Eine Frau neben einem Regal
Katrin Treffkorn wünscht sich mehr Politikerinnen in den politischen Gremien vor Ort. Bildrechte: MDR/Madeleine Arndt

Macht mal was mit Macht! Frauen in der Oberlausitz wollen mitregieren

Ob im Kreistag, in Stadtparlamenten oder Ortsbeiräten - Kommunalpolitik wird überwiegend von Männern dominiert. Jetzt machen Oberlausitzerinnen mobil.

Eine Frau neben einem Regal
Katrin Treffkorn wünscht sich mehr Politikerinnen in den politischen Gremien vor Ort. Bildrechte: MDR/Madeleine Arndt

Kratzbürste - Danke, dass Du kritisch bist. Mannsweib - Großartig, dass Du Stärke zeigst. Meckerziege - Klasse, dass Du den Mund aufmachst. Die bunten Postkarten mit den umgedeuteten Schimpfworten liegen im Kolabor aus, Görlitz' ersten und bisher einzigen Co-Working Space. Die Karten sollen weibliche Klischees in Frage stellen.

"Wenn ein Mann laut und energisch wird, wird ihm das positiv ausgelegt. Wenn eine Frau das macht, dann ist sie hysterisch, zickig oder irgendwie befindlich", sagt Katrin Treffkorn. Fragt man sie, dann liegt es nicht unbedingt am Spagat zwischen Beruf und Familie, der Frauen den Schritt in die Politik erschwert. Viele Frauen seien ehrenamtlich tätig, betont die 41-Jährige. Nur müsse ein Ehrenamt auch Spaß machen. "Da geht man dann ungern in Gremien, in denen man sich ständig rechtfertigen muss und die Auseinandersetzung persönlich wird." Weil das aber in der männerdominierten Kommunalpolitik passiert und Frauen dort nicht gleichrangig wahrgenommen würden, scheuten sich viele davor, erklärt Treffkorn.

Nicht immer nur die stille Heldin sein

Um das zu ändern, haben sich verschiedene Frauen aus den Landkreisen Görlitz und Bautzen zusammengetan. Ihr Ziel ist es, mit der parteiübergreifenden Initiative Frauen.Wahl.Lokal mehr Politikerinnen in die kommunalen Parlamente der Region zu bringen. "Das ist zwingend notwendig", betont Treffkorn, "in Sachsen haben wir gerade mal 18 Prozent Frauenanteil in den kommunalen Gremien. Das liegt weit unter dem Bundesdurchschnitt und zeigt, dass wir auch 100 Jahre nach der Einführung des Frauenwahlrechtes bei Weitem noch nicht bei einer Parität in der Politik angekommen sind."

Viele Frauen engagieren sich in den Kommunen, doch das tun sie oft als stille Heldinnen.

Katrin Treffkorn zur Frauenwahlkampagne

Um einer Gleichberechtigung auf der politische Ebene näher zu kommen, bieten die Oberlausitzerinnen gemeinsam mit Gleichstellungsbeauftragten von Städten und Landkreisen seit einem halben Jahr Workshops an. Diese fanden etwa in Görlitz, Bautzen, Kamenz, Reichenbach und Zittau statt. Die Veranstaltungen sollten die Frauen im ersten Schritt ermutigen, sich überhaupt als Kandidatinnen aufstellen zu lassen. Auch wurden Slogans für Poster und Karten entwickelt, um möglichst viele Frauen anzusprechen.

Kamenz hat jetzt eine Frauenliste

Katrin Treffkorn sieht bereits Erfolge: "Die Listen, die jetzt für die Kommunalwahl stehen, zeigen einen deutlich größeren Frauenanteil." Auch seien viele Jüngere dabei. Und in Kamenz hat sich erstmals eine Frauenliste zur Wahl aufgestellt. Nun gilt es in die zweite Phase zu gehen und die Frauen fit für den Wahlkampf zu machen. Neben dem Vermitteln von Knowhow spielt der Aufbau von Netzwerken eine große Rolle.

