03.07.2019 | 16:28 Uhr Weißwasser bekommt eine freie Grundschule

In Weißwasser will nach den Sommerferien die Freie Alternativschule in den Schulbetrieb starten. Es wäre die erste freie Grundschule der Stadt. Derzeit wird das Schulgebäude brandschutztechnisch auf Vordermann gebracht.

Friederike Böttcher und Ursula Eichendorff stehen neben der künftigen freien Schule.
Friederike Böttcher und Ursula Eichendorff vom Schulverein stehen neben der künftigen Freien Alternativschule in Weißwasser. Bildrechte: MDR/Madeleine Arndt

Es ist ein unauffälliger Flachbau in einer Anliegerstraße nahe dem Braunsteich. Ein Auto parkt mit offener Kofferraumklappe davor. Die darin beförderten Malerutensilien haben ihren Weg ins Gebäude gefunden, wo gerade Zimmerdecken geweißt werden. Im langgestreckten Flur ist noch das Dachgebälk zu sehen. Hier muss aus Brandschutzgründen eine neue Zwischendecke eingezogen werden, erklärt Friederike Böttcher vom Schulverein. Auch steht in einigen Räumen noch der Einbau neuer Elektrik an. "Ansonsten sind die Arbeiten überschaubar, so dass wir dann tatsächlich mit dem Einrichten beginnen können", sagt die 33-Jährige. Am 19. August sollen hier am Braunsteichweg Mädchen und Jungen in der ersten freien Grundschule von Weißwasser lernen.

Mangels Alternativen selbst eine Schule gegründet

Drei Jahre lang hat es gedauert, bis aus der Idee einer Elterninitiative Wirklichkeit wurde. Die jungen Eltern wollten ihre Kinder nicht in den genormten Alltag staatlicher Schulen stecken. Man suchte nach Alternativen in der Region. "Wir haben uns lange gegen den Gedanken gesträubt, dass wir tatsächlich selbst eine Schule gründen müssen", sagt Ursula Eichendorff, die zweite Hauptmitstreiterin des Schulvereins.

Nach vielen Hospitationen, finanziellen Fragen, dem Wälzen von Fachliteratur und einem Haufen Bürokratie befindet man sich nun auf der Zielgeraden. Das Sächsische Landesamt für Schule und Bildung will grünes Licht geben und hat die Genehmigungspapiere für die Freie Alternativschule Anfang August in Aussicht gestellt.

Kleine Lerngruppe mit 16 Kindern

Das Gebäude der künftigen freien Grundschule
Das Gebäude der künftigen freien Grundschule am Braunsteichweg. Bildrechte: MDR/Madeleine Arndt

Gelernt wird hier dann klassenübergreifend in einer Lerngruppe mit 16 Schülern zwischen sechs und elf Jahren. Es handele sich um eine offene Form des Unterrichts, angelehnt an das reformpädagogische Konzept von Falko Peschel, wie Böttcher erklärt. Nach diesem sollen die Grundschüler den Verlauf des Unterrichts selbst lenken und selbst entscheiden, wie, wann und für welches Fach sie lernen. So schreibt in der gleichen Stunde beispielsweise ein Kind für Deutsch an einer Geschichte, während ein anderes an seinen Rechenaufgaben arbeitet. Der Lehrer wird zum Lernbegleiter, außerdem ist ihm ein Sozialpädagoge zur Seite gestellt. "Die besten Lernchancen entstehen aus eigener Motivation", sagt Böttcher. Das hätten auch Studien zu offenen Unterrichtskonzepten gezeigt.

Wir nehmen die Kinder ganz stark in die Verantwortung, ihre Lernprozesse mitzugestalten.

Friederike Böttcher Schulvorstand der Freien Alternativschule Weißwasser

Dabei habe man auch als Freie Alternativschule die Lehrpläne im im Blick und prüfe, wo die Kinder stehen, wo es noch Bedarf gibt und wo gezielt Impulse gegeben werden müssen, sagt die 33-Jährige.

Ergänzend zum offenen Unterrichtskonzept hat sich die freie Grundschule zwei weitere Schwerpunkte gesetzt. Das ist zum einen das Fördern von Umweltbewusstsein und zum anderen das Erlernen, Entscheidungen gemeinsam zu treffen und auf den Weg zu bringen.

Familiäre Atmosphäre ist wichtig

Die freie Grundschule ist eine Zwergenschule. Das bedeutet, dass ihre Schülerzahl möglichst klein gehalten wird. Pädagogisch betrachtet so klein wie möglich und so groß wie nötig, damit die Schule wirtschaftlich ist, erklärt Böttcher. Für die Zukunft sei noch eine zweite Lerngruppe angedacht, so dass die Bildungseinrichtung insgesamt 32 Schüler hätte. "Damit können wir eine familiäre Atmosphäre gewährleisten und das erleichtert das Lernen."

Und auch nach der vierten Klasse soll es weitergehen: Die Elterninitiative plant bereits die Gründung einer Freien Oberschule.

Schüler während einer Unterrichtsstunde. + Audio
Bildrechte: imago/photothek
MDR KULTUR - Das Radio Di, 30.04.2019 22:00 23:00

MDR KULTUR - Werkstatt: Wie gründet man eine Schule?

MDR KULTUR - Werkstatt: Wie gründet man eine Schule?

Bereicherung, Alternative, Konkurrenz – Schulen in freier Trägerschaft sind begehrt

  • Stereo

Quelle: MDR/ma

Dieses Thema im Programm bei MDR SACHSEN MDR SACHSEN - Das Sachsenradio | 26.06.2019 | ab 08:30 Uhr in den Regionalnachrichten aus dem Studio Bautzen

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2 Kommentare

05.07.2019 12:47 Jale 2

Liebe Eltern,
gebt eure Kinder bloß nicht auf so eine Schule, wenn ihr wollt, dass aus ihnen mal pflichtbewusste, fleißige Erwachsene werden!

05.07.2019 12:45 Jale 1

"Wir nehmen die Kinder ganz stark in die Verantwortung, ihre Lernprozesse mitzugestalten."
Na prima, ihr neuen tollen Lehrer - wälzt ruhig eure Verantwortung auf die Kinder ab. So ein Unsinn, Kinder in der Grundschule einfach das machen zu lassen, was sie wollen - sind denn eigentlich alle wahnsinnig geworden? Ich habe selbst einen Sohn in der 2. Klasse, leider auch in so einer Schule. Er hat sich immer nur die Rosinen rausgepickt und das gemacht, was er am besten kann - Mathe. Ergebnis: Schlechte Rechtschreibung, furchtbar schlechte Schreibschrift. Die Deutsch-Arbeitshefte sind nicht mal zur Hälfte gefüllt, dafür ist das Matheheft abgearbeitet. Und nun? Jetzt darf ich mich als Mutter in den Ferien darum kümmern, dass er all das nachholt. Mein Kind lernt in der Schule leider überhaupt nicht, dass es auch unangenehme Fächer zu lernen hat. Der Lehrer meint dazu, dass das von ganz allein käme, dass die Kinder dann alles lernen wollen... Ach ja???!

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