Grenzkontrolle an der Autobahn 4
Bildrechte: MDR/Rosmarie Hennig

Kriminalität Sächsische Polizei 40 Stunden an der Neiße im Dauereinsatz

Bei einem großangelegten Polizeieinsatz in Sachsen, Brandenburg und Mecklenburg-Vorpommern waren von Dienstagabend bis Donnerstagnachmittag 3.100 Beamte im Einsatz. Sie kontrollierten vor allem Pkw. Ziel war es, Diebstahl zu bekämpfen. Außerdem ging es um illegale Einwanderung und Schwarzarbeit.

Grenzkontrolle an der Autobahn 4
Bildrechte: MDR/Rosmarie Hennig

Ein Schlagring. Lars Menzel vom Zoll schaut auf den Bildschirm. Das Röntgenbild eines Gepäckstücks zeigt die typische Form. "Das sieht schon ziemlich eindeutig aus", sagt Menzel. Und es war dann auch tatsächlich ein Schlagring. Aber nur aufgeprägt auf eine Gürtelschnalle, wie sich bei der Kontrolle herausstellte. Das ist nicht verboten.

Lars Menzel vom Zoll sitzt vor einem Bildschirm. Der zeigt das Röntgenbild eines Gepäckstücks.
Lars Menzel vom Zoll röngt im Scanvan Gepäckstücke. Bildrechte: MDR/Rosmarie Hennig

Nur ein paar Stunden ist das Bild alt, das Lars Menzel gemacht hat. Eines der ersten bei dieser Polizeigroßaktion an der deutsch-polnischen Grenze. Von Dienstag 21 Uhr bis Donnerstag 13 Uhr sind hunderte Kollegen von Bundes- und Bereitschaftspolizei, lokale Kräfte und der Zoll im Dauereinsatz. Von der Ostseeküste bis ins Zittauer Gebirge entlang der Oder und Neiße kontrollieren sie vor allem Pkw. Lars Menzel ist Teil der Aktion gegen Grenzkriminalität. Er sitzt im mobilen Röntgenfahrzeug des Zolls und kriegt gerade wieder richtig zu tun. Eben haben Polizeibeamte einen Kleinbus mit polnischem Kennzeichen zu ihm durchgewunken. Die Mitfahrer sind schon ausgestiegen und laden ihr Gepäck aus. Koffer, Reisetaschen, ein Paket Waschpulver, Küchenrolle, eine Kühlbox – alles kommt auf das Transportband und wird durchleuchtet. "Wie bei einer Flughafenkontrolle", beschreibt Lars Menzel. Und genauso sieht es auch aus. Während die Polen auf ihr Gepäck warten, kommt Pamela am Auto zum Einsatz. Die zehn Jahre alte Drogenspürhündin schnüffelt an der Karosserie entlang. Beim Kühler wird sie unruhig. Auch bei einer schwarze Jacke im Fahrzeug schlägt sie an. "Das musst du dir näher anschauen", sagt die Hundeführerin zu einem Kollegen. Der sieht sich die Sache jetzt genauer an.

Gestohlene Mercedes-Reifen sichergestellt

Es ist später Nachmittag an der Autobahn 4. Der Parkplatz direkt auf dem Grenzübergang. Dutzende Beamte und Fahrzeuge sind zu sehen. Einige winken Autos aus dem laufenden Verkehr heraus. Ein Polizist mit roter Kelle schickt sie per Winkzeichen weiter zu den Kollegen. "Guten Tag, sprechen Sie Deutsch oder Englisch", begrüßen die Beamten die meisten Fahrer. Dann kontrollieren sie Papiere, Gepäck und auch das Auto selbst.

Schon in den ersten Stunden wird die Polizei entlang der Grenze fündig. "Bei einem polnischen Fahrer wurden Mercedes-Reifen und weiteres Diebesgut sichergestellt. Das alles war wohl kurz zuvor in Frankenberg gestohlen worden", sagt Torsten Jahn von der Pressestelle der Polizeidirektion Görlitz.

Rund 9.000 Fahrzeuge und etwa 12.500 kontrollieren die Beamten in 36 Stunden. 120 Straftaten stellen sie fest, 30 davon in der Oberlausitz. Nach Einsatzende wird die Polizei unter anderem melden, dass sie vermutlich gestohlene Parfüm-Flakons und neuwertige Kleidung sichergestellt hat. Die Kollegen hatten einen Audi A 4 angehalten - eigentlich wegen eines Tankbetrugs kurz zuvor. Im Fahrzeug machten sie dann den Fund. Ein 29-Jähriger hatte außerdem Drogen konsumiert.

