Afrikanische Schweinepest Kein Weihnachtsfrieden für Wildschweine an der polnischen Grenze

Um in Sachsen die weitere Ausbreitung der Afrikanische Schweinepest zu verhindern, sollen in einer sogenannten Kern- und Pufferzone zwischen Bad Muskau und Görlitz möglichst viele Wildschweine abgeschossen werden. Deshalb wird es in den Revieren an der Neiße keinen Weihnachtsfrieden für "Schwarzkittel" geben.

Wildschwein hinter einem geschmückten Tannenbaum
Bildrechte: Imago Image/Blickwinkel/Panthermedia/MDR

In den Revieren zwischen Bad Muskau und Görlitz dürfen die Jäger derzeit die Jagdruhe der Wildschweine ignorieren. Auf diese Weise soll in Sachsen die weitere Ausbreitung der Afrikanischen Schweinepest (ASP) zumindest eingedämmt werden. Allerdings wird trotzdem nicht das ganz große Halali auf "Schwarzkittel" geblasen. Sogenannte Drück- oder Treibjagden sind weiterhin untersagt. Auch der Einsatz von Jagdhunden zum Aufspüren des Wildes ist nicht genehmigt.

"Rüsselprämie" von 150 Euro

In Brandenburg sind mittlerweile 278 ASP-Fälle offiziell bestätigt worden, in Sachsen 15. Die infizierten Borstenviecher wurden alle im Landkreis Görlitz rings um Bad Muskau entdeckt. Deshalb hat vor wenigen Tagen das Sächsische Sozialministerium die Kern- und Pufferzone zwischen Bad Muskau und Görlitz auf 762 Quadratkilometer erweitert. Für jedes erlegte Wildschwein - vom Frischling bis zum alten Eber - zahlt das Sozialministerium eine "Rüsselprämie" von 150 Euro, offiziell Entnahmeprämie genannt. Selbst Muttersauen samt Nachwuchs werden derzeit nicht geschont.

Totes Wildschwein auf einem Waldweg
Totes Wildschein auf einem Waldweg. Todesursache: Angeschossen oder Schweinepest? Erst die Untersuchung wird es zeigen. Bildrechte: MDR/Uwe Walter

Wo sind die Schweine?

Der Bestand der Tiere im gefährdeten Gebiet wird auf 1.200 Exemplare geschätzt. Ihnen soll nunmehr nach tschechischem Vorbild der Garaus gemacht werden. Im benachbarten Nordböhmen konnte durch den radikalen Abschuss die Ausbreitung der Afrikanischen Schweinepest verhindert werden. Doch "Schwarzkittel" sind pfiffig und eine erfahrene Bache hat mit ihrer Rotte schon so manchen Jäger umschlagen, ist also der Gefahr rechtzeitig ausgewichen. Ohnehin fragt sich derzeit mancher Waidmann, nachdem er stundenlang angesessen hatte: "Wo sind die Schweine?" Noch im Herbst wechselten riesige Rotten mit mehr als 40 Exemplaren aus dem Mais in die Dickung. Vielleicht geistert auch deshalb ein Gerücht durch die Lausitzer Kiefernwälder: "Soldaten der Bundeswehr sollen es richten, als Jäger oder als Helfer bei der Jagd!"

Kein Soldat auf Pirsch

"Der Einsatz der Bundeswehr bei der Jagd sei nicht möglich, schon vom Kaliber der Schusswaffen nicht", lacht Oberstleutnant Eric Gusenburger als
Sprecher der Bundeswehr in Sachsen. "Selbst auf dem benachbarten Truppenüberungsplatz Oberlausitz obliegt die Jagd nicht der Bundeswehr sondern der Bundesforst ist dort dafür zuständig."


Was allerdings in der Bundeswehr im Dunkeln normal ist, soll jetzt auch gegen pfiffige Bachen und Keiler zum Einsatz kommen. Ab sofort sind Nachtsichtgeräte und Restlichtverstärker in den Revieren an der Neiße erlaubt. Ob die teure Elektronik etwas bringt, werden erst die nächsten Wochen zeigen. Zudem kann sich nicht jeder Jäger die "teuren" Hilfsmittel leisten. Ohnehin sind Nachtsichtgeräte und Restlichtverstärker als nicht "waidgerecht" in Teilen der Jägerschaft verpönt.

Jäger mit Bockbüchsflinte auf einer Wiese
Jäger im Landkreis Görlitz dürfen "aufrüsten". Nachtsichtgeräte und Restlichverstärker sind nunmehr an der Neiße aufgrund der ASP erlaubt. Bildrechte: dpa

"Energielose" Wildschwein-Abwehr

Sachsens Sozialministerin Petra Köpping erklärte vor einigen Tagen: "Wir passen die zur Eindämmung der Tierseuche nötigen Maßnahmen schnell an und reagieren somit auf die neuen ASP-Funde diesseits und jenseits der Neiße."

Nach wie vor gehen wir davon aus, dass das Virus über die Neiße nach Sachsen kommt. Bei der Bekämpfung der Tierseuche haben wir einen langen Weg vor uns.

Petra Köpping Sachsens Sozialministerin

Entlang der Neiße zieht sich ein festinstallierter Elektrozau, dahinter ist eine Brücke zu sehen
Der oft energielose Elektrozaun an der Neiße, hier im Muskauer Park. Bildrechte: MDR/André Schulze

Deshalb ergänzen seit einigen Tagen feste Zäune an der Kernzone die bisherigen mobilen Zäune als sogenannte Wildschwein-Barriere. Damit die Afrikanische Schweinpest nicht vom polnischen Neißeufer auf das deutsche Ufer überschwappt, war zwischen Bad Muskau und Zittau ein 130 Kilometer langer Elektrozaun gebaut worden. Allerdings hat diese Barriere für Schweine bislang nur wenig Abschreckungspotential, denn große Abschnitte des hüfthohen Zauns sind immer wieder stromlos. Mehrfach war beobachtet worden, dass die Borstenviecher einfach durch den Zaun brechen.

Quelle: MDR/uwa

Dieses Thema im Programm bei MDR SACHSEN MDR SACHSEN - Das Sachsenradio | 14.12.2020 | ab 05:30 Uhr in den Regionalnachrichten aus dem Studio Bautzen

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