30.05.2020 | 20:45 Uhr Grünes Licht aus Görlitz: Przewalski-Pferd ist außer Gefahr!

Wissenschaftler aus Görlitz geben Entwarnung für die Mongolei. Der Bestand der Przewalski-Pferde ist nicht durch Inzucht gefährdet, obwohl 1992 nur wenige Wildpferde in die Freiheit entlassen wurden. Das haben genetische Untersuchungen an den Nachkommen der ausgewilderten Pferde bewiesen.

Przewalski Pferde
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In Görlitz kennen viele nur die Ausstellungen im Senckenberg Museum für Naturkunde. Doch das sich dahinter ein Forschungsinstitut verbirgt, welches weltweit in einigen Bereichen, wie der Bodenzoologie, in der ersten Liga mitspielt, wissen nur wenige. Doch auch bei der Populationsgenetik sind die Wissenschaftler aus Görlitz ganz vorn mit dabei. Dabei wird beispielsweise anhand von Schädelmerkmalen der Verwandschaftsgrad von Säugetierpopulationen ermittelt. Fast 24.000 Schädel, darunter auch die weltweit größte Schädelsammlung von Wildeseln, stehen ihnen dafür zur Verfügung.

Forschungsschwerpunkt Mongolei

In der Mongolei sind Wildesel vom Aussterben bedroht. Sie werden als Fleischlieferanten für den chinesischen Markt illegal gejagt. Die Wildpferde galten bereits seit 1969 als ausgerottet. Doch einige Exemplare der Przewalski-Pferde hatten in der Gefangenschaft überlebt. Diese Pferderasse ist die letzte noch existierende Wildpferdart.

Die Kontakte zwischen den Görlitzer Wissenschaftlern und ihren mongolischen Kollegen reichen in die DDR-Zeit zurück. Weil der Westen unerreichbar war, wichen die Forscher nach dem Osten aus, in den Kaukasus, in die Wüste Gobi oder in die Steppen der Mongolei. Die Görlitzer Wissenschaftler halfen bei genetischen Analysen, bei der Suche nach seltenen Arten und auch beim Naturschutz, wie beim Schutz der Wildesel und der Przewalski-Pferde in der Mongolei.

Wildpferde in der Oberlausitz
Europäische Wildpferde weiden auf dem einstigen Truppenübungsplatz Dauban in der Oberlausitz. Sie sind entfernte Verwandte der Przewalski-Pferde. Bildrechte: MDR SACHSENSPIEGEL

Der lange Weg zurück in die Freiheit

Einige Nachkommen der Przewalski-Pferde wurden 1992 in der Mongolei wieder ausgewildert. Doch diese Auswilderung ist auch für die Wissenschaftler ein Experiment, denn dem Bestand drohte Gefahr durch Inzucht. "Der heutige Bestand geht auf lediglich zwölf Pferde zurück, ein genetischer Flaschenhals", erklärt Professor Hermann Ansorge vom Naturkundemuseum in Görlitz.

Professor Hermann Ansorge in seinem Arbeitszimmer im Senckenberg Museum für Naturkunde
Professor Hermann Ansorge in seinem Arbeitszimmer im Senckenberg Museum für Naturkunde Bildrechte: MDR/Uwe Walter

Dieser genetische Flaschenhals birgt das Risiko inzuchtbedingter Krankheiten, wie verringerte Widerstandsfähigkeit oder verkürzte Lebenserwartung.

Hermann Ansorge Senckenberg Museum für Naturkunde in Görlitz

"Nur mit einer hohen genetischen Variabilität kann eine Tierart auf Umweltveränderungen reagieren", meint der Görlitzer Zoologe und freut sich über die erfolgreiche Auswilderung des Przewalski-Pferds. Fast 30 Jahre später kann der Wissenschaftler Entwarnung geben: Die etwa 750 Wildpferde, die wieder durch die mongolische Steppe traben, leiden nicht unter Inzucht.

Relativ hohe genetische Viefalt

Ein internationales Team rund um Ansorge hat in den letzten Jahren die ausgewilderten Przewalski-Pferde und historisches Sammlungsmaterial unter die Lupe genommen. Insgesamt 130 Schädel aus einem Zeitraum von 110 Jahren untersuchten die Forscher. "Unterschiede in Aussehen und Symmetrie können uns Rückschlüsse auf genetische Unterschiede geben", erklärt der Görlitzer Leiter des Forschungsteams.

Tierschädel bei Senckenberg
Die Schädel (hier Beutegreifer) werden von Görlitzer Wissenschaftlern genau unter die Lupe genommen. Sie werden u.a. vermessen, um Rückschlüsse auf die Population ziehen zu können. Bildrechte: MDR/Uwe Walter

Die Untersuchungen zeigen, dass die ausgewilderten Populationen der Przewalski-Pferde anders als vermutet eine vergleichbar hohe genetische Vielfalt aufweisen.

Hermann Ansorge Senckenberg Museum für Naturkunde in Görlitz

Der Leiter des Auswilderungsprojektes, Dorj Usukhjargal vom Hustai National Park in der Mongolei, zeigt sich von den Forschungsergebnissen überrascht: "Wir haben damit gerechnet, dass die Przewalski-Pferd-Populationen zu eng miteinander verwandt sind, um langfristig in der Wildnis überlebensfähig zu sein."

Zwei Koniks (Przewalskii-Pferde)
Die Görlitzer Forscher kommen zu dem Schluss: Przewalski-Pferde können langfristig in Freiheit überleben! Bildrechte: IMAGO

"Nachdem das Przewalski-Pferd vor 50 Jahren praktisch ausgestorben war, stehen die Chancen nun also besser als erwartet, dass diese letzte Wildpferdart auf Dauer bestehen kann", bilanziert abschließend Professor Hermann Ansorge und verweist auf ein weiteres Sorgenkind in der Mongolei: die Wildesel. Auch hier sind die Görlitzer an Forschungsprojekten beteiligt, um den Bestand zu retten.

Quelle: MDR/uwa

Dieses Thema im Programm bei MDR SACHSEN MDR SACHSEN - Das Sachsenradio | 02.06.2020 | ab 05:30 Uhr in den Regionalnachrichten aus dem Studio Bautzen

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