Bei den Männern kommt die Wahloffensive der Oberlausitzerinnen sehr unterschiedlich an, wie die Görlitzerin beobachtet. Manche fänden es gut, andere seien desinteressiert oder fühlten sich regelrecht angegriffen. Dabei gehe es nicht darum, in Konkurrenz zu treten, dass etwa demnächst Frauen mehr Fraueninteressen in den Parlamenten durchsetzen, verneint Treffkorn. Der Punkt sei, dass Frauen zum Teil einen anderen Blick auf die Themen mitbringen, die für Kommunen wichtig sind. "Wir wollen, dass sich hier eine andere Kultur des Aushandelns etabliert und wir hoffen, das mit einem höheren Frauenanteil zu erreichen."

Quelle: MDR/ma

Dieses Thema im Programm bei MDR SACHSEN MDR SACHSEN - Das Sachsenradio | 07.03.2019 | ab 6:30 Uhr in den Regionalnachrichten aus dem Studio Bautzen

AKTUELLES AUS SACHSEN

Zuletzt aktualisiert: 08. März 2019, 07:23 Uhr

Die Kommentierungsdauer ist abgelaufen. Der Beitrag kann deshalb nicht mehr kommentiert werden.

4 Kommentare

09.03.2019 13:14 Martin Vomberg 4

@ Atheist aus Mangel an Beweisen Nr. 2
Da für Sie, wie Sie zumindest behaupten, die Demokratie ja angeblich so wichtig ist: Es gibt auch zwischen den Wahlterminen genügend Institutionen und Möglichkeiten, sich für die Demokratie zu engagieren! Gelebte Demokratie erschöpft sich mitnichten nicht nur im Gang zum Wahllokal und in der Stimmabgabe! Ich persönlich mache mein Wahlverhalten übrigens nicht vom Geschlecht abhängig, sondern von der Qualifikation und der Vertrauenswürdigkeit der zur Wahl stehenden Kandidaten (egal ob nun männlich o. weiblich). Aber ein bestimmtes Geschlecht würde ich bestimmt nicht von vornherein von meiner Wahlentscheidung ausnehmen, das würde ich als eine Art Selbstzensur empfinden.

08.03.2019 11:42 Jan 3

@ 2 Atheistin aus Mangel an Beweisen
Dann passt das doch ganz gut..... ich wähle gern aus Grund meiner Erfahrungen Frauen. So kommen die Männer nicht zu kurz :-)
Sagen Sie bitte, welche Wahlperiode meinen Sie, 8 Jahre ist? So ein Amt, welches für die Zeit gewählt wird, kenne ich gar nicht. Mir sind nur wahlperioden in deutschland bis 5 Jahre bekannt. Aber da sie hier diese Zahl ennen, können Sie mir bestimmt was dazu sagen.
Dankeschön!

08.03.2019 10:48 Atheist aus Mangel an Beweisen 2

Als Frau wähle ich, auf Grund meiner Lebenserfahrung, grundsätzlich keine Frau!
Dazu kommt das die Wahlperioden von Landtagswahl, Kommunalwahl und Bürgermeisterwahlen immer länger werden, wer also von der vielbesagten Demokratie redet der sollte die auch nicht nur alle 5-8 Jahre eine Stimme geben.
Kein Wunder wenn die Politikverdrossenheit immer größer wird.

08.03.2019 09:39 J.Heder 1

Es muss niemanden verwundern, weshalb so wenig Frauen in dieser real existierenden Gesellschaft in der Politik tätig sind!Es sind ähnliche Ursachen wie die bisherige UNVEREINBARKEIT von Familie und Beruf aus Frauensicht. In einer Gesellschaft wo bis 1974 der Ehemann seiner Frau die Aufnahme einer Feststellung "gestatten" muß und noch heute existierenden UND PRAKTIZIERTEN "Frau an den Herd" Realpolitik ähnelt dies einem Antiquariat aus dem finsteren Mittelalter! Die Ansichten sollten hier dringend auf den modernsten Stand gebracht werden. Da war die DDR um Lichtjahre moderner! Bestes Negativbeispiel ist die Diskussion um Paragraph 218/219!

Mehr aus Görlitz, Weisswasser und Zittau

Mehr aus Sachsen