Nach Einbruch: Verwüstetes Büro in der Görlitzer Altstadt
Bildrechte: Alfred Theisen

Frust an der Neiße Einbruchsopfer in Görlitz sehen im Rechtsstaat einen zahnlosen Tiger

Seit Anfang Dezember wird die Görlitzer Altstadt immer wieder von Einbrechern heimgesucht. Oft kommen die Ganoven sogar mehrmals hintereinander auf der Suchen nach Beute, die sich schnell zu Geld machen lässt. Pro Tag registriert die Polizei mittlerweile bis zu drei Einbrüche in der Innenstadt.

Nach Einbruch: Verwüstetes Büro in der Görlitzer Altstadt
Bildrechte: Alfred Theisen

In der Görlitzer Altstadt sind viele Geschäftsleute verärgert. Seit Anfang Dezember brechen Diebe immer wieder in Büros, Gaststätten und Geschäfte ein und stehlen alles, was nicht niet- und nagelfest ist. So hat es ein Gourmetrestaurant seit Dezember bereits fünf Mal erwischt.

In der Brüderstraße betreibt Alfred Theisen nicht nur das Geschäft "Schlesische Schatztruhe", sondern über dem Geschäft befindet sich sein Reisebüro und dort hat auch der Senfkornverlag sein Domizil. "Es waren die schlimmsten Tage, die ich je erlebt habe, seit ich in Görlitz bin", sagt Alfred Theisen.

Wir hatten hintereinander gleich zwei Einbrüche, den ersten am 18. Dezember und den zweiten am 30. Dezember. Das war der schlimmere, weil bei diesem Einbruch die gesamte Computertechnik und die Telefonanlage zerstört bzw. gestohlen wurde.

Alfred Theisen Verleger

Auch Enrico Kasper, der Geschäftsführer der EuropaChor-Akademie gGmbH, kann das Problem kaum fassen. Die Einbrecher zerstörten Fenster und Türen und hausten beim Europachor wie die Vandalen. Historische Türen im Wert von 1.000 Euro wurden einfach eingetreten. Die Beute fiel dabei eher dürftig aus: Vier Päckchen Kaffee, ein Fernseher und ein paar kleine WLAN-Verstärker für die Steckdose.

Dunkle Gestalten im Büro

Beim zweiten Einbruch in sein Büro hatte Alfred Theisen möglicherweise Glück im Unglück. Überraschend tauchte er in seinem Büro auf und entdeckte eine dunkle Gestalt. Allerdings war der Verleger so verblüfft, dass er zu spät reagierte und der Einbrecher entkam. "Es war besser so, denn bei einer körperlichen Auseinandersetzung hätte ich möglicherweise den Kürzeren gezogen, trösteten mich später meine Mitarbeiter", erzählt der Görlitzer Verleger.

Nach Einbruch: Schubladen und Papier liegen auf dem Boden, Chaos!
Einbrecher haben im Büro ein Chaos angerichtet. Bildrechte: Alfred Theisen

Das macht uns immer noch schwer zu schaffen, denn das waren bislang die heftigsten Attacken auf unsere Geschäfte und Büros.

Alfred Theisen Verleger

Seit 20 Jahren ist Alfred Theisen in Görlitz beheimatet. Immer wieder war er bestohlen worden, sodass er aufgehört zu zählen. Auch sein Kleinbus verschwand vor einigen Jahren und wurde von der polnischen Polizei wieder aufgefunden. Trotzdem sagt der Verleger resigniert: "Meist kommt nach einem reichlichen halben Jahr das Schreiben von der Staatsanwalt: Das Verfahren wird eingestellt, ein Täter konnte nicht ermittelt werden." In den Augen von Alfred Theisen ist der Rechtsstaat ein zahnloser Tiger geworden.

Mehr Polizeipräsenz in der Görlitzer Altstadt

Die Polizeidirektion Görlitz hat die deutliche Zunahme der Straftaten registriert: "Die Polizei nimmt diese Entwicklung sehr aufmerksam wahr und hat die Präsenz in der Görlitzer Innenstadt insbesondere in den Nachtstunden verstärkt", heißt es auf Anfrage von MDR SACHSEN.

Thomas Knaup von der Polizeidirektion Görlitz
Thomas Knaup von der Polizeidirektion Görlitz Bildrechte: TeleNewsNetwork GmbH& Co. KG

Beute der Täter waren zumeist Gegenstände, welche schnell zu Geld gemacht werden können, beispielsweise technische Geräte, Werkzeuge oder Fahrräder, aber auch Bargeld selbst. In Zahlen ausgedrückt sprechen wir derzeit über etwa 90 Fälle, die der Polizei im Zeitraum 1. Dezember 2018 bis 4. Januar 2019 in den Stadtteilen historische Altstadt und Innenstadt bekannt wurden.

Thomas Knaup Polizeidirektion Görlitz

Erfolge und Fehlschläge

Die erhörte Polizeipräsenz in der Görlitzer Altstadt zeigt offenbar Wirkung. Einige Tatverdächtige konnten auf frischer Tat gestellt werden. "Hierbei handelt es sich beispielsweise um einen 21-jährigen polnischen Staatsbürger, der von einer Streife an der Finstertorstraße gestellt wurde. Ebenso hat die Polizei in der Nacht an der Bäckerstraße und Neißestraße zwei mutmaßliche Fahrraddiebe ertappt. Hierbei handelte es sich um deutsche Staatsbürger im Alter von 33 und 40 Jahren", teilte die Polizei nach Anfrage von MDR SACHSEN mit.

