Menschen hantieren mit ihren Gleitschirmen
Bildrechte: MDR/Madeleine Arndt

22.08.2019 | 18:33 Uhr Und der Himmel über Görlitz wird bunt

Den Traum vom Fliegen erfüllen sich Paraglider und Drachenflieger mit ganz einfachen Mitteln. Mit viel Tuch und Seilen oder Gestänge geht es motorenlos hoch in die Luft. So etwa beim ersten deutsch-polnischen Leichtfliegercamp in Görlitz. MDR-Reporterin Madeleine Arndt hat die Piloten auf dem Flugfeld getroffen.

Menschen hantieren mit ihren Gleitschirmen
Bildrechte: MDR/Madeleine Arndt

Konzentriertes Packen auf dem Flugplatzrasen bei Görlitz. Riesige, farbige Schirme werden ausgebreitet, sämtliche dünne Schnüre, die zum Geschirr führen, beflissen sortiert. Unter den Leuten ist auch Dorit Sperk. In diesem Moment ist die Frau aus einem Dorf bei Görlitz die einzige Leichtflugpilotin auf dem Platz.

Eine Frau steht auf einer Wiese
Dorit Sperk ist derzeit die einzige Pilotin bei den Oberlausitzer Leichtfliegern. Bildrechte: MDR/Madeleine Arndt

Sie fliege inzwischen schon seit zehn Jahren Gleitschirm, erzählt sie und deutet auf ihren Paraglider. "Das ist ein gutmütiger, ruhiger Schirm und entspricht so meinen Bedürfnissen, weil ich eher Gelegenheits- und Sicherheitspilotin bin."

Sperk freut sich über ein paar Platzrunden. Sie müsse sich beim Gleitschirmfliegen nicht beweisen, überlasse das lieber den anderen, sagt sie und lacht.

Die Oberlausitzerin nimmt in dieser Woche gemeinsam mit rund 50 Drachenfliegern und Gleitschirmpiloten am ersten deutsch-polnischen Leichtfliegercamp in Görlitz teil. Organisiert hat das Event mit dem Namen "X-Lands" der Leichtflieger-Oberlausitz e.V. Seit drei Jahren ist er inzwischen auf dem Flugplatz der Neißestadt ansässig. Er vereint die Fans nichtmotorisierter Fluggefährte - die mit Hilfe eines Schirms oder Drachens sowie der richtigen Thermik den nötigen Auftrieb gewinnen.

In Polen starten, in Deutschland landen

Ein Mann in einem gelben Pullover
Jérôme Robert hat als einer der Vorstände von den Leichtfliegern der Oberlausitz das Camp organisiert. Bildrechte: MDR/Madeleine Arndt

Gut und gerne kann man so an die 200 Kilometer Strecke zurücklegen. Sogenannte XC-Flüge oder auch Cross-Country-Flüge, bei denen die Piloten auch Ländergrenzen überwinden, sind an der Grenze zu Polen keine Seltenheit. Für Jérôme Robert, Franzose und Vorstandsmitglied der Oberlausitzer Leichtflieger, war es also nur konsequent, in diesem Jahr das erste deutsch-polnische Fliegercamp "X-Lands 2019" zu organisieren - unterstützt vom Kleinprojektefonds der europäischen territorialen Zusammenarbeit "Interreg".

Marek Bader aus Zgorzelec ist seit Sonntag da und hat bei den Vorbereitungen geholfen. Für den 44-Jährigen sind solchen Treffen wichtig: "Wir starten oft in der Tschechei oder in Polen und wenn der Wind von Osten weht, dann fliegen wir bis in die Sächsische Schweiz", berichtet der Gleitschirmpilot. Wenn man dann landet, sei es gut, jemanden in der Nähe zu kennen, der einen zum Beispiel mit dem Auto zum nächsten Bahnhof bringt.

Zwei Männer stehen nebeneinander
Marek Bader und Michal Jurczyk-Biezunski aus Zgorcelec pflegen ihre Kontakte zu deutschen Piloten. Bildrechte: MDR/Madeleine Arndt

Zwar können Paraglider mit ihrer 15-Kilogramm-Ausrüstung zur Not auch trampen. Aber spätestens bei der Landung mit einem 45 Kilogramm schweren Drachen wird es schwer, allein wieder nach Hause zu kommen.

Neben solchen praktischen Erwägungen, zählt natürlich auch der Erfahrungsaustausch. "Wir fliegen öfter im Gebirge und die deutschen Piloten lehren uns, im Flachland zu fliegen", sagt Bader. Die Zgorczelecer und Görlitzer Piloten seien gut befreundet und flögen mittlerweile seit drei Jahren zusammen.

Vize-Weltmeister zu Gast

Die Kontakte reichen wesentlich weiter. So ist als Star der deutschen Leichtfliegerszene Robert Bernat zu Gast. Der Pole lebt bei Jüterbog und ist ein echtes Flieger-Ass. Erst im vergangenen Jahr gewann er mit dem deutschen Team bei den Drachenflug-Weltmeisterschaften in Mazedonien Silber und holte sich dazu noch Bronze in der Einzelwertung.

