Hermannsdorfer See Naturschutzsee bei Weißwasser wird geflutet

Am Freitag hat das Bergbauunternehmen Leag mit der Flutung des Hermannsdorfer Sees bei Weißwasser begonnen. Der Naturschutzsee in der Bergbaufolgelandschaft des Tagebaus Nochten ist in den vergangenen 13 Jahren künstlich entstanden. In den nächsten fünf bis sieben Jahren wird der See mit aufbereitetem Grubenwasser gefüllt.

Luftbild vom Profil eines künftigen Sees in der Bergbaufolgelandschaft des Tagesbaus Nochtens.
Profil des künftigen Hermannsdorfer Sees vor der Flutung. Bildrechte: Leag

Wenn die Braunkohlebagger im Lausitzer Revier weiterziehen, hinterlassen sie meist große tiefe Löcher. Die füllen sich irgendwann mit Grund- und Regenwasser oder werden geflutet. So entstand das Lausitzer Seenland mit seinen zahlreichen Badeseen. Nun reiht sich eine neue "Perle" in die Seenlandkette ein: der Hermannsdorfer See in der Bergbaufolgelandschaft des Tagebaus Nochten bei Weißwasser. Doch dieser See ist anders als alle anderen in der Region. Der Hermannsdorfer See ist kein Badegewässer und wird auch nicht touristisch genutzt. Er ist ein reiner Naturschutzsee. Die Bergbaubetreiber Vattenfall und jetzt Leag haben ihn künstlich angelegt – als Ausgleich für die Eingriffe in die Natur durch den Tagebau Nochten. Bis 2004 wurde im Bereich des künftigen Sees noch Kohle gefördert. Von 2005 bis 2013 schütteten Bergleute die Fläche und Uferkanten auf und formten damit das künftige Seebecken östlich von Weißwasser.

Gehobenes Grubenwasser aus dem Tagebau Nochten

Drei Männer stehen auf einer Schotterstraße neben einem Wassergraben und drehen einen in der Erde verankerten Wasserhahn auf.
Leag-Bergbauvorstand Uwe Grosser und der Görlitzer Landrat Bernd Lange (r.) drehten symbolisch den Wasserhahn zur Flutung des Hermannsdorfer Sees auf. Bildrechte: Rico Herkner

Der See mit seinen zwei Inseln und einer Halbinsel trägt den Namen des angrenzenden Ortsteils der Stadt - Hermannsdorf. Nach der Flutung soll er einmal 250 Hektar groß sein. Zum Vergleich: Der größte See Sachsens – der Bärwalder See bei Boxberg – ist 50 Mal größer. Für die Flutung des Sees werden keine Bäche und Flüsse angezapft, erklärt Leag-Sprecherin Kathi Gerstner. "Das Wasser kommt aus der Behandlungsanlage Tzschelln, wo das gehobene Grubenwasser aus dem Tagebau Nochten aufbereitet wird." Über eine 13 Kilometer lange Rohrleitung gelangt es zum See. Fünf bis sieben Jahre dauert es, bis der See gefüllt ist. "Danach werden wir ihm aber noch Jahrzehnte Wasser zuführen, um Verluste durch Verdunstung und Versickern auszugleichen“, kündigte Leag Chef-Geotechniker, Ingolf Arnold, an.

Hermannsdorfer See wird komplett sich selbst überlassen

„Es ist der erste Naturschutzsee, der in Verantwortung unseres Bergbauunternehmens entsteht und das während die Kohleförderung im Tagebau Nochten weitergehen wird“, sagte der Bergbauvorstand der Leag, Uwe Grosser zum Flutungsbeginn. Das Besondere am Hermannsdorfer See ist, dass er vollständig sich selbst überlassen wird. Welche Pflanzen und Tiere sich dort ansiedeln, soll die Natur selbst regeln, sagte Kathi Gerstner.

Entstehung des künstlich angelegten Naturschutzsees

Ein Tagebaubagger gräbt sich im Tagebau Nochten in die Erde. Die Erde ist teilweise mit Schnee bedeckt.
28. November 2005: An der Innenkippe des Tagebaus Nochten haben die ersten Arbeiten für den Naturschutzsee begonnen. Bagger schütten Ton an die sandigen Flanken. Bildrechte: Leag
Ein Tagebaubagger gräbt sich im Tagebau Nochten in die Erde. Die Erde ist teilweise mit Schnee bedeckt.
28. November 2005: An der Innenkippe des Tagebaus Nochten haben die ersten Arbeiten für den Naturschutzsee begonnen. Bagger schütten Ton an die sandigen Flanken. Bildrechte: Leag
Ein tiefes, mit Wasser gefülltes Loch in einem Braunkohletagebau. An der Kante des Loches steht ein Kohlebagger.
12. Dezember 2005: Die tiefste ausgekohlte Stelle im damaligen Tagebau Nochten. Bildrechte: Leag
Ein langer Bagger schaufelt schneebedeckte Erde im Tagebau Nochten.
14. Dezember 2005: Die tiefste Stelle im Tagebau Nochten - sie ist mehr als 80 Meter tief - wird verkippt. Bildrechte: Leag
Ein Bagger steht zwischen verschiedenen Sand- und Tonschichten in einem Tagebau.
7. Juni 2006: Die verschiedenen Schichten für das Seeprofil werden aufgebracht. Bildrechte: Leag
Ein Tagebaubagger bringt in der Bergbaufolgelandschaft des Tagesbaus Nochten Sand auf den Boden eines künftigen Sees auf.
18. Juni 2015: Der Seeboden entsteht aus einer drei Meter dicken Sandschicht. Darüber kommen drei Meter fetter Ton. Bildrechte: Leag
Bagger formen das Profil eines künftigen Sees im Tagebau Nochten.
18. Juni 2015: Die Massen vom Vorschnitt werden über die Brückenkippe zum künftigen Seebecken gebracht. Bildrechte: Leag
Luftbildaufnahme eines künstlich angelegten Sees im Tagebau Nochten. Der See ist noch ohne Wasser. Im Hintergrund ist eine Stadt zu sehen.
25. Januar 2018: Das Seebecken ist fertig. Im Hintergrund ist die Stadt Weißwasser zu sehen. Bildrechte: Leag
Blick in einen See ohne Wasser mit Sand, Bäumchen und kleinen Sträuchern auf dem Seegrund.
17. August 2018: Der Hermannsdorfer See kurz vor der Flutung. In den nächsten Monaten wird am See noch ein Hochwasserschutzdamm entstehen. Bildrechte: Rico Herkner
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Interessierte können das Naturschauspiel am See verfolgen, allerdings nur aus der Ferne. Es gibt den 13 Kilometer langen Hermannsdorfer Radweg, der vom Aussichtspunkt „Schwerer Berg“ am Stadtrand von Weißwasser entlang der östlichen Grenze des Tagebaus Nochten zum Findlingspark Nochten führt. "Von ihm kann man einen Ausblick auf die Landschaft nach dem Bergbau und natürlich auf den Hermannsdorfer See bekommen", erklärte die Leag-Sprecherin.

Quelle: MDR/ris

Dieses Thema im Programm bei MDR SACHSEN MDR SACHSEN - Das Sachsenradio | 17.08.2018 | ab 5:30 Uhr in den Regionalnachrichten aus dem Studio Bautzen
MDR SACHSENSPIEGEL | 17.08.2018 | 19:00 Uhr

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Zuletzt aktualisiert: 17. August 2018, 15:03 Uhr

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