Möglicherweise wurde sogar einer der Diebe kontrolliert, der bei Alfred Theisen eingebrochen war. Bei ihm fanden Polizisten einen USB-Stick, der aus dem Verlag stammte. Die Beamten ließen laut Theisen den jungen Mann wieder laufen.

 Das ist unverständlich, denn uns ist unter anderem der Server mit überlebenswichtigen Datenbanken des Betriebes gestohlen worden.

Alfred Theisen Verleger

Im Senfkorn-Verlag entdeckten die Mitarbeiter beim Aufräumen Dinge, die nicht in ein Büro gehören. Möglicherweise können die als Beweismittel Hinweise auf die Täter geben. Theisen versuchte bislang vergeblich, die Polizei darauf aufmerksam zu machen. "Die Beamten haben keine Schuld, die sind einfach überlastet", meint Theisen.

"Die Ermittlungen zu den bislang bekannt gewordenen Sachverhalten werden vom Kriminaldienst des Polizeireviers Görlitz geführt. Die Untersuchungen dauern in allen der jüngst geschehenen Fälle an," schreibt dazu Thomas Knaup von der zuständigen Polizeidirektion.

 Quelle: MDR/uwa

Dieses Thema im Programm bei MDR SACHSEN MDR SACHSEN - Das Sachsenradio | 09.01.2019 | Regionalnachrichten ab 05:30 Uhr

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Zuletzt aktualisiert: 09. Januar 2019, 20:08 Uhr

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9 Kommentare

11.01.2019 12:07 Franzi 9

ja das ist das schöne Deutschl. die dafür verantwortlich sind dort würd nicht gemaust, aber bei dem normalen Bürger, leider und es geht immer , immer so weiter, fein.

10.01.2019 20:12 Schmitt 8

Zitat vom Verleger: "Uns ist unter anderem der Server mit überlebenswichtigen Datenbanken des Betriebes gestohlen worden."

Das ist natürlich bitter. Aber wahrscheinlich haben die Täter die Daten schon alle gelöscht. Und den Server irgendwo in Osteuropa verkauft oder ausgeschlachtet.

10.01.2019 19:48 colditzer 7

"Einbruchsopfer in Görlitz sehen im Rechtsstaat einen zahnlosen Tiger"
Gut, liebe Foristen.
Was wird sich also bei deser Politik, dieser Justitz und dieser Polizei in den nächsten Jahren ändern?
Nichts.
Und das ist politisch gewollt.

10.01.2019 17:32 Morchelchen 6

Da fühlt man regelrecht mit. Schlimm, dass immer mehr Menschen nicht mehr zwischen Dein und Mein unterscheiden können. Vor 30 Jahren war es in dieser Hinsicht völlig anders. Ich erinnere mich noch sehr gut daran, wie oft meine Kollegin erzählte, dass ihr Rassekater mal wieder nachts von innen die Haustür per Sprung auf die Klinke geöffnet hatte und die morgens sperrangelweit aufgestanden hatte. Es war nie was weg gekommen - wirklich...

10.01.2019 15:17 Gaihadres 5

@Nr.3+4: Es gibt Alternativen. Die hat es bei jeder Wahl gegeben, da wir in einem Mehrparteiensystem leben. Wahlwerbung können Sie am Stand betreiben - hier ist das absolut unangebracht und verhöhnt die Opfer der Einbrüche. Trotzdem sei angemerkt, dass weder Kommunal- noch Landesebene die rechtliche Befugnis zur Sicherung der Außengrenze haben - auch wenn Bayern bisweilen diesen Eindruck vermitteln mag. Aber auch das ist nur ein Papiertiger, denn wer die Grenze überschreiten will, wird das auch tun.

10.01.2019 13:33 Ralf Richter 4

"Einbruchsopfer (...) sehen im Rechtsstaat einen zahnlosen Tiger"
Den zahnlosen Tiger unterschreibe ich sofort.
Und das gilt nicht nur für Görlitz und nicht nur Einbruchsopfer!
Die Sachsen und auch Sie lieber Hr. Theisen haben dieses Jahr die Chance, die Verhältnisse zumindest auf kommunaler und auf Landesebene zu ändern.
Das Kreuz an die richtige Stelle auf den Stimmzettel gesetzt und nicht nur jammern.
Es gibt immer eine Alternative!

10.01.2019 11:32 Sachse43 3

Wer Politiker wählt, die sich weigern die Grenze schützen zu lassen, sollte aufhören zu jammern!

10.01.2019 09:02 Lehmann 2

Warum wurden die Geschäftsinhaber der Altstadt von den vielen Vorfällen nicht informiert? So hätte man sich vielleicht etwas besser schützen können wenigstens!!!

09.01.2019 20:33 May 1

Ich habe auch den Eindruck, daß die Opfer in Deutschland die Leidtragenden sind. Es fragen selten Institutionen nach den Betroffenen. Den Schuldigen soll es gut gehen.
Warum?
Für mich gibt es keine Gerechtigkeit in unserem Land.
Gerechtigkeit wird durch den erwirkt, der es sich finanziell leisten kann
Leider!
Ich habe den Eindruck, daß unsere Gesetze nicht der Zeit entsprechen. Wenn Bürger frei gesprochen werden müssen, weil die Zeit abgelaufen ist für einen Prozess!! Die Situation eskaliert ja, seit dem Ausländer in unser Land gekommenen sind, die unseren Sozialstaat ausnutzen .
Ich bin sozial eingestellt. Jeder, der in Not ist, soll geholfen werden. Aber dies auch im Inland! Ich bin sehr traurig, was aus unsrem Land geworden ist.

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