Niederschlesische Magistrale Oberlausitzer Feuerwehrleute üben für den Notfall

Rund 60 Feuerwehrleute aus der Region um Boxberg, Ersthelfer vom Deutschen Roten Kreuz und Notfallmanager der Bahn haben am Mittwochabend ein Unfallszenario auf der ausgebauten elektrifizierten Niederschlesischen Magistrale geprobt. Nach jahrelangen Bauarbeiten geht die Bahnstrecke zum Fahrplanwechsel Anfang Dezember wieder in Betrieb. Dann wollen die Freiwilligen Feuerwehren zumindest teilweise für Unfälle entlang der Bahnstrecke gerüstet sein.

Feuerwehrübung Niederschlesische Magistrale
Bildrechte: Rica Sturm

Mittwochabend, kurz vor 19 Uhr an der Niederschlesischen Magistrale: Auf den Gleisen in der Nähe vom Haltepunkt Klitten bei Boxberg brennt ein Zwei-Wege-Bagger, der auf Schienen und Straßen fahren kann. 50 Meter entfernt steht ein stark lädierter Triebwagen der Eisenbahngesellschaft Odeg. Sebastian Michler, Notfallmanager bei der Deutschen Bahn, erklärt, was passiert ist: "Wir nehmen an, dass ein Zwei-Wege-Bagger in Höhe des elektronischen Stellwerks in Klitten gearbeitet hat. Durch einen unglücklichen Umstand ist die Baggerschaufel in das benachbarte Streckengleis geraten und hat einen vorbeifahrenden Regionalzug seitlich gestreift.  Der Baggerfahrer wurde in seinem Fahrzeug eingeklemmt und Reisende verletzt. Die  müssen durch die Freiwilligen Feuerwehr Klitten gerettet werden."

Ein realitätsnahes Szenario für die Retter

Feuerwehrübung Niederschlesische Magistrale
Die Kameraden der Feuerwehren nähern sich dem Regionalexpress, um zu prüfen, ob es Verletzte gibt. Bildrechte: Rica Sturm

Ein realitätsnahes Szenario. Auf die Idee mit dieser Übung kam der Ausbilder der Ortsfeuerwehr Klitten, Christian Krause. Er leitete auch den Einsatz: "Wir müssen vorbereitet sein. Es kann immer was passieren, wenn die Strecke wieder in Betrieb ist. Das Gleis ist was anderes als eine ebene Straße. Es müssen Höhen mit Leitern überwunden werden. Zum Bergen von Verletzten brauchen wir andere Geräte. Das wollen wir üben." Mit dabei sind Kameraden aus Boxberg, Klitten, Kringelsdorf, Uhyst und Mücka, Ersthelfer vom Deutschen Roten Kreuz und Notfallmanager der Bahn. Fast noch einmal so viele Feuerwehrleute aus der Region und Bahnverantwortliche beobachten das Geschehen auf den Gleisen.

Neue Gegebenheiten entlang der Bahnstrecke

Die ausgebaute Bahnstrecke zwischen Knappenrode und der polnischen Grenze ist im Notfall eine Herausforderung für die Rettungskräfte. Da sind zum einen die neuen Lärmschutzwände und das hohe Schotterbett, die es früher so nicht gab und die überwunden werden müssen. Zum anderen ist die Strecke jetzt elektrifiziert. Durch die Oberleitungen fließen 15.000 Volt. Eine zusätzliche Gefahr für die Retter, die vor dem Betreten der Gleise gebannt werden muss. Deshalb sei eine solche Übung wie am Mittwoch in Klitten ein Muss, sagte der Projektverantwortliche bei der Bahn, Ulrich Mölke. "Es hat sich durch den Ausbau ja sehr viel verändert. Wenn wir bald mit dem Probebetrieb starten, muss vorher alles klar sein. Wir müssen uns sicher sein, dass schon beim ersten Testzug, der fährt, alle Sicherheitsvorkehrungen getroffen sind und alle wissen, was sie zu tun haben, falls etwas passiert."