Ein Mann mit Sonnenbrille auf einer Wiese
Als ein super Pilot unter den Drachenfliegern gilt Robert Bernat. Bildrechte: MDR/Madeleine Arndt

Während sein Name auf dem Görlitzer Flugplatz mit leiser Ehrfurcht ausgesprochen wird, zeigt er selbst sich ausgesprochen lässig: "Ich habe das Glück gehabt, den dritten Platz zu belegen. Ja, das war 'ne ganz nette Nummer." Gut, wenn dann die Ehefrau an der Seite steht und Understatements nicht gelten lässt. Sie berichtet, dass ihr Mann vergangenes Jahr außerdem eine absolute Rekordstrecke von 398 Kilometern geflogen ist.

Kein Cockpit, kein Steuerknüppel, nur ein Stückchen Stoff

Was die Faszination des Fliegens ohne Motor ausmacht, das erklärt mit Leidenschaft der Gleitschirmpilot Ronny Schmidt: "Man ist nah an den Elementen der Natur. Man hat kein Cockpit, keinen Steuerknüppel, sondern nur ein Stückchen Stoff. Man spürt die Thermik, den Wind im Gesicht. Man fliegt mit einem Flugzeug, das man auf Rucksackgröße zusammenpacken kann." Seit 18 Jahren betreibt der 44-Jährige schon dieses Hobby und ist für das Camp in Görlitz 200 Kilometer angereist.

Bildergalerie Leichtflieger auf dem Flugplatz in Görlitz

Eindrücke vom ersten deutsch-polnischen Leichtflieger-Camp.

Menschen sitzen in einer Halle
Morgenbriefing im Zelt. Bildrechte: MDR/Madeleine Arndt
Menschen sitzen in einer Halle
Morgenbriefing im Zelt. Bildrechte: MDR/Madeleine Arndt
Ein Mann mit einem großen Rucksack
Ein Gleitschirm kann auf Rucksackgröße zusammengepackt werden. Bildrechte: MDR/Madeleine Arndt
Gleitschirmflieger auf einer Wiese
Auf geht`s zum Startplatz. Bildrechte: MDR/Madeleine Arndt
Ein Mann steht neben einem Anhänger
Dietrich Münchmeyer bedient am anderen Ende des Feldes die Seilwinde. Bildrechte: MDR/Madeleine Arndt
Menschen hantieren mit ihren Gleitschirmen
Bevor es in die Luft geht, ist Vorbereitung das A und O. Bildrechte: MDR/Madeleine Arndt
Autos auf einer Wiese
Mit dem Windenführer wird derweil über Funk Kontakt gehalten. Bildrechte: MDR/Madeleine Arndt
Menschen hantieren mit ihren Gleitschirmen
Jede Schnur muss richtig liegen, damit ein sauberer Start gelingt. Bildrechte: MDR/Madeleine Arndt
Ein Gleitschirmflieger startet
Zum Test den Schirm in die Luft geschwungen. Bildrechte: MDR/Madeleine Arndt
Menschen hantieren mit ihren Gleitschirmen
Alles ist bereit. Der Starthelfer gibt über Funk das Okay an die Seilwinde weiter. Bildrechte: MDR/Madeleine Arndt
Gleitschirmflieger
Die Winde setzt sich in Gang und das Seil spannt sich. Bildrechte: MDR/Madeleine Arndt
Ein Gleitschirmflieger startet
Dann kommt Tempo ins Spiel. Mit einer Geschwindigkeit von fünf Metern pro Sekunde wird der Paraglider gezogen und so in die Luft befördert. Bildrechte: MDR/Madeleine Arndt
Ein Gleitschirmflieger
In 400 bis 500 Metern klingt sich der Gleitschirmpilot aus. Dann gilt es, die richtige Thermik zu finden, um möglichst lange oben zu bleiben. Bildrechte: MDR/Madeleine Arndt
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Nicht zu vergessen, das Kribbeln im Bauch, wenn die Motorwinde das Schleppseil, an dem der Pilot samt Gleitschirm zum Start eingeklinkt wird, anzieht und man schließlich abhebt. "Das sind wie Schmetterlinge, das ist wie Verliebtsein", schreibt es Dorit Sperk. Kein Wunder, schließlich zieht die Schleppwinde den Paraglider etwa 500 Meter hoch und das in einer Geschwindigkeit von fünf Metern pro Sekunde. "Wenn man das mit einem normalen Fahrstuhl vergleicht, der bewegt sich etwa einen Meter pro Sekunde", erklärt Hobbypilot Dietrich Münchmeyer, der für seine Kollegen diesmal die Winde bedient.

Bis Sonnabend herrscht in Görlitz reger Gleitschirm- und Drachenflugbetrieb. Dann hört man immer wieder an der Startbahn die folgenden Kommandos an den Windenführer: "Pilot und Gerät startklar - Pilot eingehängt - Seil anziehen - Seil straff - Start." Und der Himmel über Görlitz wird bunt.

Quelle: MDR/ma

Dieses Thema im Programm bei MDR SACHSEN MDR SACHSEN - Das Sachsenradio | 18.08.2019 | 16:30 Uhr in den Regionalnachrichten aus dem Studio Bautzen

Zuletzt aktualisiert: 22. August 2019, 18:33 Uhr

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