Herbstbesuch aus Osteuropa Elche wandern durch die Oberlausitz

Immer wieder queren tierische Migranten aus Osteuropa die Neiße - Wölfe beispielsweise. Auch Elche finden den nördlichen Teil der Oberlausitz interessant. Im Herbst zur Brunftzeit schauen die riesigen Huftiere gerne über ihre Reviergrenzen.

Elch
Im Herbst wandert mancher Elch auf Partnersuche gern durch die Oberlausitz. Bildrechte: Colourbox.de

Es klingt schon seltsam, wenn ein Elchbulle nach seiner Gefährtin ruft. Es ist ein wiederkehrendes "Uah, Uah", ein bisschen wie ein Quaken. Gerade im Herbst während ihrer Brunftzeit wandern und rufen die riesigen Tiere. Einige queren dann die Neiße, um in der Oberlausitz nach einem passenden Partner zu suchen. Erst vor wenigen Tagen war eine Elchkuh in der Nähe von Klingewalde bei Görlitz gesehen worden, berichtet Michael Striese von der Gesellschaft für Naturschutz und landschaftsökologische Forschung Lutra in Boxberg.

Ein Dutzend Tiere ziehen durch

Der Experte schätzt, dass aktuell ein Dutzend Tiere durch die Region ziehen. "Bei uns in der Heide- und Teichlandschaft sind die Voraussetzungen für Elche gut. Es gibt ruhige Bereiche, wo Weiden und andere Laubgehölze stehen. In den angrenzenden Kiefernwäldern würden sie auch ausreichend Winternahrung finden", erklärt Striese.

Große Strecken sind für den Elch kein Problem. 380 Kilometer legte in wenigen Tagen ein Bulle zurück, der vor einigen Jahren in der Oberlausitz mit einem Sender versehen wurde. Sogar Brücken nutzt der Elch auf seinen Wanderungen. Bis Dresden hätten es ja schon mehrere Elche geschafft, sagt Striese. Er erwähnt das Jahr 2014, als sich ein Elch bis in ein Dresdner Industriegebiet wagte und sich dort schließlich in einem Bürohaus von Siemens verlief.

In der DDR als Forstschädling erlegt

Seit 1959 ziehen immer wieder Elche durch die Oberlausitz. In der DDR-Zeit wurden die Tiere als Forstschädling erlegt. Heute ist der Elch nach sächsischem Jagdrecht ganzjährig geschützt, zum Leidwesen der Förster. Denn übers Jahr gesehen kann ein Elch eine Menge Wald fressen.

Hört man beim Pilze sammeln Elchrufe, ist Vorsicht geboten. Zeigt sich das Tier dann auch noch mit nach hinten angelegten Ohren, sollte der Spaziergänger einen Baum zwischen sich und den mächtigen Vierbeiner bringen, rät Striese. Elche können sich nämlich auf die Hinterläufe stellen und sind in der Lage, mit nur einem Huftritt einen Wolf zu töten.

Ein Elchtest ist nicht nur für Wölfe gefährlich, sondern auch für Autofahrer, warnte bereits vor zehn Jahren der Rothenburger Jäger Siegfried Bruchholz: "Während Hirsche, Rehe und Wildschweine möglichst über die Straße fliehen, blieben die Elche auf der Fahrbahn meist wie Ochsen stehen."

Meist blieben die Tiere trotz ihrer Stärke in der Deckung, sagt Michael Striese. Deshalb bittet der Biologe jede Sichtung zu melden. Jeder Hinweis mache das Bild über die illegalen Einwanderer ein bisschen klarer.

Quelle: MDR/uwa

Dieses Thema im Programm bei MDR SACHSEN MDR SACHSEN - Das Sachsenradio | 22.09.2020 | ab 14:30 Uhr in den Nachrichten

Mehr aus Görlitz, Weisswasser und Zittau

Mehr aus Sachsen