08.01.2020 | 17:33 Uhr Schweinepestgefahr: Sachsen stellt Elektronetze an Grenze zu Polen auf

Schweinepest
Bildrechte: MDR/LN

Zum Schutz vor der Afrikanischen Schweinepest hat Sachsen am Mittwoch in einem 4,5 Kilometer Grenzabschnitt zu Polen einen Elektronetzzaun errichtet. Wie das Sozialministerium mitteilte, soll damit die Wanderung von Wildschweinen aus dem Nachbarland nach Sachsen erschwert werden. Die stromführende Barriere schließt die Lücke zwischen dem durchgehenden Elektronetzzaun entlang der brandenburgisch-polnischen Grenze und der festen Umzäunung des Fürst-Pückler-Parks Bad Muskau. Ob weitere Grenzabschnitte ebenso gesichert werden, will das Ministerium anhand der aktuellen Entwicklung bei weiteren Schweinpestfällen auf polnischer Seite in Grenznähe entscheiden. Das sagte ein Sprecher auf Anfrage von MDR SACHSEN.

Ich warne aber vor überzogenen Erwartungen. […] Ein völlig wildschweinsicherer Zaun müsste in massiver Bauweise errichtet werden. Das ist aus vielerlei Gründen nicht möglich.

Petra Köpping Ministerin für Soziales und Gesellschaftlichen Zusammenhalt in Sachsen
An einem mobilen blauen Elektronetzzaun hängt ein Schild mit der Aufschrift "Wildschweinbarriere" in deutscher, polnischer und englischer Sprache
"Wildschweinbarriere" klingt massiv, aber tatsächlich handelt es sich dabei um ein Kunststoffnetz mit stromführenden Drähten. Der Elektronetzzaun ist auch nicht an massiven Pfosten angebracht, sondern an leichten, aber stabilen Stangen, die nur in den Boden gesteckt werden. Bildrechte: MDR/André Schulze
An einem mobilen blauen Elektronetzzaun hängt ein Schild mit der Aufschrift "Wildschweinbarriere" in deutscher, polnischer und englischer Sprache
"Wildschweinbarriere" klingt massiv, aber tatsächlich handelt es sich dabei um ein Kunststoffnetz mit stromführenden Drähten. Der Elektronetzzaun ist auch nicht an massiven Pfosten angebracht, sondern an leichten, aber stabilen Stangen, die nur in den Boden gesteckt werden. Bildrechte: MDR/André Schulze
Hinter einem Wegweiser mit der Aufschrift "Neiße" steht ein blauer Elektronetzzaun entlang eines Waldwegs
Brandenburg hat seine gesamte Grenze zu Polen an Oder und Neiße mit solch einem mobilen Stromzaun gesichert, damit keine Wildschweine aus Polen ins Land gelangen und die Afrikanische Schweinepest einschleppen. Der erste gesicherte ABschnitt in Sachsen schließt direkt an den Brandenburger Zaun an. Bildrechte: Landratsamt Görlitz
Blick auf einen unbefestigten Weg, der rechts von einem Holzzaun und links von einem blauen Elektronetzzaun begrenzt wird
Über 4,5 Kilometer lang ist der erste gesicherte Abschnitt in Sachsen. Er zieht sich entlang des Uferweges an der Neiße. Bildrechte: MDR/Landratsamt Görlitz
Entlang der Neiße zieht sich ein festinstallierter Elektrozau, dahinter ist eine Brücke zu sehen
Der Zaun steht nicht nur unter Strom. Er ist auch mit einer übel riechenden Substanz getränkt. Sie wirkt offenbar auch auf Wildschweineabschreckend - Landwirte setzen sie beispielsweise ein, um die Rotten von den Maisfeldern fernzuhalten. Bildrechte: MDR/André Schulze
Am Rande eines Uferwegs an der Neiße steht ein mobiler blauer Elektronetzzaun
Das südliche Ende des mobilen Zaunes endet direkt an einem fest installierten Elektro-Zaun. Dieser um gibt den Fürst-Pückler-Park bei Bad Muskau und wurde schon vor einigen Jahren errichtet. Ein Grund war der Schaden, den Wildschweine immer wieder in den Parkanlagen anrichteten. Bildrechte: MDR/André Schulze
An einem Metallpfosten sind ein fest installierter und ein mobiler blauer Elektronetzzaun miteinander verbunden
Weil der Pückler-Park über einen eigenen Schutz verfügt, wird hier kein zweiter Zaun errichtet. Ob südlich des Parks eine mobile Wildschweinbarriere erichtet wird, steht noch nicht fest. Bildrechte: MDR/André Schulze
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An einem mobilen blauen Elektronetzzaun hängt ein Schild mit der Aufschrift "Wildschweinbarriere" in deutscher, polnischer und englischer Sprache
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Wildschweine schocken und verstänkern

Wie der Ministeriumssprecher zudem erklärte, ist das gesamte Netz des Zauns mit einer sogenannten Geruchskomponente versehen, die "Nasenzeugen" zufolge bestialisch stinken soll. Weil die Wildschweine das offenbar auch so empfinden, wird das Mittel unter anderem in der Landwirtschaft zum Schutz von Maisfeldern eingesetzt. Einen kompletten Schutz vor infizierten Wildschweinen aus Polen könne diese Strom- und Geruchsbarriere nicht leisten, betonte die für Tierseuchenschutz zuständige Sozialministerin Petra Köpping. Aber sie senke das Risiko und ermögliche eine gewisse Kontrolle, um Nutztierhalter so gut wie möglich vor wirtschaftlichen Schäden zu bewahren.

Auch Einsatz von Lebendfallen geplant

Zum Schutz gehört auch, dass von jedem tot aufgefundenen Wildschwein eine Probe genommen und im Labor auf Afrikanische Schweinepest untersucht wird. Außerdem soll der Wildschweinbestand in Sachsen reduziert werden und damit auch das Übertragungsrisiko. Als Ergänzung zur klassischen Jagd wurden nach Angaben des Staatsbetriebs Sachsenforst zudem sogenannte Lebendfallen getestet. Mit ihnen können gleich mehrere Wildschweine auf einmal gefangen und anschließend von Jägern getötet werden. Diese Methode soll laut Sachsenforst aber erst genutzt werden, wenn die auch für Hausschweine tödliche Afrikanische Schweinpest im Freistaat nachgewiesen wurde.

Ein Wildschwein steht auf einem Plateau im Wald. 2 min
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Quelle: MDR/stt

Dieses Thema im Programm bei MDR SACHSEN MDR SACHSEN - Das Sachsenradio | 08.01.2020 | 16:00 Uhr in den Nachrichten

Zuletzt aktualisiert: 08. Januar 2020, 17:33 Uhr

2 Kommentare

vtw vor 2 Wochen

und wieder sagt uns Sachsen eine "Rote" warum was nicht geht.
Warum geht es in Dänemark - massiver Zaun über 70 km Länge ?
Ich vermute es würde auch bei uns funktionieren, wenn die Wildschweine mit unerlaubten Symbolen gekennzeichnet wären.

Freiheit vor 2 Wochen

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