Zivilcourage Hunderte Menschen feiern beim Friedensfest in Ostritz

Unter dem Motto "Zeichen setzen - Hinsehen - Handeln" sind am Sonnabend mehrere Hundert Menschen zum dritten Friedensfest nach Ostritz gekommen, um Gesicht gegen Rechts zu zeigen. Sie protestierten gegen ein Rechtsrockkonzert, das für den Abend angemeldet ist.

Friedensfest in Ostritz
Bildrechte: xcitePRESS

Der Marktplatz in Ostritz ist am Samstagnachmittag gut gefüllt. 500 bis 600 Menschen reden, spielen, singen oder trinken miteinander Kaffee. Es ist ein ständiges Kommen und Gehen. Veranstalter Michael Schlitt vom Internationalen Bildungszentrum IBZ in Ostritz ist sehr zufrieden mit dem Verlauf des Friedensfests. Es sei den Ostritzern wieder gelungen, ein tolles Programm auf die Beine zu stellen.

Wenn man sich jetzt auf dem Marktplatz umschaut, dann ist das genau dieses weltoffene, tolerante Bild, das wir von unserer Stadt in die Öffentlichkeit transportieren wollen. Das kann man hier wirklich genau so sehen.

Michael Schlitt Internationales Bildungszentrum IBZ

Reggae gegen rechts

Während die Menschen auf dem Markt friedlich feiern, ist nur 200 Meter entfernt die Polizei in Alarmbereitschaft. Denn auf einem privaten Grundstück in der Nähe des Bahnhofs soll am Abend ein Rechtsrockkonzert stattfinden. Seit Sonnabendnachmittag reisen die Teilnehmer an. Es sind aber deutlich weniger als bei den Veranstaltungen im vergangenen Jahr. Die Beamten kontrollieren auf der B99 stichpunktartig Versammlungsteilnehmer, die Richtung Ostritz unterwegs sind. Sie stellen Artikel mit verfassungsfeindlichen Symbolen und einen nicht näher beschriebenen verbotenen Gegenstand sicher. Von der polnischen Seite der Neiße schallen den Besuchern des Rechtsrockkonzerts seit dem Nachmittag Reggae-Klänge entgegen. Der Protest ist von den polnischen Versammlungsbehörden bis 20 Uhr genehmigt.

Bildergalerie Friedensfest gegen Rechtsrockkonzert in Ostritz

Junge Leute vor einer Musikanlage
Mit Musik demonstrieren junge Leute gegen ein geplantes Rechtsrockkonzert auf dem Gelände des Hotels Neißeblick. Bildrechte: Lausitznews
Junge Leute vor einer Musikanlage
Mit Musik demonstrieren junge Leute gegen ein geplantes Rechtsrockkonzert auf dem Gelände des Hotels Neißeblick. Bildrechte: Lausitznews
Junge Leute protestieren mit Musik gegen ein Rechtsrockkonzert in Ostritz
Sie haben ihre Musikanlage am polnischen Ufer der Neiße aufgebaut und beschallen damit die Teilnehmer der rechten Szeneveranstaltung. Bildrechte: Lausitznews
Eine Gruppe junger Leute in Ostritz
Bereits zum dritten Mal veranstalten die Ostritzer ein Friedensfest gegen Rechts. Bildrechte: Lausitznews
Friedensfest in Ostritz
Der Marktplatz war am Nachmittag gut besucht. Bildrechte: xcitePRESS
Ein Musiker auf dem Friedensfest in Ostritz
Die Veranstalter haben ein buntes Programm auf die Beine gestellt. Bildrechte: Lausitznews
Drittes Friedensfest Ostritz
Vor allem viele junge Leute sind auf den Marktplatz gekommen, ... Bildrechte: MDR/Rica Sturm
Drittes Friedensfest Ostritz
... der sich am Nachmittag mehr und mehr füllte. Bildrechte: MDR/Rica Sturm
Auf einem Plakat ist zu lesen: "Das Fremde ist nur denen fremd, die nicht wissen wollen, woher sie selber kommen."
Veranstalter und Einwohner setzen sich für Toleranz und Demokratie ein. Bildrechte: xcitePRESS
Spülmittelflaschen mit der Aufschrift "Fit für Frieden,Toleranz und Weltoffenheit"
Auch Unternehmer beteiligen sich mit kreativen Ideen an dem Fest. Bildrechte: Lausitznews
Drittes Friedensfest Ostritz
Bildrechte: MDR/Rica Sturm
Ein buntes Bild mit der Aufschrift "Peace" auf dem Friedensfest in Ostritz
Bildrechte: Lausitznews
Drittes Friedensfest Ostritz
Bildrechte: MDR/Rica Sturm
Die Menschenkette auf dem Markt am späten Abend in Ostritz.
Am Abend reichen sich die Ostritzer und ihre Gäste in einer Menschenkette um den Marktplatz die Hände. Bildrechte: dpa
Veranstaltungszelt in Ostritz
Mit dem Friedensfest richten sich die Organisatoren gegen ein Rechtsrockkonzert, das am Abend dem Gelände des Hotels Neißeblick stattfinden soll. Bildrechte: Lausitznews
Zwei Männer auf dem Weg Richtung Hotel Neißeblick
Das Gelände des Hotels Neißeblick, das sich im Besitz eines Geschäftsmannes aus Hessen befindet, war 2018 wiederholt Schauplatz rechtsextremer Zusammenkünfte. Bildrechte: Lausitznews
Besucher auf dem Weg zu einem Rechtsrockkonzert in Ostritz
Seit dem Samstagnachmittag reisen Teilnehmer an. Bildrechte: Mitteldeutscher Rundfunk
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"Sachsen ist kein Nazi-Bundesland"