Unfallszenario auf der Niederschlesischen Magistrale

Feuerwehrübung Niederschlesische Magistrale
Christian Krause war früher Wehrleiter der Ortsfeuerwehr Klitten. Seit er die Leitung einem jüngeren Kameraden übergeben hat, kümmert er sich um die Ausbildung in der Wehr. Die Idee zu dieser Übung stammt von ihm. Bildrechte: Rica Sturm
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Christian Krause war früher Wehrleiter der Ortsfeuerwehr Klitten. Seit er die Leitung einem jüngeren Kameraden übergeben hat, kümmert er sich um die Ausbildung in der Wehr. Die Idee zu dieser Übung stammt von ihm. Bildrechte: Rica Sturm
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Bevor die Übung startet, stimmen sich DB-Projektleiter Ulrich Mölke und der Triebfahrzeugführer der Odeg, Holger Voigt, noch einmal ab. Bildrechte: Rica Sturm
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Ein Unfall auf den Gleisen in der Nähe des Bahnhaltepunktes Klitten: Rettungs- und Feuerwehrfahrzeuge eilen herbei. Bildrechte: Rica Sturm
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Die Gleise dürfen erst dann betreten werden, wenn kein Strom mehr durch die 15.000 Volt starke Oberleitung fließt. Dazu erzeugt der für den Streckenabschnitt zuständige Notfallmanager bei der Bahn, Lutz Tank, einen Kurzschluss und erdet die Oberleitung. Bildrechte: Rica Sturm
Feuerwehrübung Niederschlesische Magistrale
Ein Regionalexpress der Ostdeutschen Eisenbahn GmbH Odeg kollidiert mit einem Bagger, der auf den Gleisen am Haltepunkt Klitten arbeitet. Feuerwehrleute nähern sich dem Zug und prüfen, wieviel Verletzte es gibt. Bildrechte: Rica Sturm
Feuerwehrübung Niederschlesische Magistrale
Der Baggerfahrer wurde im brennenden Fahrzeug eingeklemmt. Die Retter eilen ihm zu Hilfe. Währenddessen bauen andere Feuerwehrleute eine Wasserbrücke zwischen dem brennenden Bagger und dem angrenzenden Stellwerk auf. Damit kühlen sie die Luft um den Bagger, damit das Feuer nicht auf das Stellwerk übergreift. Bildrechte: Rica Sturm
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Die Helfer der Freiwilligen Feuerwehr Klitten haben eine Zugtür geöffnet und sichten die Lage. Bildrechte: Rica Sturm
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Die ersten leicht verletzten Personen werden aus dem Zug geborgen. Bildrechte: Rica Sturm
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Ein anderer Trupp befreit den eingeklemmten Baggerfahrer - ein schwieriges Unterfangen zwischen Fahrzeug und Schotterbett. Bildrechte: Rica Sturm
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Die Verletzten sind geborgen und an den Rettungsdienst übergeben. Die Feuerwehrleute haben ihren Job getan. Bildrechte: Rica Sturm
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Die Feuerwehrleute packen die Brücke, mit deren Hilfe sie den Baggerfahrer aus dem Führerhaus holten, für den nächsten Einsatz zusammen. Bildrechte: Rica Sturm
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Kameraden von Wehren aus der Region sahen sich gespannt die Übung an. Auch sie könnten ab Dezember zu einem solchen Einsatz gerufen werden. Bildrechte: Rica Sturm
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Ein Zwei-Wege-Bagger. Er kann auf den Schienen und auf der Straße fahren. Bildrechte: Rica Sturm
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Einsatzleiter sieht noch Handlungsbedarf

Es dämmert schon, als Einsatzleiter Christian Krause die Übung beendet. "Lage einigermaßen im Griff", sagte er. Sehr zufrieden zeigte sich Krause mit der Teamarbeit bei der Menschenrettung. "Es hat aber auch einige Sachen gegeben, die verändert werden könnten. Manche Sachen, die im Gleisbereich nicht so einfach sind, müssen wir noch einmal durchdenken." Die Rettung der Verletzten aus dem Zug zum Beispiel habe sich aus Sicht des Ausbilders zu kompliziert und zeitaufwändig gestaltet. "Wir haben Handlungsbedarf und werden bestimmt noch Fragen an die Deutsche Bahn haben, wie wir weiter dort verfahren können und wie sich das weiter entwickeln sollte", resümiert Einsatzleiter Christian Krause.

Quelle: MDR/ris

Dieses Thema im Programm bei MDR SACHSEN MDR SACHSEN - Das Sachsenradio | 16.08.2018 | ab 5:30 Uhr in den Regionalnachrichten aus dem Studio Bautzen

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Zuletzt aktualisiert: 16. August 2018, 18:00 Uhr

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