Drei Verstöße gegen das Betäubungsmittelgesetz aufgedeckt

Drei Verstöße gegen das Betäubungsmittelgesetz stellen die Beamten insgesamt fest. Vielleicht auch bei zwei Jugendlichen auf der Görlitzer Stadtbrücke – es ist gegen 16 Uhr. Etwas eingeschüchtert stehen die beiden da. Blonde Locken quellen unter ihren Kapuzen hervor. Auf dem Boden liegt eine Tasche, ein Polizist passt auf die beiden auf und verzieht keine Miene. Ein anderer nimmt den Fall auf. Das Wort "Drogen" taucht auf. Was sie konkret gerade feststellen, sagen die Beamten nicht. Datenschutz, bei Minderjährigen gilt das besonders. Ein paar Meter weiter muss ein polnischer Autofahrer die Kennzeichen seines Fahrzeugs abschrauben. "Sie müssen das Auto abschleppen lassen, auf Ihr Grundstück oder in die Garage. Weg von der Straße", weist ein Beamter an. Der Mann telefoniert hektisch, diskutiert. Vergeblich. Die Kennzeichen sind weg. Warum, das verrät die Polizei auch da nicht.

Zwei Polizisten sitzen auf Pferden und reiten durch einen Görlitzer Park.
Auf den Pferden Underberg und Artur sind zwei Beamte der Reiterstaffel in Görlitz unterwegs. Bildrechte: MDR/Rosmarie Hennig

Durch den Stadtpark in Görlitz reiten zwei Beamte der Reiterstaffel. Underberg und Artur heißen ihre Pferde. Sie sind Teil des Großeinsatzes. Mit den Augen in zweieinhalb Metern Höhe können die Polizisten ganz anders sehen als die Kollegen am Boden. Aus der Luft ertönt Hubschrauberlärm. Auch von ganz oben gibt es Unterstützung, vor allem die Autobahn wird so überwacht. Die vielen Autodiebstähle und anderen Eigentumsdelikte an der polnischen Grenze sind Grund für die Aktion, bestätigt Polizeiführer Sven Forbiger. Er leitet den kompletten Einsatz. Sitzt dafür im mobilen Büro in einem langen Lastwagen, der auf einem Busparkplatz in Görlitz steht. Es gehe auch um illegale Einwanderung und Schwarzarbeit, wie der Beamte sagt, ehe er den nächsten Funkspruch an die Kollegen durchgibt.

Bundespolizei baut mobiles Bürozelt auf

Die haben beim polnischen Kleinbus an der Autobahn 4 nichts finden können, obwohl Drogenspürhündin Pamela angeschlagen hatte. Die Gruppe darf weiterreisen. Eine Ukrainerin vielleicht nicht. 2.000 Euro in bar hat sie dabei. Arbeitslohn aus Deutschland sei das, erzählt sie. Ob sie eine Arbeitserlaubnis hat, ist erst einmal unklar. In einem Zelt der Bundespolizei können die Kollegen solche Fälle aufnehmen und prüfen. Noch so ein mobiles Büro. Hier stehen Laptops und Thermoskannen mit Kaffee. "Aber warm ist anders", sagt Michael Engler von der Bundespolizei. Doch das Wetter können sich Polizei und Zoll nie aussuchen.

Der Polizeieinsatz im Grenzgebiet: - in der Oberlausitz kontrollierten rund 700 Landespolizisten 1.723 Fahrzeuge und 2.866 Personen
- 30 Verstöße wurden festgestellt
- es gab fünf Diebstahlsdelikte, drei Verstöße gegen das Betäubungsmittelgesetz, zwölf Verkehrsverstöße, einen Tankbetrug, einen Verstoß gegen das Sprengstoffgesetz und dreimal Urkundenfälschung
- gegen 16 Ukrainer sowie gegen einen Mann aus Aserbaidschan wurden Ermittlungen wegen eines möglichen Verstoßes gegen das Aufenthaltsgesetz eingeleitet
- 27 Mal erwischte die Polizei Personen, nach denen gefahndet wurde; in zwei Fällen lagen sogar Haftbefehle vor, einer wurde vollstreckt, im zweiten Fall zahlte der Betroffene eine Geldstrafe

Ein Auto  ist ein eine Leitplanke gekrackt, Polizisten untersuchen das Fahrzeug.
Auf der Flucht vor der Polizei ist ein Fahrzeug bei Hagenwerder in die Leitplanke gekracht. Bildrechte: Danilo Dittrich