Auf dem Marktplatz spielen indes drei Jugendliche aus Zittau Tischkicker. Tim und Anni sind zum ersten Mal zum Friedensfest gekommen. Tim will zeigen, "dass Sachsen kein Nazi-Bundesland ist und dass es hier auch coole Leute gibt". Und auch Anni will mit der Teilnahme am Friedensfest deutlich machen, dass sie die angemeldete rechte Veranstaltung nicht gutheißt. Janosch ist bereits das dritte Mal dabei. Zivilcourage will er damit zeigen und sich gegen Neonazis aussprechen.

Es kann nicht sein, dass die hier ihre Hitlergrüße zeigen und dafür nicht bestraft werden. Das finde ich nicht gut.

Janosch Besucher des Friedensfests

Höhepunkt des Festes ist am Samstagabend eine Lichterkette. Mehrere Hundert Menschen reichen sich die Hände und bilden einen geschlossenen Ring um den Markt. Bürgermeisterin Marion Prange freut sich, dass zum dritten Friedensfest mehr Ostritzer gekommen sind als bei den ersten beiden, darunter viele Familien mit ihren Kindern. Die Veranstalter schätzen die Zahl der Besucher am Freitag und Sonnabend auf etwa 3.000.

Doch es gibt auch kritische Stimmen. Kerstin Richter, die eine kleine Bücherstube in der Nähe des Marktes betreibt, beteiligt sich am Randes des Festgeschehens, lädt in ihrem Geschäft zum Reden und Teetrinken ein. "Ich bezweifle, ob die Konfrontation mit dem Friedensfest wirklich zur friedlichen Stimmung in der Stadt beiträgt", sagt die 57-Jährige. Sie fände es besser, die Rechten zu ignorieren, als gegen sie vorzugehen. "Aber ich sehe nicht gerne, wenn sich die Rechten hier treffen", betont sie.

Bierduschen für Journalisten

Auf dem Gelände des Hotels Neißeblick haben sich am Abend nach Einschätzung der Polizei etwa 500 Rechtsextreme in einem Bierzelt versammelt. Da die Veranstaltung als Versammlung angemeldet ist, haben eigentlich auch Medienvertreter Zutritt. Nach Pfiffen und Bierduschen begleitet die Polizei die Journalisten allerdings aus Sicherheitsgründen wieder aus dem Zelt.

Eine Zusammenfassung lesen Sie am Sonntag bei MDR SACHSEN.

Quelle: MDR/ris/jr

Dieses Thema im Programm bei MDR SACHSEN MDR SACHSEN - Das Sachsenradio | 23.03.2019 | ab 6:00 Uhr in den Nachrichten
MDR SACHSENSPIEGEL | 23.03.2019 | 19:00 Uhr

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Zuletzt aktualisiert: 24. März 2019, 10:57 Uhr

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15 Kommentare

25.03.2019 00:39 DER Beobachter 15

An anderer Stelle wurde deutlich gemacht, dass es Ostritzer gibt, die das Friedensfest nachhaltig unterstützen, aber nicht mehr wagen, dafür mit ihrem Namen einzustehen...

25.03.2019 00:30 DER Beobachter zu Sabine Sonntag 14

Schon recht. Halten Sie die syrischen und libyschen Zustände, wo es seit Jahren nicht mal mehr eine deutsche konsularische Vertretung gibt, für Normalmenschen für zuträglich? Darf ich eine bekennende Botschaft hinter Ihrem Nicknamen vermuten?

[Liebe User, bitte bleiben Sie beim Thema. Kommentare ohne Bezug zum Thema des Artikels werden entsprechend unserer Kommentarrichtlinien (http://www.mdr.de/service/kommentarrichtlinien100.html) nicht freigegeben. Ihre MDR.de-Redaktion]

24.03.2019 17:43 DER Beobachter @ Theophanu 13

"es gibt wohl kaum jemand mit Restvernunft, der den Hitlergruß befürwortet." Richtig. Nur: dort und bei gewissen anderen Veranstaltungen und Kreisen auch gerade hier in Sachsen ist das ein gewisser Normalzustand - wie die Veranstaltung heute nacht einmal mehr bewies...

24.03.2019 17:39 DER Beobachter @ Sabrina 12

"Das ist doch schön. Da können die Leute doch im Anschluss an das Stadtfest noch zum Rechtsrockfestival gehen und sich höchst selbst ein Bild von dem Geschehen machen.
Oder ist das etwa nicht erwünscht?" Scheint tatsächlich nicht erwünscht zu sein. Oder warum wurden die Polizisten und Journalisten dort attackiert?

