Die Bergwelt der Oberlausitz
Die Bergwelt der Oberlausitz soll Teil eines Geoparks werden. Bildrechte: Andrzej Paczos

Neuer Geopark in der Oberlausitz Mit Steinen Touristen anlocken

Steine und ihre Geschichte entdecken - das ist das Anliegen eines künftigen Geoparks, der die Oberlausitz, Böhmen und Niederschlesien in Polen verbinden soll. Auf einer Konferenz des Senckenberg-Museums für Naturkunde in Görlitz wurden nun die Chancen eines solchen Projektes besprochen, aber auch die Risiken wie Massentourismus.

Die Bergwelt der Oberlausitz
Die Bergwelt der Oberlausitz soll Teil eines Geoparks werden. Bildrechte: Andrzej Paczos

Sie haben geschummelt, diese DDR-Bürokraten. Als München in den 1960-er Jahren Granit aus den Königshainer Bergen nahe Görlitz für den Bau des Olympiastadions bestellte, haben Berliner Beamte zugesagt. Allerdings hatte niemand in Königshain nachgefragt, ob noch genug Granit vorhanden war für so ein umfangreiches Projekt. Die Steine reichten nicht. Für den Großauftrag wurde der letzte Steinbruch in der Region bis auf den letzten Brocken leergeschlagen. Weil das nicht genug Material brachte, holte man sich Gestein aus anderen Brüchen und ließ das in Königshain lediglich zu Pflastersteinen verarbeiten. Im Vertrag stand damals nämlich nur, dass das Pflaster aus Königshain kommen muss. Über das Rohmaterial war nichts zu lesen.

Schwarz-Weiß-Aufnahme, Gruppenfoto von Arbeitern aus einem Steinbruch, im Vordergrund Granitblöcke.
Lächeln fürs Foto - Arbeiter aus dem Steinbruch in den Königshainer Bergen hatten aber einen harten Job. Bildrechte: Schlesisch-Oberlausitzer Museumsverbund, Repro: Anja Köhler

Anja Köhler vom Granitabbaumuseum in Königshain kennt viele solcher Steingeschichten. Das Museum, das in einem leeren Gebäude des ehemaligen Steinbruchs eingerichtet wurde, erzählt einige davon. Zum Beispiel die vom Limasberg, der komplett abgetragen wurde, um eine Görlitzer Eisenbahnbrücke, das Neißeviadukt, zu bauen. Wissenschaftler, Museumsleute und Naturfreunde aus der Region wollen noch viel mehr vermitteln über die Steine, die die Landschaft, die Wirtschaft und den Tourismus in der Oberlausitz, Böhmen und im polnischen Teil Niederschlesiens prägen. Sie planen einen Geopark im Dreiländereck. Mit dem Geopark "Muskauer Faltenbogen" hat die Oberlausitz schon solch ein Areal im Nordosten geschaffen, ein deutsch-polnisches Projekt, das von der UNESCO anerkannt wurde.

Ein Geopark schränkt Wirtschaft nicht ein

In einem Steinbruch bei Königshain hat sich Wasser angesammelt. Rings herum stehen Bäume.
Ein ehemaliger Steinbruch in den Königshainer Bergen, heute ein kleiner See. Baden ist hier verboten. Bildrechte: Anja Köhler, Schlesisch-Oberlausitzer Museumsverbund

Ein Geopark ist eine besonders ausgewiesene Region, in der Erdgeschichte erlebbar wird. In Infozentren und auf Tafeln werden historische, geologische, kulturelle und landschaftliche Besonderheiten erklärt. "Ein Geopark ist kein Naturschutzgebiet - weder Landwirtschaft, noch Industrie, noch Bau werden beschränkt", erklärt Jörg Büchner, Geologe am Senckenberg-Museum für Naturkunde in Görlitz. Das Museum ist mit zwei tschechischen Partnern Initiator des Vorhabens. Tourismusexpertin Ute Pflicke von der Hochschule Zittau/Görlitz sieht Potenzial in so einem Geopark. "Die Menschen zieht es verstärkt in die Natur. Der Wandertourismus begeistert immer mehr Leute, gerade auch junge Familien. Außerdem gibt es den Trend zur Wissenskultur. Wer in den Urlaub fährt, möchte dort auch etwas lernen", sagt die Wissenschaftlerin. Da könne ein Geopark gute Angebote schaffen. Schwierigkeiten und Risiken nannte Martina Pásková vom tschechischen Ministerium für Umweltschutz. "Manche Parks arbeiten zu wissenschaftlich. Sie erklären die Landschaft nicht verständlich", sagt Pásková. In China hätten solche Parks mit Massentourismus zu kämpfen. "Und oft werden sie von oben nach unten geplant, ohne die Menschen mitzunehmen", so Martina Pásková.

