Flaggen der EU und Polens sind bei einer Demonstration am 09.01.2016 in Warschau zusammengeknotet.
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24.05.2019 | 18:12 Uhr Europawahl in Polen - ein Stimmungsbild

Die Europawahl am Sonntag hat in Polen seit Monaten zu heftigen Diskussionen geführt. Vor allem die konservative Regierungspartei PiS hat keine Gelegenheit ausgelassen, an Polens Nationalismus zu appellieren und sogar den Austritt aus der Europäischen Union in Betracht gezogen. Renate Heidner hat sich in Polen umgehört, wie die Menschen dort auf die Wahlen blicken.

Flaggen der EU und Polens sind bei einer Demonstration am 09.01.2016 in Warschau zusammengeknotet.
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Die Europäische Flagge sei nicht mehr wert als ein Putzlappen, schimpften PiS Vertreter offen in polnischen Medien. Doch das ist jetzt plötzlich völlig anders, wundert sich Przemislaw Szekanski als parteiloser Gemeinderat eines kleinen Ortes bei Zgorzelec.

Erst wollten die einen Austritt aus Europa und jetzt wollen die auf einmal alle ins Europa-Parlament. Die zwei größten Parteien, die bei der Wahl antreten, haben eigentlich kein klares Programm. Die wollen bloß da rein - mit allen Mitteln.

Przemislaw Szekanski polnischer Gemeinderat

In den unzähligen polnischen Dörfern entlang der Neiße hat die Europafeindlichkeit der Warschauer Regierung verfangen, auch deshalb, weil katholische Priester der Partei in ihren sonntäglichen Predigten den Rücken stärkten. Doch nachdem kürzlich ein Dokumentarfilm veröffentlicht wurde, der den jahrelangen sexuellen Missbrauch eines hohen polnischen Kirchenvertreters aufdeckte, scheinen viele PiS-Wähler nachdenklicher geworden zu sein.

Natürlich sind wir für Europa, aber so, dass jedes Mitglied im Parlament für sein eigenes Land kämpft. Dass es sich erinnert, dass man Pole ist und das es vor allem um unser Land geht.

eine Polin

Seit dem Beitritt Polens in die Europäische Union im Mai 2004 haben sich die einst verarmten Ortschaften entlang der sächsischen Grenze sehr verändert. Häuser wurden saniert, fast in jedem Dorf gibt es jetzt - dank großzügiger EU-Fördermittel - mindestens einen gepflegten Kinderspielplatz oder einen Sportplatz. Nur im Vergleich zu den meisten Löhnen in Europa scheint Polen hinten anzustehen. Und so sind kürzlich Tausende Lehrer im Land auf die Straße gegangen, um gegen ihre schlechten Bedingungen zu protestieren - auch in der Grenzregion zu Sachsen. Viele arbeiten schon längst auf der deutschen Seite. Und eine Dorfschulleiterin ist sich sicher, dass sie am Sonntag nicht die Vergangenheit, sondern die Zukunft ihres Landes wählen wird und die läge nun mal in Europa.

Dieses Thema im Programm bei MDR SACHSEN MDR SACHSEN - Das Sachsenradio | 24.05.2019 | 16:30 Uhr im Regionalreport aus dem Studio Bautzen

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1 Kommentar

24.05.2019 18:22 annerose will 1

"Natürlich sind wir für Europa, aber so, dass jedes Mitglied im Parlament für sein eigenes Land kämpft. Dass es sich erinnert, dass man Pole ist und das es vor allem um unser Land geht. eine Polin" Recht hat sie - eben ein geeintes Europa der Vaterländer aber keine Aufgabe der Nationalstaatlichkeit, da die Nationen eben verschieden sind und Eigenständigkeit mit Traditionen behalten zu wollen etwas völlig normales ist. In wichtigen Fragen nach außen und wirtschaftlich und ggf. militärisch zusammenzustehen aber auch unterschiedliche nationale Traditionen zu erhalten ist sehr gut möglich und führt auch nicht zu Kriegen wie uns immer wieder weisgemacht wird.

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