Ein Mann hat das Kreuz geschultert. Der Kreuzweg in Görlitz beginnt.
Bildrechte: MDR/Uwe Walter

19.04.2019 | 18:48 Uhr Deutsche und polnische Christen gehen Kreuzweg in Görlitz

In Görlitz sind deutsche und polnische Christen am Karfreitag gemeinsam den traditionellen Kreuzweg gegangen. An insgesamt sieben Stationen wurde dem Leidensweg Jesu Christi und seinem Tod am Kreuz gedacht. Die Prozession endet traditionell mit einer Andacht am Heiligen Grab, einer originalgetreuen Nachbildung der Grabeskapelle in Jerusalem.

Ein Mann hat das Kreuz geschultert. Der Kreuzweg in Görlitz beginnt.
Bildrechte: MDR/Uwe Walter

Görlitz ist wie Jerusalem auf sieben Hügeln erbaut. "Wer vom Krematorium hinab auf die Stadt schaut, wird staunen", sagte einst der Polizeipfarrer im Ruhestand Uwe Mader: "Jerusalem und Görlitz ähneln sich wie zwei Schwestern. Dort, wo in Görlitz die Lutherkirche in den Himmel ragt, befindet sich im Heiligen Land der Felsendom."
Doch es gibt noch mehr Gemeinsamkeiten zwischen den beiden Städten. Seit dem 15. Jahrhundert besitzt Görlitz eine originalgetreue Nachbildung des Heiligen Grabes. In Jerusalem wurde das Original mehrfach verändert und sogar überbaut. In Görlitz blieb der Nachbau in seinem Erscheinungsbild aus dem 12. Jahrhundert nahezu unverändert.

In Vergessenheit geraten

Das Heilige Grab ist ein Zeugnis spätmittelalterlicher Frömmigkeit. Die Anlage am Ölberg besteht aus der Doppelkapelle zum Heiligen Kreuz, dem Salbhaus und der Grabkapelle. Vor dem Zweiten Weltkrieg war die gesamte Anlage ein beliebtes Pilgerziel. Sie diente vielfach als Ersatz für die gefährliche und teure Reise nach Jerusalem, denn in Görlitz konnten die Pilger ebenfalls ihrer Spiritualität nachgehen. Die zum Teil jahrhundertealten Inschriften zeugen davon. Doch nach dem Zweiten Weltkrieg geriet das Heilige Grab in Vergessenheit. Nur in Görlitz hat sich die spirituelle Bedeutung der Anlage erhalten.

Teilnehmer haben nach dem Kreuzweg das Heilige Grab erreicht
Das Heiliges Grab zu Görlitz: Teilnehmer der Karfreitagsprozession warten in der Grabanlage auf die Andacht zur Totenstunde Christi. Bildrechte: MDR/Uwe Walter

Die Via Dolorosa als Schauspiel

Auf dem Kreuzweg zieht an Karfreitag eine Prozession zum Ölberg. Die Via Dolorosa - "die schmerzensreiche Straße" - führt von der Peterskirche durch die Nikolaivorstadt bis zum Heiligen Grab und zählt auch etwa 1.000 Schritte.

Man muss eben erkennen, dass es zum Begreifen des Karfreitags gehört, dass man selber das Kreuz trägt, dass man selber den Weg unter die Füße nimmt und dass man selber mit dem Herzen in der Frömmigkeit unterwegs ist.

Margrit Kempgen Evangelische Innenstadtgemeinde

Der Kreuzweg ist dem Leidensweg Jesu Christi nachempfunden. An sieben Stationen wird an die Passionsgeschichte erinnert und an den Tod am Kreuz. Etwa 500 Gläubige aus Deutschland, aber auch einige Polen gingen am Karfreitag gemeinsam den Kreuzweg in Görlitz.

In der Art, wie wir in Görlitz an den Stationen innehalten, ist das dreimal angenehmer als in Jerusalem. Dort droht das Ganze zum Schauspiel zu verkommen und das ist niemals der Sinn eines Kreuzweges.

