Sterbebegleitung Hospiz Niesky: Zwischen Willkommen und Abschied

Vor einem Jahr wurde das "Haus am Wege" in Niesky eröffnet. Das Hospiz war inzwischen für 70 Bewohnerinnen und Bewohner ihr letztes Zuhause. Für manche ist es mehr als das Warten auf den Tod.

Die Hand einer Pflegerin haelt die Hand eines alten Mannes.
Bildrechte: imago/Rupert Oberhäuser

Wenn ihre Pflege zu Hause unmöglich wird und Ärzte im Krankenhaus ihnen nicht mehr helfen können, dann können Sterbenskranke in ein Hospiz wie das "Haus am Wege" in Niesky ziehen. Seit einem Jahr begleiten zwei Dutzend Mitarbeiter diese Menschen auf den letzten Tagen ihres Lebens. Für manche bedeutet der Aufenthalt hier noch einmal ein richtiges Atemholen, sagt Hospizleiterin Friederike Salewski: "Wir erleben mehr und mehr, dass Menschen zu uns kommen, die ganz alleine sind. Sie bekommen hier seit vielen Jahren überhaupt wieder Gesellschaft und Zuwendung durch andere Menschen."

Neu errichtetes Hospiz in Niesky
Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Jeden Moment wahrnehmen

Mancher Gast ist nur zwei Stunden da. Andere genießen noch mehrere Wochen in dem Haus, das zur Diakonissenanstalt Emmaus gehört. So wie ein älterer Herr, der das ganze Frühjahr in einem Liegestuhl vor seinem Zimmer in der Sonne saß, erzählt Friederike Salewski. Er sei zwar jeden Tag ein bisschen dünner geworden, habe alles aber noch einmal bewusst genossen.

Das ist mir ein Beispiel für mich und mein Leben geworden, also den Moment auch wirklich wahrzunehmen, wenn er dran ist.

Friederike Salewski Hospizleiterin

 Ehrenamtliche Arbeit schwierig

Neu errichtetes Hospiz in Niesky
Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Um den Bewohnern mehr solcher Glücksmomente zu ermöglichen, unterstützen normalerweise ehrenamtliche Helfer die Mitarbeiter des Hospizes. Wegen der Corona-Pandemie ist dies aber momentan schwierig. Es könne immer nur ein Ehrenamtlicher oder eine Ehrenamtliche ins Hospiz, so Salewski. Da gehe auch viel verloren, sagt die Hospizleiterin.

Die Einrichtung ganz für Besucher zu schließen, kam für Friederike Salewski aber nicht in Frage. Schließlich zähle am Lebensende jede Minute, jede Begegnung, jedes Gespräch.

Es wird der Moment kommen, wo das alles nie mehr zu wiederholen geht.

Friederike Salewski Hospizleiterin

Auch deshalb haben die Hospizmitarbeiter mit ihren Bewohnern am Freitag in kleiner Runde auf ein Jahr "Haus am Wege" angestoßen.

Quelle: MDR/mk/vis

Dieses Thema im Programm bei MDR SACHSEN MDR SACHSEN - Das Sachsenradio | 20.11.2020 | 12:30 Uhr in den Regionalnachrichten aus dem Studio Bautzen

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