24.03.2019 12:34 Janine 11

@Theopahnu 8:

Das du hier lediglich Angst um unsere Demokratie heuchelst wurde dir ja schon nachgewiesen. Mediator kann offensichtlich mit Google umgehen!

Was stört dich daran, wenn der Staat gegen rechts kämpft? Radikalisierung hat viele Stufen. Die Braunen schüren ja immer gerne Ängste in Bezug auf islamistische Hassprediger und machen doch genau das gleiche wie ihre Kollegen von der islamistischen Fraktion. Du hetzt ja selbst gegen "Islamisierung und Masseneinwanderung", so als ob es so etwas in Sachsen auch nur ansatzweise gibt bei gerade einmal 0,5% Bevölkerungsanteil was die Flüchtlinge angeht. Was glaubst du wohl wie die Sachsen, die zu Rechtsterroristen wurden, auf diese kriminellen Ideen gekommen sind? Glaubst du wirklich, dass da nicht auch die AfD mit ihrer Rhetorik auf allen Sendern meinungsbildend beteiligt war oder die diffamierenden und diskriminierenden Hetzreden am Montag in Dresden?

24.03.2019 11:44 Meditaor an Theophanu (8) 10

Sparen sie sich doch ihre Krokodilstränen um die Demokratie! Sie sind eine knallharte Relativiererin von Rechtsextremer Gewalt und dass lässt sich belegen:
Beleg: MDR Artikel "Hirte: Ostdeutschen fehlt Erfahrung mit Ausländern"
Kommentar Theophanu(151): "Wir habe im Osten keinen "Rechtsterrorismus" (in Leipzig eher einen aktiven Linksterrorismus) und Rechtsextreme sind auch nicht stärker vertreten als im Westen"
Das passt zu ihrer Relativierung, dass in Sachsen natürlich keiner den Hitlergruß zeigt und dass nur in Sachsen-Anhalt passiert.
Ein Kampf des Staates gegen Rassismus, Spaltung der Gesellschaft, Ideologien die die Ungleichheit von Menschen beinhalten ist sicher nicht antidemokratisch. Rechtspopulisten machen sich gerne zunutze, dass es eben keinen klaren Übergang zwischen Rechtspopulismus und Rechtsradikalismus gibt. Die AfD spielt ja auf dieser Klaviatur und gesellschaftliche Spaltung und Gewalt nimmt man für Wählerstimmen gerne in Kauf.

24.03.2019 11:06 linker Durchblicker 9

Dass die Rechten sich zu einem "Konzert" zusammenrotten dürfen, ist schlimm genug. Das deren Unterstützer ihre Propaganda über öffentlich-rechtliche Kanãle verbreiten dürfen, ist dann allerdings ein Skandal!

24.03.2019 10:15 Theophanu 8

Ein Artikel, der Kopfschütteln verursacht. "Hitlergrüße zeigen"- erstens war das in Sachsen-Anhalt und es gibt wohl kaum jemand mit Restvernunft, der den Hitlergruß befürwortet. "Kampf gegen rechts"- rechts, links, mitte, libearl etc das sind legiime Richtungen in JEDER Demokraie. In vielen demokratischen Ländern gibt es rechte Regierungen. Ein staatlich gefördeter Kampf gegen rechts ist letztlich ein Kampf gegen die Demokratie.

24.03.2019 08:53 Mediator 7

Wenn sich der Eindruck, dass Sachsen ein Bundesland voller Rechtsextremisten sei sich nicht verfestigen soll, dann müssen die Bürger Sachsens noch viel Arbeit leisten und gegen ihre braunen Mitbürger Flagge zeigen.

Sicherlich ist Rechtsextremismus kein Problem Sachsens oder der neuen Bundesländer alleine, aber dort ist die Anschlussfähigkeit rechtsextremistischer Ideen besonders hoch. Nicht umsonst ist die Häufigkeitszahl rechter Gewalttaten in sachsen um den Faktor 9 höher als z.B. in Hessen. Einen Trost mag es für die Sachsen geben, in Mecklenburg-Vorpommern liegt dieser Faktor bei 20.

Einfach mal "Rechte Gewalt in den Bundesländern" googeln und sich klarmachen, warum viele Menschen Ostdeutschland für ein Sammelbecken rechter Hohlköpfe halten.

24.03.2019 00:31 na so was 6

"... soll ein Rechtsrockkonzert stattfinden …" Warum sollte dieses Konzert nicht stattfinden. Die Rechten sind in Deutschland nicht verboten. Warum haben die Oberen in diesem Land nicht einmal soviel Arsch in der Hose, und verbieten alle Organisationen mit rechten Gedankengut. Nur mit ablehnen und dagegenreden wird sich nicht ändern. Auch den Polizisten wäre sicher besser gedient, sie wüssten, diese Zusammenrottungen sind verboten und schon können sie auch ganz anders handeln. Dieses "eine Hintertür offenhalten" ist für mich beschämend für Deutschland, wenn die Regierung sich nicht eindeutig positioniert.

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