Corona-Pandemie Maskenpflicht und Alkoholverbot - wie läuft es in Görlitz?

Der Görlitzer Landrat Bernd Lange hat schärfere Kontrollen der Corona-Maßnahmen angekündigt. "Wir müssen die Ahndung von Verstößen durchziehen, ansonsten wird es nicht glaubhaft, was wir machen", so Lange am Dienstag. Die Freiheit könnten sich alle nur wiederholen, wenn man sich an die Regeln halte, appellierte Lange erneut an die Bürger. MDR SACHSEN war in Görlitz unterwegs um zu schauen, ob sich die Menschen an Alkoholverbot und Maskenpflicht halten.

Görlitz - weihnachtlich beleuchtet
Bildrechte: Danilo Dittrich

In Görlitz sind die Straßen und Gassen in der Altstadt leer gefegt. Doch nicht etwa der eisige Wind ist dafür zuständig, sondern die Corona-Pandemie. Bislang lockte in der Altstadt eine kleine Holzhütte Passanten an. Die Hausbrauerei "Bierblume" verkaufte dort ihr "Bier to go", nachdem die "Bierblume" als Kneipe geschlossen wurde. Auch kein Glühwein oder heißes Bier geht mehr über die kleine Theke, denn der Alkoholgenuss in der Öffentlichkeit ist seit Dienstag laut Allgemeinverfügung verboten.

Alkohol hat in der Vergangenheit immer zu Leichtsinn geführt und wir wollen mit dem Alkoholverbot im öffentlichen Raum diesen Leichtsinn einschränken. Außerdem trinkt man ja gerne in der Gruppe das Bier oder den Glühwein und genau das wollen wir jetzt verhindern.

Bernd Lange Landrat Görlitz

Während die Hausbrauerei Bierblume ihre Holzhütte nunmehr geschlossen hält, bietet ein anderes Geschäft als Ergänzung zum Imbiss nicht nur "Kaffee to go", sondern weiterhin auch einen Glühwein an. Passanten nutzen gerne dieses Angebot, stehen dann in der Nähe zusammen oder schlendern samt Glühweinbecher meist ohne Maske weiterhin durch die Altstadt.


Maskenpflicht wird vielfach ignoriert

Maskenkontrolle Innenstadt Görlitz
Bildrechte: Danilo Dittrich

Landrat Lange hat die Landespolizei gebeten, die Ordnungsämter bei Kontrollen zu unterstützen. Als zwei Mitarbeiter des Görlitzer Ordnungsamtes auf einer Geschäftsstraße einen Mann ohne Maske ansprechen, bezeichnet dieser sich als Raucher und verweist auf seinen Glimmstengel. Nur einige Schritte weiter ist ein Jugendlicher ohne Mund-Nasen-Schutz in der Fußgängerzone unterwegs. Er ignoriert zunächst die Mitarbeiter des Ordnungsamtes. Als sie ihn zur Rede stellen wollen, macht er sich auf flinken Füßen aus dem Staub.

Auch eine junge Frau vor einem Schaufenster verweigert eine Maske und sorgt damit bei anderen Passanten für Unverständnis. "Ich werde die Fußgängerzone nicht verlassen, warum auch", sagt die Maskenverweigerein trotzig.

Wir können es in der derzeitigen Lage nicht verstehen, dass Menschen eine Maske ablehnen. Es dient ja nicht nur dem Schutz, sondern ist auch eine Art der Höflichkeit gegenüber anderen.

Maskenbefürworter Görlitzer Ehepaar

Eine etwa 60 Jahre alte Frau ist in Görlitz mit einem ärztliches Attest unterwegs, welches sie nach einer angeblich schweren Lungenentzündung von der Maskenpflicht befreit. Das Attest erweist sich als ungültig. Auch ein Rentner pfeift auf die Maskenpflicht: Er sei schwer behindert und leide unter Atemnot.


Gottesdienste am Heiligabend sollen möglich sein

Die Mehrheit der Oberlausitzer halte sich an die Coronaregeln, ein Teil aber noch immer nicht, bedauert Landrat Lange. Deshalb appelliert er erneut, alle Einschränkungen erst zu nehmen und zu befolgen. "Nur wenn es gelingt, dass sich die Lage entspannt, ist eine Lockerung der Einschränkungen zu Weihnachten möglich!"

Zusammen mit Vertretern der evangelischen und der katholischen Kirche hatte der Landrat nach Wegen gesucht, Gottesdienste an Weihnachten zu ermöglichen. Weitere Gespräche dazu soll es in den nächsten Tagen geben.


Klingel mindert Umsatzeinbußen

Die kleine Hausbrauerei in der Görlitzer Altstadt hat auf das Alkoholverbot reagiert. An einem Fenster der Kneipe wurde ein Klingel installiert und so kann sich jeder seine "Bierblume" abholen, um diese in heimischen Wänden zu genießen.

Als Selbstständiger ist man immer wieder gefordert, sich neu zu erfinden und nach neuen Wegen zu suchen und das machen wir auch.

Diana Metzner Hausbrauerei "Bierblume"

Noch ist das finanzielle Polster aus dem Sommer groß genug, die nächsten Wochen überstehen zu können. Doch falls sich die Einschränkungen bis ins Frühjahr hinziehen, könnte es schwierig werden. "Drei Lehrlinge und die Pacht sollen und müssen bezahlt werden, sagt Alexander Klaus mit Sorgenfalten auf der Stirn. Der Brauer setzt jetzt auf Flaschenbier, welches mühsam mit der Hand abgefüllt wird und auf eine Klingel für die Stamm- sowie Laufkundschaft.

Die Bierbrauer akzeptieren übrigens die strengen Corona-Regeln, denn ihre Gesundheit, die Gesundheit ihrer vier Kinder und die, ihrer Gäste sind wichtiger als Umsatzeinbußen.

Aktuelle Lage in den Landkreisen Bautzen und Görlitz Im Landkreis Görlitz sind im Zusammenhang mit einer SARS-CoV-2-Erkrankung 20 weitere Personen verstorben. Damit erhöht sich die Zahl der Todesfälle seit Beginn der Pandemie auf 153.

Im Landkreis Bautzen sind es mittlerweile 91 Todesfälle - nachdem fünf weitere Patienten verstorben sind. Auch die Zahl der Corona-Neuinfektionen steigt weiter stark an: Das Gesundheitsamt des Landkreises Görlitz meldet 192, der Landkreis Bautzen 132 neue Fälle. Hier ist ein Pflegeheim in Bautzen stärker betroffen. Für das Heim wird nun Unterstützung durch die Bundeswehr beantragt. Ebenfalls angefragt ist Unterstützung von Soldaten für das Krankenhaus in Radeberg.

Quelle: MDR/uwa

Dieses Thema im Programm bei MDR SACHSEN MDR SACHSEN - Das Sachsenradio | 01.12.2020 | 16:20 Uhr
MDR SACHSENSPIEGEL | 01.12.2020 | 19:00 Uhr

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