Genau das soll beim neuen Geopark-Projekt nicht passieren. Deswegen bauen die Initiatoren im Moment erst einmal ein Netzwerk auf mit Schulen, Museen, Vereinen, wissenschaftlichen Einrichtungen und anderen Partnern. Zudem bereiten sie derzeit mit 600.000 Euro von der Europäischen Union bis September 2020 eine Studie vor. Mit der soll später geprüft werden, ob so ein Geopark wirklich machbar ist und wenn ja, wie er aussehen soll.

Aktuell umfasst der geplante Park eine Fläche von 5.000 Quadratkilometer und liegt je zu einem Drittel in Polen, Tschechien und Deutschland. Geologe Jörg Büchner möchte mit dem Projekt, die Vielfalt der Landschaft zeigen – vom Tiefland in der Teichlausitz bis zum Isergebirge mit bis zu 1.100 Metern Höhe, mit Basaltfelsen und Tagebauen, mit Seen und erloschenen Vulkanen. Die Geologie sei überall, wie Büchner sagt.

Die Vielfalt des künftigen Geoparks

Die Lausche bei Waltersdorf.
Die Lausche bei Waltersdorf, der höchste Berg im Zittauer Gebirge, soll künftig zum Geopark gehören. Bildrechte: Senckenberg-Museum für Naturkunde Görlitz
Die Lausche bei Waltersdorf.
Die Lausche bei Waltersdorf, der höchste Berg im Zittauer Gebirge, soll künftig zum Geopark gehören. Bildrechte: Senckenberg-Museum für Naturkunde Görlitz
Klosterruine auf dem Oybin nahe Zittau vor blauem Himmel.
Auch die Klosterruine auf dem Oybin bei Zittau wird Teil der geplanten Geopark-Landschaft. Bildrechte: IMAGO
Die Teufelsmauer von Osečná in Böhmen.
Der Geopark reicht bis ins Böhmische hinein und zur Teufelsmauer von Osečná. Bildrechte: Senckenberg-Museum für Naturkunde Görlitz
Ein ehemaliger Steinbruch bei Königshain, in dem sich Wasser gesammelt hat.
In diesem ehemaligen Steinbruch bei Königshain wurde jahrzehntelang Granit abgebaut. Bildrechte: Anja Köhler, Schlesisch-Oberlausitzer Museumsverbund
Die Eisenbahnbrücke Neißeviaduk in Görlitz über dem Fluss.
Das Neißeviadukt in Görlitz wurde aus dem Granit der Königshainer Berge errichtet. Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK
Skifahrer und Spaziergänger laufen am 30.12.2016 vor dem Fichtelberghaus auf dem Fichtelberg in Oberwiesenthal. Im Hintergrund stehen die Baude und das Hotel.
Für das Hotel auf dem Fichtelberg wurde auch Königshainer Granit verwendet. Bildrechte: imago/Uwe Meinhold
Alter und neuer Schinkel-Leuchtturm am Kap Arkona auf der Insel Rügen
Auch der Leuchtturm am Kap Arkona auf Rügen (rechts) besteht aus Granit aus der Lausitz. Bildrechte: dpa
Menschen laufen bei einer Exkursion durch den Steinbruch Klunst bei Ebersbach-Neugersdorf.
Bei Ebersbach-Neugersdorf gibt es am Klunstberg einen aktiven Steinbruch. Bildrechte: Senckenberg-Museum für Naturkunde Görlitz
Karte zeigt die Dimension des geplanten Geoparks Oberlausitz
Der geplante Geopark umfasst 5.000 Quadratkilometer. Görlitz liegt fast in der Mitte. Bildrechte: Netzwerk Gecon, Senckenbergmuseum Görlitz
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Quelle: MDR/nng

Dieses Thema im Programm bei MDR SACHSEN MDR SACHSEN - Das Sachsenradio | 13.02.2019 | 13:30 Uhr in den Regionalnachrichten aus dem Studio Bautzen

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Zuletzt aktualisiert: 13. Februar 2019, 17:39 Uhr

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