20.11.2019 | 19:01 Uhr Letzter Wunsch in Görlitz: Wenn das Haustier mit ins Grab darf

Für Sabine Bauer-Helpert steht schon lange fest, dass sie sich auf dem Friedhof in Görlitz mit ihrer bereits verstorbenen Partnerin Claudia ein Grab teilen will. "Als wir nach Görlitz gezogen sind und hier spazieren gingen, ist uns das Grabfeld aufgefallen", erzählt Bauer-Helpert. Auch Katze Nelly soll mit ins Grab. Das ist in Sachsen momentan nur auf dem Friedhof in der Neißestadt erlaubt. Die ehemalige Pastorin wusste sofort, dass sie sich so eine Bestattung wünscht.

Ort zum Trauern für Mensch und Tier

Eine Frau seht vor einem Grab.
Sabine Bauer-Helpert ist sich sicher, sie will neben ihrer verstorbenen Partnerin Claudia und ihrer Katze Nelly begraben werden. Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Sabine Bauer-Helpert weiß, dass es auch Tierfriedhöfe in Sachsen gibt. Die seien aber ausschließlich für die Haustiere bestimmt. Der ehemaligen Pastorin ist es aber wichtig, dass sie nur einen Ort zum Trauern hat. "Hier weiß ich, ich kann immer herkommen", meint die 69-Jährige. Noch ist Katze Nelly am Leben und durfte sogar schon mal mit auf den Friedhof: "Da habe ich mich hingesetzt und nachgedacht."

Positive Rückmeldungen aber kein großer Bedarf

Grabstein auf Friedhof.
Bisher wurden nur zwei Gräber vorreserviert. Weitere Anfragen für den Mensch-Tier-Friedhof gäbe es noch nicht. Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Dass sich Mensch und Tier in Görlitz ein Grab teilen können, ist seit Februar 2017 möglich. Die Satzung des Friedhofs wurde kurzerhand geändert. So darf beispielsweise der Name des Haustiers auf dem Grabstein stehen, erklärt Leiterin Evelin Mühle. Die Idee dazu kam der Friedhofschefin aus einer Fachzeitung. "Da habe ich gelesen, dass es im Westen Friedhöfe gibt, die sowas schon machen", sagt Mühle. Aus der Bevölkerung gäbe es bislang positive Rückmeldungen. Der Bedarf sei aber noch gering. Bisher wurden zwei Gräber vergeben. "Es gibt auch große Hürden", so Mühle. "Das Tier muss eingeäschert werden, anders als bei einem Tierfriedhof."

Ablauf der Bestattung noch unklar

Eine Frau sitzt in einem Büro an einem Schreibtsich und arbeitet am Computer.
Evelin Mühle weiß, dass die Bestattungswünsche unterschiedlich sind. Eine große Zeremonie für verstorbene Haustiere abzuhalten, komme aber nicht in Frage. Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Das sei auch der Grund, weshalb bislang noch kein Tier auf dem Görlitzer Friedhof beigesetzt wurde, meint Evelin Mühle. Noch sei auch nicht abschließend geklärt, wie so eine Beerdigung aussehen könnte. "Wir wissen beispielsweise noch nicht, wer die Urne transportiert. Ob wir das machen oder die Angehörigen." Eine große Zeremonie sei ohnehin nicht erlaubt. Das bleibt den Menschen vorbehalten. Sabine Bauer-Helpert ist das ganz recht. "Ich bin damit einverstanden, dass das Tier eine Grabbeigabe ist. Ich lasse es einäschern und die Friedhofverwaltung setzt die Urne dann formlos mit ins Grab."

Quelle: MDR/dh/fg

Dieses Thema im Programm bei MDR SACHSEN MDR SACHSENSPIEGEL | 20.11.2019 | 19:00 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 20. November 2019, 19:01 Uhr

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