Alternative Bestattung Erster Friedwald in der Oberlausitz ist eröffnet

In Deutsch Paulsdorf bei Görlitz ist am Freitag der erste Friedwald in der Oberlausitz eröffnet worden. Bestattungen sind dort aber nicht nur im Wald möglich, sondern auch im Schlosspark. Die erste Beisetzung ist bereits für die nächste Woche geplant. Das Projekt Bestattungswald besteht aus drei Partnern. Die Gemeinde Markersdorf ist Trägerin des Friedwaldes. Betreiber ist die Firma Friedwald und die Familie von Wallenberg ist Parkbesitzer und Pächter des Waldes am Spitzberg.

Drei Männer stehen in einem Park um einen jungen Baum herum und bereiten die Pflanzung des Baumes vor. Im Hintergrund beobachten viele Gäste die bevorstehende Baumpflanzung.
Zur Eröffnung des Waldfriedhofs pflanzten Gotthardt von Wallenberg, Bürgermeister Thomas Knack und Hans-Adam von Schultzendorff von der Friedwald GmbH (v.l.) im Schlosspark eine Roteiche. Bildrechte: Rica Sturm

Rund 300 Oberlausitzer haben am Freitag im Schlosspark von Deutsch Paulsdorf bei Görlitz die Eröffnung des ersten Friedwald in Ostsachsen erlebt. Viele von ihnen hatten schon graumelierte oder weiße Haare, doch es waren auch viele junge Menschen dabei. Einige kamen nur aus Neugier. Viele aber wollten sich über die Beisetzung in dem Bestattungswald informieren.

"Wir wollen hier beigesetzt werden. Man hat hier seine Ruhe. Auf dem Friedhof ist uns zu viel Trubel", sagte eine 78 Jahre alte Görlitzer, die etwas abseits auf einer Bank im Schlosspark die Eröffnung verfolgt. Neben ihr sitzt eine ebenfalls aus Görlitz stammende Frau um die 40. Sie ist begeistert von der friedlichen Atmosphäre im Schlosspark. Mit ihren Kindern habe sie schon beizeiten über das Thema Tod gesprochen. "Es ist gut, wenn die Eltern mit den Kindern reden oder die Kinder mit den Eltern, damit am Ende beide Seiten zufrieden mit dem sind, was sie möchten", sagt die junge Frau. Auf dem Friedhof sei ihr alles zu eng, zu bedrückend. Ein weiterer Faktor für beide Frauen sind die Kosten.

Bestattungen im Schlosspark oder im Wald möglich

Porträt eines Mittvierzigers mit Dreitagebart und kurzen Haaren.
Helge Hedtke von der Firma Friedwald hat sich um die Genehmigungen gekümmert und die Familie von Wallenberg sowie die Gemeinde Markersdorf bei der Gründung beraten. Bildrechte: Rica Sturm

Der Friedwald in Deutsch Paulsdorf ist zweigeteilt. Bestattungen sind zum einen im Schlosspark möglich. 150 Bäume stehen dort zur Verfügung. Zum anderen können sich Menschen auch im Wald auf dem Spitzberg an einem der 200 ausgewählten Bäume beisetzen lassen, sagt Helge Hedtke von der Firma Friedwald. Möglichkeiten gibt es dabei viele. Der günstigste Platz, der sogenannte Basisplatz, kostet 490 Euro. "Da wird man im Wald bestattet, kann sich den Baum aber nicht selbst aussuchen", erklärt der Fachmann. Wer sich einen Platz an einem speziellen Baum wünscht, muss mit mindestens 770 und höchstens 1.200 Euro rechnen. Wer einen ganzen Baum erwerben möchte, zahlt 2.490 Euro. "Da sind aber schon zwei Bestattungsplätze eingeschlossen", sagt Helge Hedtke. Eine Namenstafel mit dem Geburts- und Sterbedatum erinnert an die Verstorbenen.

Menschen akzeptieren Alternative zu evangelischen Friedhöfen

Auf einem Teich in einem Schlosspark schwimmt ein Schwan.
Die Atmosphäre im Schlosspark Deutsch Paulsdorf ist idyllisch. Eine Besonderheit ist der Schlossteich, auf dem immer ein Schwan schwimmt. Bildrechte: Rica Sturm

Der Bürgermeister der Gemeinde Markersdorf, zu der Deutsch Paulsdorf gehört, ist stolz, dass der erste Waldfriedhof in der Oberlausitz in seiner Kommune entstanden ist. Er hätte nie erwartet, sagt Thomas Knack, dass die Menschen in der Gemeinde den Friedwald als Alternative zu den evangelischen Friedhöfen akzeptieren würden. "Das ist kein Konkurrenzunternehmen für die Gemeinde Markersdorf, das ist ein Bestattungswald für die Region. Wir gehen hier von einem Einzugsgebiet von 40 Kilometern aus. Damit wird der Friedwald nie eine Konkurrenz für bestehende Friedhöfe werden", ist sich der Bürgermeister sicher. Trotzdem gab der bei der Eröffnung anwesende evangelische Pfarrer Steffen Kroll aus Markersdorf dem Waldfriedhof nicht seinen Segen. Bestatten werde er jedoch seine Gemeindeglieder dort, wenn diese es wünschen, sagt er.

Schloss- und Parkbesitzer will im Friedwald seine letzte Ruhe finden

Die Idee für einen Waldfriedhof in Deutsch Paulsdorf hatte Gotthardt von Wallenberg. Drei Jahre hat es gedauert, bis aus seiner Idee Wirklichkeit wurde. Der 80-Jährige hat sich seinen Baum, an dem er einmal im Schlosspark bestattet sein möchte, auch schon ausgesucht. "Ich verrate noch nicht, welcher Baum es ist. Aber ich halte die Idee für richtig. In einem Park oder Wald findet man die notwendige Ruhe, die einfach ein Mensch nach einem arbeitsreichen Leben auch braucht. Es passt in die Zeit und in meine Gedankenwelt."

Quelle: MDR/ris

Dieses Thema im Programm bei MDR SACHSEN MDR SACHSEN - Das Sachsenradio | 28.09.2018 | ab 7:30 Uhr in den Regionalnachrichten aus dem Studio Bautzen

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Zuletzt aktualisiert: 29. September 2018, 16:01 Uhr

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