenten fragen bei uns nach. Das hängt an vielen Faktoren. Einerseits schätzen viele Gäste die Freiheit, die man natürlich beim Camping besser genießen kann, als in einer Hotel- oder Ferienanlage.  

Andererseits passt Camping als Urlaubsform gerade in diesen Corona-Zeiten. Viele Hygieneregeln lassen sich leicht umsetzen. Der Abstand zum Nachbarn wird eingehalten und auch der Aufenthalt in geschlossenen Räumen ist minimiert auf die Nutzung der Sanitäranlagen. Das alles spricht für Camping-Urlaub in Corona-Zeiten.

Apropos Auflagen: Auch sie müssen die Corona-Auflagen einhalten. Wie schwer oder leicht ist das für Sie und halten sich die Gäste daran?

Wir hatten eine sehr kurze Vorbereitungszeit, um die Auflagen für die Öffnung am 15. Mai umzusetzen. Dazu gehören ein Hygieneplan mit festgelegten Reinigungsrhythmen, das Aufstellen von Desinfektionsspendern und das Markieren der Abstände auf dem Fußboden. Bisher sind die Gäste sehr positiv davon angetan. Den überwiegenden Teil unserer Gäste gilt an dieser Stelle erst einmal ein großes Lob. Es gibt sehr viele Gäste, die Verständnis dafür haben und natürlich froh sind, ein Urlaub genießen zu können in der relativ schwierigen Zeit.

Campingplatz Seecamping Zittau
Auf dem Platz des Seecamping Zittau lassen sich Corona-Auflagen leicht einhalten: Es gibt frische Luft, viel Platz und kein Gedränge auf engsten Raum. Bildrechte: René Dreier

Trotz Pandemieängsten ist die Stimmung auf dem Zeltplatz also gut? Ist sie noch von Vorsicht geprägt oder können die Gemüter langsam loslassen?

Viele Gäste freuen sich, überhaupt wieder in den Urlaub zu fahren. Das spiegelt sich auch in deren Verhalten wieder. Es wird mit sehr viel Vorsicht und Respekt umgegangen. Es gibt wenige mutwillige Verstöße.

Eigentlich hätte der Zeltplatz schon im Frühjahr geöffnet. Wie hoch schätzen Sie die Verluste?

Das ist momentan für das Jahr 2020 noch nicht endgültig zu beantworten. Wir denken jedoch, dass wir einen Großteil der Umsatzverluste wieder aufholen können. Viele Gäste, die im Frühjahr absagen mussten, buchen jetzt einen neuen Aufenthalt bei uns.

Viele Anbieter, vor allem auf Rügen und an der Küste ziehen ihre Preise nach oben, um Verluste zu kompensieren. Machen Sie das auch?

Eine Preiserhöhung entspricht nicht unserer Philosophie. Wir sind der Meinung, dass wir nicht die Gäste dafür verantwortlich machen können, dass eine Anreise bislang nicht möglich war. Das heißt, wir haben unsere Preise gelassen, wie vor der Pandemie.

Markt Zittau
Bei schlechtem Wetter können Camper Zittau besuchen und das Dreiländereck erkunden. Bildrechte: Viola Simank/MDR

Dürfen Camper auch ohne Auto anreisen? Einfach nur mit einem Zelt?

Ja, natürlich. Wir liegen sehr nah an Rad- und Wanderwegen. Entsprechend haben wir natürlich eine ordentlich Anzahl an Gästen, die nur mit Zelt anreisen. Leute reisen auch mit öffentlichen Verkehrsmitteln an oder sind zu Fuß unterwegs. Wir haben natürlich auch sehr viele Fahrradfahrer. Die Frage in dieser Zeit ist, wieviele diese Urlaubsform intensiv nutzen und die Region und die Landschaft neu entdecken.

Das klingt nach guten Aussichten für Sie als Zeltplatz. Kann denn der Inlandstourismus jetzt von der Corona-Krise profitieren?

Ich denke prinzipiell ja. Es wird sich herausstellen, wie das Reiseverhalten allgemein angenommen wird von den Gästen. Wir haben sehr viele neue Urlauber, die das erste Mal die Region und unseren Platz besuchen. Sie kommen vor allem aus den nördlichen und östlichen Bundesländern. Sicher auch, weil viele verstärkt durch die Pandemie jetzt Urlaub in Deutschland planen.

Quelle: MDR/kt

Dieses Thema im Programm bei MDR SACHSEN MDR SACHSEN - Das Sachsenradio | Dienstags direkt | 16.06.2020 | 20:00 Uhr

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