Von außen macht der Laden in der Bahnhofstraße schon was her. Innen wird derzeit noch gebaut. Nutzen lässt sich ein Teil der Räume aber schon. Stefanie Heidrich ist froh über die Initiative von Sylvio Pfeiffer-Prauß. So kam sie kurzfristig an einen  neuen Arbeitsplatz.
Von außen macht der Laden in der Bahnhofstraße schon was her. Innen wird derzeit noch gebaut. Nutzen lässt sich ein Teil der Räume aber schon. Stefanie Heidrich ist froh über die Initiative von Sylvio Pfeiffer-Prauß. So kam sie kurzfristig an einen neuen Arbeitsplatz. Bildrechte: MDR/Jenny Hauswald

11.07.2019 | 12:52 Uhr Löbau bekommt einen Coworking Space

Bislang gibt es sie hauptsächlich in Großstädten. In der Lausitz aber sind sie noch rar: Coworking Spaces - eine Art unverbindliche Bürogemeinschaft. Jetzt entsteht in Löbau eine solche Einrichtung.

Von außen macht der Laden in der Bahnhofstraße schon was her. Innen wird derzeit noch gebaut. Nutzen lässt sich ein Teil der Räume aber schon. Stefanie Heidrich ist froh über die Initiative von Sylvio Pfeiffer-Prauß. So kam sie kurzfristig an einen  neuen Arbeitsplatz.
Von außen macht der Laden in der Bahnhofstraße schon was her. Innen wird derzeit noch gebaut. Nutzen lässt sich ein Teil der Räume aber schon. Stefanie Heidrich ist froh über die Initiative von Sylvio Pfeiffer-Prauß. So kam sie kurzfristig an einen neuen Arbeitsplatz. Bildrechte: MDR/Jenny Hauswald

Stefanie Heidrich steigt ins Obergeschoss hinauf, zieht ihren Laptop aus der Tasche und nimmt am Schreibtisch Platz. Drei Balken in der Bildschirmecke verdeutlichen: voller WLAN-Empfang. Der fehlt der 32-Jährigen zu Hause. "Ich habe aus Versehen vor eineinhalb Jahren meinen Telekomvertrag gekündigt, habe das einfach komplett vergessen und saß dann ohne Internet zu Hause", erzählt die selbstständige Unternehmens- und Softwareberaterin. Dann habe sie sich an einen Facebook-Eintrag zum Coworking erinnert. Der Verein "Löbau lebt" wollte so etwas in der Bahnhofstraße einrichten. Heidrich rief dort an. "Innerhalb von ein paar Stunden habe ich den Schlüssel bekommen, konnte mich ausbreiten und vernünftig weiterarbeiten."

Der Verein "Löbau lebt" hat einen Teil des Gründerzeitgebäudes im April angemietet. Die Idee für den Coworking Space gab es aber schon länger. Sie entstand aus eigener Erfahrung, berichtet Initiator Sylvio Pfeiffer-Prauß. Der 42-Jährige hat sich vor anderthalb Jahren selbstständig gemacht, arbeitet seitdem als Projektmanager für Digitalisierungsvorhaben. "Ich hab relativ schnell gemerkt, dass das Zu-Hause-arbeiten Grenzen hat und dass es eine räumliche Trennung braucht zwischen Privat und Arbeit. Zum anderen ist es zumindest ab und zu ganz angenehm, auch andere Leute treffen zu können", sagt Pfeiffer-Prauß.

Ein kürzerer Weg zum Arbeitsplatz für Pendler

Zusätzliche Motivation gab der Austausch mit Berufspendlern, die eine Stunde nach Dresden fahren, um sich dort acht Stunden vor den Computer zu setzen. "In Zeiten von vollen Autobahnen und steigenden Benzinpreisen ist das nicht wirklich sinnvoll, wenn man seine Büroarbeit genauso gut zu Hause oder in der Nähe des Zuhauses erledigen könnte", bekräftigt Pfeiffer-Prauß.

Seit 2017 beschäftigten sich die Vereinsmitglieder von "Löbau lebt" deshalb damit, wie ein Konzept für einen Coworking Space in ihrer Stadt aussehen könnte und welche Rahmenbedingungen dafür geschaffen werden müssten. Erst mit dem Laden in der Bahnhofstraße fanden sie geeignete Räume. Für das Gebäude sprach unter anderem die ausgezeichnete Lage zwischen Bahnhof und Altstadt. Außerdem sei ihnen der private Vermieter bei der Miete entgegen gekommen. Einst beherbergte das 1898 erbaute Haus das "Café Rutsch" – seinerzeit eine Institution in Löbau. Doch 1950 schloss das Café. Danach wurden in dem zweistöckigen Ladengeschäft Herrenmode, Küchen, Obst und Gemüse verkauft. Dann stand das Geschäft lange leer.