Margrit Kempgen Evangelische Innenstadtgemeinde

Bildergalerie Karfreitagsprozession in Görlitz

Blick vom Ölberg auf Görlitz
Der Blick vom Ölberg auf Görlitz: Jerusalem soll ähnlich aussehen. Wo sich ganz rechts in Jerusalem der Felsendom befindet, steh in Görlitz die Lutherkirche. Vor dem Betrachter liegt in beiden Städten das Heilige Grab. Bildrechte: MDR/Uwe Walter
Blick vom Ölberg auf Görlitz
Der Blick vom Ölberg auf Görlitz: Jerusalem soll ähnlich aussehen. Wo sich ganz rechts in Jerusalem der Felsendom befindet, steh in Görlitz die Lutherkirche. Vor dem Betrachter liegt in beiden Städten das Heilige Grab. Bildrechte: MDR/Uwe Walter
Christen hinter einem Kreuz in Görlitz
Nach einem Gottesdienst in der Krypta der Peterskirche beginnt der Kreuzweg. Bildrechte: MDR/Uwe Walter
Ein Mann hat das Kreuz geschultert. Der Kreuzweg in Görlitz beginnt.
Wie in Jerusalem zählt die "schmerzensreiche Straße", die Via Dolorosa, in Görlitz etwa 1.000 Schritte. Bildrechte: MDR/Uwe Walter
Andacht an einer Station beim Kreuzweg
An sieben Stationen halten die Gläubigen inne und gedenken der Leiden Christi. Bildrechte: MDR/Uwe Walter
Beim Jesusbäcker teilen die Gläubigen salziges Brot
An der der Jesusbäckerei teilen die Gläubigen salziges Brot. Bildrechte: MDR/Uwe Walter
Letzte Andacht vor dem Heiligen Grab
Die letzte Andacht vor dem Heiligen Grab zu Görlitz. Bildrechte: MDR/Uwe Walter
Teilnehmer haben nach dem Kreuzweg das Heilige Grab erreicht
Die Karfreitagsprozession hat die Grabanlage ereicht. Hier werden die Osterfeierlichkeiten mit Gottesdiensten und Andachten fortgesetzt. Bildrechte: MDR/Uwe Walter
Doppelkapelle am Heiligen Grab
Die Doppelkapelle am Heiligen Grab. Bildrechte: MDR/Uwe Walter
Rötelinschriften von Pilgern am Heiligen Grab
Früher, noch im 20.Jahrhundert, war das Heilige Grab ein beliebtes Ziel der Pilger. Hunderte haben sich mit Rötelstiften an der Grabanlage verewigt. Bildrechte: MDR/Uwe Walter
Warten auf die Andacht zur Todesstunde Christi vor dem Heiligen Grab
Gläubige warten auf die Andacht zur Todesstunde Christi vor dem Heiligen Grab. Am Abend folgt der Bußgang katholischer Männer. Bildrechte: MDR/Uwe Walter
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In Görlitz endet die Prozession traditionell am Heiligen Grab mit einer Andacht zur Todesstunde Christi. Damit sind aber die Osterfeierlichkeiten an der mehr als 500 Jahre alten Grabanlage nicht zu Ende. Sie werden am Abend mit dem Bußgang katholischer Männer fortgesetzt.

Am Karsamstag gibt es Gottesdieste zur Grabesruhe und am Ostersonntag treffen sich bereits am frühen Morgen gegen fünf Uhr Görlitzer Frauen zur Andacht am leeren Grab.

Quelle: MDR/wa

Dieses Thema im Programm bei MDR SACHSEN MDR SACHSEN - Das Sachsenradio | 19.04.2019 | ab 6:00 Uhr in den Nachrichten
MDR SACHSENSPIEGEL | 19.04.2019 | 19:00 Uhr

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1 Kommentar

20.04.2019 22:49 Paul 1

schön die Christen zu sehen die unsere Traditionen noch pflegen können. Grüsse an unsere polnischen Freunde

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