07.05.2020 | 11:41 Uhr Nationalpreis für den Oberbürgermeister von Weißwasser

Torsten Pötzsch
Torsten Pötzsch, OB von Weißwasser Bildrechte: dpa

Der Oberbürgermeister von Weißwasser, Torsten Pötzsch, erhält den diesjährigen Deutschen Nationalpreis. Der 49-Jährige wird damit für sein Engagement gegen Hass und die Spaltung der Gesellschaft geehrt.

Drohungen und Hassbotschaften gehörten zum Alltag von Torsten Pötzsch, heißt es in der Begründung der Deutschen Nationalstiftung zur Auswahl des diesjährigen Preisträgers. Auch einen Anschlag habe der Stadtchef schon überlebt: 2019 hatten Unbekannte die Schrauben an den Rädern von Pötzschs Privatwagen gelockert. Trotzdem lasse er sich nicht beirren und suche unermüdlich den Dialog mit Bürgern, um den Zusammenhalt und die Lebensqualität in seiner Stadt zu stärken, so die Stiftung.

Kommunale Politikerinnen und Politiker, sei es im Hauptamt oder im Ehrenamt, bilden eine wichtige Stütze unserer Demokratie. Umso bestürzender ist es, dass immer mehr von ihnen zur Zielscheibe extremistischer Anfeindungen und Übergriffe werden.

Thomas Mirow Vorstandsvorsitzender der Deutschen Nationalstiftung

Beispielhaft sei, so die Deutsche Nationalstiftung, die "Oberbürgermeister-Gerüchteküche". Diese hat das parteilose Stadtoberhaupt ins Leben gerufen. In unregelmäßigen Abständen stellt sich Pötzsch auf dem Marktplatz von Weißwasser den Fragen und der Kritik der Bürger, informiert sie und stellt Gerüchte richtig. Der Deutsche Nationalpreis ist mit 30.000 Euro dotiert.

"Ich fühle mich sehr geehrt, als Bürgermeister einer relativ kleinen Stadt mit großen finanziellen Problemen und einem bevorstehenden Umbruch durch den Kohleausstieg mit dem Deutschen Nationalpreis ausgezeichnet zu werden. Ich sehe mich dabei als Vertreter so vieler Bürgermeister in Gemeinden und Städten, die sich immer wieder Angriffen auf die eigene Person, die Familie, auf Freunde und Bekannte ausgesetzt sehen", sagt Torsten Pötzsch zu der Ehrung.

Förderpreis an Kampagne gegen Online-Hetze

Der mit 20.000 Euro dotierte Förderpreis geht an das journalistische Netzwerk "Neue deutschen Medienmacher*innen", das sich als Träger der Kampagne "No Hate Speech Movement" gegen Online-Hetze engagiert. In Deutschland koordiniert das Netzwerk seit 2016 die vom Europarat entwickelte Kampagne, die Unterstützung im Umgang mit Hassbotschaften anbietet. Vor allem junge Menschen würden dadurch für das Thema sensibilisiert, erklärt Agata Klaus, Geschäftsführerin der Deutschen Nationalstiftung.

Aufgrund der Corona-Kontaktbeschränkungen soll die Preisverleihung nicht wie geplant im Juni, sondern erst im November in Hamburg stattfinden. Um die Preisträger zeitnah zu würdigen, soll ihnen Ende Juni digital mit Glückwünschen, Statements und Videoclips gratuliert werden.

Die Deutsche Nationalstiftung war 1993 vom früheren Bundeskanzler Helmut Schmidt und Weggefährten gegründet worden. Sie ehrt seit 1997 Menschen, die sich für den Zusammenhalt in Deutschland und die Identität des Landes in einem vereinten Europa engagieren.

Quelle: MDR/ma

Dieses Thema im Programm bei MDR SACHSEN MDR SACHSEN - Das Sachsenradio | 07.05.2020 | 10:30 Uhr in den Regionalnachrichten aus dem Studio Bautzen

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