Aus Tanzcafé wird Kultur- und Gründerzentrum

Stefanie Heidrich gehört zu den ersten Nutzern des neuen Coworking Spaces in Löbau.
Stefanie Heidrich gehört zu den ersten Nutzern des neuen Coworking Spaces in Löbau. Bildrechte: MDR/Jenny Hauswald

"Löbau lebt" will hier auf 250 Quadratmetern ein Kultur- und Gründerzentrum aufbauen. "Wir glauben, dass das Konzept notwendig und sinnvoll ist", sagt Sylvio Pfeiffer-Prauß. "Weil es zunehmend Leute gibt, die nicht selbstständig, sondern angestellt sind und mit ihren Arbeitgebern Home office verabredet haben, wo aber die Rahmenbedingungen zu Hause nicht optimal sind bzw. auch Ablenkungsfaktoren zu Hause da sind, die eine produktive Arbeit nicht ermöglichen."

Prauß hat Schreibtische, Stühle und eine Kaffeemaschine rangeschafft. Schnelles Internet gibt es schon. Das alles kann gegen eine wöchentliche Gebühr genutzt werden. Drucker und Kopierer werden auch bald angeschlossen. Stefanie Heidrich schätzt dieses neue Angebot: "Es ist nah am Bahnhof, man kommt da in ein paar Minuten auch zu Fuß super hin. Hier ist gegenüber ein Fleischer, ein Bäcker. Man kann Mittag essen. Man hat am Arbeitsplatz seine Ruhe, schnelles Internet und man hat viele Leute, mit denen man sich austauschen kann. Sonst sitze ich alleine zu Hause. Hier trifft man mal andere, die haben vielleicht eine andere Arbeitsweise, vielleicht auch mal eine andere Sicht oder verwendete Programme, was das Arbeitsleben ein bisschen leichter macht."

Den Löbauern einen Anlaufpunkt bieten

Diesen Austausch wollen die Initiatoren des Gemeinschaftsbüros fördern. Sie planen Informationsveranstaltungen für Gründer und Selbstständige. Doch nur dabei soll es nicht bleiben. "Wir wollen diese zwei Etagen nutzen, wie es eben in Löbau notwendig ist, weil bestimmte Angebote nicht da waren", erklärt Pfeiffer-Prauß. Neben dem Coworking und Gründergeschehen sollen in dem Haus ein Kino und ein Nachbarschaftsladen Platz finden. Auch Lesungen, Theater und Musik werden in der Bahnhofstraße 26 präsentiert. "Wir wollen ein Anlaufpunkt sein für die Menschen, die hier in der Stadt wohnen, wo sie miteinander reden können", beschreibt Pfeiffer-Prauß das Ziel.

Das Projekt Coworking Space anzugehen habe Mut erfordert, sagt Sylvio Pfeiffer-Prauß. "Aber es fühlt sich ganz gut und richtig an. Wir brauchen hier nicht hunderte Nutzer. Das sind kleine Räume. Ich glaube mehr als 5 bis 6 Leute können hier gleichzeitig gar nicht sinnvoll arbeiten." Zurzeit wird in der Einrichtung nicht nur an den Schreibtischen, sondern auch handwerklich gearbeitet. Denn in den Räumen ist noch einiges zu tun. Im September soll alles fertig sein.

Quelle: MDR/mk

Dieses Thema im Programm bei MDR SACHSEN MDR SACHSEN | 12.07.2019 | 16:30 Uhr im Regionalreport aus dem Studio Bautzen

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4 Kommentare

12.07.2019 16:25 Frabi 4

Herrjeh, was ist das für eine Blitzbirne. Vergessen das der Vertrag mit dem Internetanbieter gekündigt wurde. Die melden sich doch zig Mal vor Eintritt der Kündigung. Die wöchentliche Abrechnung wird wohl teurer. Soviel zur Kompetenz von Unternehmens-und Softwareberatern ;-)

11.07.2019 19:04 HK 3

Gute Idee. Warum nicht noch einen Schritt weiter und das Angebot erweitern. Nirgends kann man konzentrierter arbeiten, als auf dem Dorf. Arbeiten, wo andere Urlaub machen.

11.07.2019 17:05 FSee 2

Interessante Initiative - und Anregung. Gut dass das Thema aufgegriffen wird. Ich würde gern mehr von solchen Projekten im ländlichen Raum lesen, ergänzt um Hinweise zum "Nachmachen" (Wer berät z. B. einen Immobilienbesitzer, wenn er freie Flächen dafür zur Verfügung stellen möchte? Was ist rechtlich anders als bei einer Büromiete u.s.w.?)

11.07.2019 13:52 Willkommen in Deutschland 1

COWORKING SPACE

in Sachsen!!!!

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