Ein paar Stunden später am Mittwochabend – Hagenwerder, südlich von Görlitz. Polizisten wollen einen Audi A 6 kontrollieren, der gerade am Übergang Radomierzyce von Polen aus über Grenze gekommen ist. Doch dessen Fahrer gibt Gas, will abhauen und knallt bei der Einmündung in die Bundesstraße 99 in die Leitplanke. Sachschaden rund 7.000 Euro. Vier Tschechen sitzen im Fahrzeug, sie bleiben unverletzt. Die Beamten schauen sich das Auto und die Insassen genauer an. Ein Drogenschnelltest bei dem 20-jährigen Fahrer verrät, dass dieser wahrscheinlich Amphetamine konsumiert hatte. Häufig handelt es sich dabei um Crystal, steht später in einer Mitteilung der Polizeidirektion Görlitz. Bei einem 17-Jährigen finden die Beamten ein Tütchen mit einem Gramm Marihuana. Die Polizisten stellen das mutmaßliche Rauschgift sicher. Polizeihund Ufo kommt zum Einsatz, findet aber keine weiteren Drogen. Dafür erkennen die Einsatzkräfte, dass die angebrachten Kennzeichen am Audi aus dem Landkreis Zittau gefälscht sind. Die offenbar zu dem Fahrzeug gehörenden tschechischen Kennzeichen finden sie bei der Durchsuchung des Wagens im Auto. Der junge Fahrer muss sich nun wegen Gefährdung des Straßenverkehrs und Urkundenfälschung verantworten. Das Ergebnis der Blutuntersuchung und der Drogenanalyse steht noch aus. Gegen den 17-Jährigen wird wegen unerlaubten Besitzes von berauschenden Mitteln ermittelt. Die Kriminalpolizei ist nun dran an dem Fall.

Der Polizeieinsatz in Bildern

Polizeieinsatz an der Grenze

Beamte besprechen den Einsatz.
Polzeibeamte besprechen den Großeinsatz an der deutsch-polnischen Grenze. Bildrechte: MDR/Rosmarie Hennig
Beamte besprechen den Einsatz.
Polzeibeamte besprechen den Großeinsatz an der deutsch-polnischen Grenze. Bildrechte: MDR/Rosmarie Hennig
Das mobile Büro des großen Kontrolleinsatzes in Görlitz
In diesem Landesbefehlskraftwagen ist die Einsatzleitung untergebracht. Bildrechte: MDR/Rosmarie Hennig
Polizeiführer Sven Forbiger
Polizeiführer Sven Forbiger leitet den Einsatz. Bildrechte: MDR/Rosmarie Hennig
Lars Menzel vom Zoll legt eine Tasche auf das Transportband des mobilen Röntgengeräts.
Lars Menzel legt einen Rucksack auf das Förderband des mobilen Röntgengeräts. Bildrechte: MDR/Rosmarie Hennig
An der Autobahn wird das Gepäck kontrolliert.
Reisende aus Polen müssen ihr Gepäck neben dem mobilen Röntgenfahrzeug des Zolls abladen. Bildrechte: MDR/Rosmarie Hennig
Zwei Polizisten der Reiterstaffel sitzen auf ihren Pferden.
Auch die Reiterstaffel ist in Görlitz im Einsatz. Bildrechte: MDR/Rosmarie Hennig
In einem Zelt der Bundespolizei ist ein Büro eingerichtet.
In einem Zelt der Bundespolizei ist ein Büro eingerichtet. Bildrechte: MDR/Rosmarie Hennig
Diese Parfüm-Flakons hat die Polizei bei Grenzkontrollen gefunden
In einem Audi entdecken die Beamten vermutlich gestohlene Parfüm-Falkons. Bildrechte: Polizeidirektion Görlitz
Ein Polizist leitet Fahrer per Kelle zu den beamten.
Auf dem Parkplatz am Grenzübergang auf der Autobahn 4 wird auch nachts kontrolliert. Bildrechte: MDR/Rosmarie Hennig
Beamte durchsuchen ein Autowrack, das auf einem Hänger steht.
Im Dunklen wird ein Autowrack überprüft. Bildrechte: MDR/Rosmarie Hennig
Ein Auto ist bei Hagenwerder in die Leitplanke gekracht.
Auf der Fluch vor der Polizei kracht ein Auto in die Leitplanke. Es entstehen 7.000 Euro Sachschaden. Bildrechte: Danilo Dittrich
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Quelle: MDR/nng

Dieses Thema im Programm bei MDR SACHSEN MDR SACHSEN - Das Sachsenradio| 14.03.2019 | 16:30 Uhr in den Regionalnachrichten aus dem Studio Bautzen

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Zuletzt aktualisiert: 14. März 2019, 21:07 Uhr

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